Hannes‘ Blog

Buchempfehlung: Little Brother von Cory Doctorow

Sonntag, 19. Mai 2013 von Hannes

Eigentlich bin ich nicht so die Leseratte. Ich lese zwar gerne, aber viel zu wenig. Die ungelesenen Bücher stapeln sich und immer wieder werden Bücher begonnen und zur Seite gelegt, da sie offenbar nicht fesselnd genug sind. Aber es gibt Ausnahmen. Daher möchte ich an dieser Stelle ein Buch vorstellen, dass es kürzlich geschafft hat, mich regelrecht zu begeistern. Es handelt sich um das Buch Little Brother von Cory Doctorow.

Das Buch wurde 2008 veröffentlicht, aber im Frühsommer 2007 geschrieben und ist somit bereits ca. 6 Jahre alt. Wenn ich es einem Genre zuordnen müsste, würde ich es als „nahe Science-Fiction“ beschreiben. Diese beiden Aspekte ergeben zusammen einen interessanten Effekt. Einige der beschriebenen Elemente sind inzwischen eingetreten, einige haben sich etwas anders entwickelt – und einige stehen noch aus, sind aber täglich zu erwarten. Dadurch entsteht eine spannende Mischung aus Realität und Fiktion, die oftmals die Augen darauf lenkt, wie Dinge hätten laufen können oder was bevorstehen könnte.

Die erzählte Geschichte dreht sich um den 17-jährigen Marcus, einen normalen Geek in einer normalen Schule in San Francisco. Das „normale“ Schulumfeld beinhaltet eine Totalüberwachung aller Schüler. Die daraus resultierenden „normalen“ täglichen Handlungen von Marcus beinhalten das Umgehen und Austricksen dieser Überwachungseinrichtungen. In seiner teilweise selbstverschafften Freizeit widmet er sich RPGs und diversen technischen Aktivitäten rund um Computer, Kameras und Hacking.

An dieser Stelle liegt in meinen Augen auch der einzige größere Schwachpunkt des Buches, der jedoch im Dilemma des unterschiedlichen Hintergrunds der Leser begründet ist und somit auch nicht zu umgehen ist. Auf mich lässt die wiederholte Betonung der Normalität von Marcus‘ Tätigkeiten und der Beschreibung von Lapalien (wie z.B. 1337) seinen Charakter eben nicht normal und selbstverständlich wirken, sondern ein wenig aufgesetzt. Denn viele der Dinge nutze ich täglich und empfinde sie daher ohnehin als normal. Für jemanden ohne technisches Interesse, ohne Vorwissen oder ohne tägliches Nutzungsverhalten sieht das aber wahrscheinlich nicht nur anders aus, sondern macht die Erläuterungen sogar essenziell nötig, um das Buch zu verstehen.

Aber zurück zur Story. Während eines ARG werden Marcus und seine Freunde Zeugen einer riesigen Detonation, die sie zunächst für ein Erdbeben halten. Sie geraten bei ihrem Weg in die U-Bahn in eine Massenpanik, bei der Marcus‘ bester Freund verletzt wird. Doch statt Hilfe zu bekommen…

An dieser Stelle werde ich nicht mehr verraten, denn hier beginnt die eigentliche Story, der ich nicht vorweg greifen möchte. Denn die Story ist hochspannend und wesentlich weniger vorhersehbar als sonst so oft. Aber neben der Story geht es noch um viel mehr. Um Überwachung. Um Privatsphäre. Um Menschen in politischen Systemen und darum, wo Grenzen nicht mehr akzeptiert werden können.

Hintergrund

Das Buch ist gespickt mit Fachwissen in vielen verschiedenen Bereichen, was es in großen Teilen sehr realistisch und hochgradig interessant und spannend macht. Der Autor Cory Docotorow bringt geschichtliche, soziologische, politische und technische Elemente und Aspekte in einen Zusammenhang, was das Buch sehr realistisch, logisch und greifbar werden lässt. Wichtige Gegebenheiten werden dabei immer entsprechend erläutert, so dass auch im jeweiligen Gebiet bisher unbedarfte Leser leicht folgen können und jeder sicherlich neue Anstöße und Gedankengänge mitnehmen kann.

Vertrieb als kostenloses Buch

Eine absolute Besonderheit stellt das Vertriebsmodell dar, denn Cory Doctorow stellt sein Buch unter einer Creative Commons Lizenz zur Verfügung. Das bedeutet, dass das Buch für den privaten Gebrauch legal kostenlos heruntergeladen und weitergegeben werden darf.

Bei der Lizenz handelt es sich um eine Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Lizenz. Das bedeutet, dass man das Buch kopieren, weitergeben und weiterverarbeiten darf, wenn man die Quellen (Autor) entsprechend angibt, dies nicht zu kommerziellen Zwecken tut und aus dem Werk abgeleitete Werke unter der gleichen Lizenz bereitstellt. Warum Cory Doctorow das so macht, kann und sollte man übrigens in der Einleitung der englischen Version des Buches lesen, da er hier stichhaltige Gründe für die kostenlose Distribution nennt, die den Blick auf den kommerziellen Buchmarkt um neue Perspektiven ergänzen.

Zuträglich ist diese Vertriebsform allerdings vor allem für die Vielseitigkeit der Angebote. Beispielsweise hat Christian Wöhrl das Buch auf Deutsch übersetzt und Fabian Neidhardt hat daraus ein Fan-Hörbuch gemacht (hier bei iTunes). Dennoch gibt es auch kommerzielle Versionen des Buches. Darunter befinden sich einige Printauflagen (auch auf Deutsch oder Französisch) und auch käufliche eBooks. Ein Hörbuch in englischer Originalsprache gibt es natürlich auch.

Empfehlung

Ich selbst habe das Buch über ManyBooks.net bezogen. Der Vorteil von ManyBooks liegt darin, dass man die verfügbaren Bücher gleich im gewünschten Format herunterladen kann. Obwohl es Little Brother auf Deutsch gibt, würde ich zur englischen Originalversion von Litte Brother raten. Denn dort ist zum einen die wirklich lesenswerte Einleitung vollständig dabei, zum anderen bleibt jede Übersetzung eine Übersetzung – und in meinen Augen ist dieses Buch auch auf Englisch gut verständlich.

-> Buch hier herunterladen

Eindrücke einer Andalusien Rundreise

Sonntag, 04. November 2012 von Hannes

Ende Oktober 2012 haben wir zu zweit eine Rundreise durch Südspanien (genauer gesagt Andalusien) begonnen. Eine einwöchige Reise, die ich in der Form gewiss nicht wieder machen würde, die mich aber an viele schöne Orte brachte, die durchaus eine Erwähnung und vielleicht auch einen zweiten Besuch wert sind.

Es handelte sich um eine fertig gebuchte „Mietwagen-Rundreise“ von Thomas Cock – was auch schon der gröbste Fehler an der ganzen Sache war; denn eine Mietwagenrundreise vereint in einzigartiger Art und Weise die Nachteile aller möglichen Reiseformen. Die erste Freude bereitete uns der Reiseanbieter gleich mit der Abflugszeit. Wer um 6:15 abhebt, hat in den Tagen um den Abflug keinen Spaß. Denn nach Adam Riese heißt das: 4 Uhr im Parkhaus, Abfahrt zu Hause um 3 Uhr, Aufstehen also um 2. Wer es vorher bis 12 ins Bett geschafft hat, gehört zu den Glücklichen, die noch ganze zwei Stunden Schlaf abbekommen. Ideale Grundvoraussetzung für einen ersten Reisetag, den man dann pünktlich um 9 Uhr am Zielflughafen beginnen darf.

Eine „Mietwagen-Rundreise“

Nun zu den vereinten Vorteilen Nachteilen der Mietwagen-Rundreise. Wenn man beispielsweise eine „wir fahren einfach los“-Tour mit einer fertig gebuchten Pauschalreise vergleicht, hat man bei der ungeplanten Tour den Vorteil, dass man immer dort bleiben kann wo es einem gefällt, während bei der gebuchten Reise penibelst genau feststeht, wo man die kommende Zeit verweilen wird – ob es einem dort nun gefällt oder nicht. Dafür hat man bei der Pauschalreise keinerlei Stress mit der Unterkunftssuche. Man legt sich also sprichwörtlich jeden Abend ins gleiche gemachte Bett, während der „wir schauen mal wo wir bleiben“-Reisende von einem Ort zum andern fährt, und sich mit Sprache, Händen und Füßen eine Bleibe sucht.

Bei der fertig gebuchten Mietwagen-Rundreise tat Herr Cock sein bestes, diese Nachteile zu vereinen. Man verbringt zwar nicht jede Nacht im gleichen Hotel, dennoch ist die Auswahl ein wenig obskur. Die ersten zwei Tage in Sevilla fanden wir uns beispielsweise in einem Vorort wieder, mit einem traumhaften Blick über eine vierspurige Tempo-80-Zubringerstraße auf die unweit gelegene Autobahn. Ein wahres Highlight für Freunde des entfernten Meeresrauschen, wie man sich sicherlich mit ausreichend Fantasie einreden kann. Meine Fantasie war leider nicht ausreichend. Dafür konnte man die Altstadt aber auch nicht zu Fuß erreichen, sondern musste mit dem Auto fahren. Toll.

A prospros Auto. Im voraus gebuchte Mietwagen sind eher so die Autos, die man sich sonst nicht ausgesucht hätte. Sicher nicht. In unserem Fall: KIA cee’d, eher nicht so neu, dafür aber mit kaputten Radlagern und zu wenig Luft in den Reifen.

Die Hotels waren übrigens überwiegend der Kategorie „megagroße Business-Prunkhotels im Eichenholz-Marmor-Gold Dekor, wie nur die Blüte der 80er- und 90er-Jahre sie hervorbringen konnte“ zuzuordnen. Einige davon haben Ihre besten Zeiten zwar schon deutlich hinter sich, ignorieren das aber gekonnt. Gerne sind solche Häuser auch zentral gelegen. Nicht zentral im Sinne der Stadt; mehr zentral im Sinne von großen Industriegebieten und Zubringerstraßen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel – einige Hotels hatten auch ihr Gutes.

Aber zurück zur „Mietwagen-Rundreise“. Man könnte die Reiseform auch mit einer mehrtägige Stadtreise und einer Busrundfahrt vergleichen. Erstgenanntes ermöglicht einem, die Stadt und ihre Menschen kennenzulernen, was bei Zweitgenanntem eher unmöglich ist, da man von einer Sehenswürdigkeit zur anderen gefahren wird und die Stadt schon wieder verlassen hat, bevor man überhaupt weiß, wo sich die Stadtbewohner überhaupt aufhalten. Dafür kommt man mit der Bustour viel herum und kann die Busfahrten zum lesen, regenerieren, nachdenken oder schlafen verwenden.

Wenn man der Empfehlung von Herrn Cock folgt, schafft man es auch hier, die Nachteile bestmöglich zu vereinen. Dieser Empfehlung nach hetzt man von Touristenattraktion zu Touristenattraktion, ohne irgendetwas von Land und Leuten mitzubekommen, um sich dann schwungvoll in seinen Mietwagen zu setzen und den schnellsten Weg zum nächsten Hotel herunterzureißen.

Da uns das aber alles nicht so zusagte, haben wir dann die Reiseempfehlungen des Herrn Cock einfach beiseite gelegt, uns mit dem Gold und Marmor in den Hotels abgefunden – und dann unser eigenes Ding gemacht.

Die Tour und die Straßen

Wie von der „Reiseleitung“ vorgesehen, hatten wir folgende Stationen, die wir auch so anfuhren.

  1. Sevilla
  2. Córdoba
  3. Úbeda
  4. Granada
  5. Ronda

Nur die Route, die wählten wir gänzlich anders. Wie genau, seht Ihr in dieser Karte:


Größere Kartenansicht

Hierzu kann ich gleich sagen, dass das eine Strecke für Auto- und Straßenbegeisterte ist. Wunderschöne Sträßchen, fernab von allem, oft sehr sehr schmal, teilweise einspurig mit Gegenverkehr, vereinzelt mit auf der Straße liegenden Geröllbrocken – und natürlich mit Kurven und Serpentinen ohne Ende. Wer nicht auf so etwas steht, sollte definitiv eine andere Route wählen. Aber nun zu den Details.

Die Strecke von Jerez nach Úbeda ist völlig unspektakulär und kann auch weggelassen werden.

Völlig spektakulär hingegen ist die Rundfahrt von Villacarillo nach Villanueva del Arzobispo (hier als Einzelroute). Über 100km auf einer kleinen Straße, völlig verlassen und kaum Autos (insgesamt vielleicht 5), was aber auch gut so ist, denn man kommt selten aneinander vorbei. Auf dem Weg einige völlig verlorene Fincas, aber nur wenige davon verlassen – viele sind gut in Schuss. Sonst: Nur Olivenbäume und Kurven, Kurven, Kurven.

Ebenfalls zu empfehlen ist die Route von Granada nach Ronda, wobei hier oft merkwürdige Geschwindigkeitsbegrenzungen stehen. Außerdem bemerkenswert: Die Anzahl der verlassenen Gebäude; teils antik, teils nicht fertiggestellte Neubauten – und sogar fertiggestellte Neubauten, die nie bezogen wurden.

Ein letztes Highlight war diese Route von Ronda nach Arcos de la Frontera, bei der sich der eingezeichnete Umweg über Zahara wirklich lohnt. Auch Start- und Zielort sind hier durchaus die Parkplatzsuche wert.

Die Städte

Einen Besuch der angefahrenen Städte kann ich in jedem Fall empfehlen, allerdings hätte ich mir für jede einzelne Stadt mehr Zeit gewünscht. Wie immer haben mich die Touristenattraktionen mehr genervt und gelangweilt, als dass ich mich gefreut hätte, sie zu sehen. Natürlich sind die Alhambra, die Mezquita de Córdoba oder die Kathedrale von Granada beeindruckende Orte, aber in den Städten gibt es so viel mehr zu sehen – Dinge, die mindestens genau so schön und beeindruckend sind, an denen aber alle nur vorbeilaufen, seien es Einheimische oder Touristen, die damit beschäftigt sind, in Richtungen zu fotografieren, bei denen ich mich ständig frage, was dieses Bild nun sagen soll.

Was bei dieser Tour deutlich zu kurz kam, ist der eigentliche Charakter der Städte. Auch wenn wir immer versucht zu haben, uns von den Touristenpfaden zu lösen und unsere Zeit an Orten verbracht haben, wo die Leute hingehen, die dort leben – innerhalb von einem oder zwei Tagen hat man keine Chance, die Stadt auch nur in Grundzügen zu verstehen oder zu merken, wie sie tickt. Daher steht – wenn ich noch mal in die Nähe komme – für mich ganz klar auf der Liste, die Anzahl der Städte zu beschränken, und die eine besuchte Stadt richtig kennenzulernen, bevor ich mich einer anderen widmen werde.

Die Bilder

Anders als bei meinen letzten Urlauben habe ich mich bei der Kameramitnahme dieses Mal nicht nur auf das iPhone beschränkt – zumindest habe ich das nicht geplant. Doch die Tour hat gezeigt, dass ich das gleich hätte machen können. Denn die Kompaktknipse, die ich dabei hatte, machte ihrem Namen alle Ehre. Sie wurde nur für lustloses Rumgefuchtel in der Gegend und einige zeitlich randomisierte Auslösungen benutzt – ganz wie es die Kameraindustrie vorsieht und es ein braver Tourist auch macht. Daher habe auch nicht die geringste Lust, mir anzuschauen, was sich auf der Speicherkarte befindet – denn ich rechne dort nicht mit Bildern, die ich auch als solche bezeichnen würde.

Die einzigen Fotos, die ich gemacht habe, sind wieder in gewohnter Manier mit dem Telefon entstanden. Kein wildes rumgeknipse, sondern 1 bis 5 Bilder am Tag – eben dann, wenn es sich lohnt. Diese Bilder sind gesammelt auf dieser campl.us-Seite zu finden – wer oben auf die kleine rote Stecknadel klickt, kann sogar im Detail nachvollziehen, wo die Bilder aufgenommen wurden.

Fotodrucker bei dm

Samstag, 14. April 2012 von Hannes

Seit Jahren gehe ich immer, wenn ich bei dm bin, zu den Fotodruckern und schaue, welche von meinen Bildern ich auf Fotopapier mit nach Hause nehmen möchte. Meistens gehe ich unverrichteter Dinge und etwas frustriert nach Hause. Völlig ohne Bilder. Obwohl meistens alle Fotoautomaten frei sind. Und das hat auch einen Grund.

Der Grund ist die Software auf den Fotoautomaten. Denn die Möglichkeiten, Bilder auf die Maschine zu übertragen sind inzwischen nicht mehr nur von gestern, sondern von vorgestern. Am besten beginne ich mal mit einer Bestandaufnahme.

Zunächst gibt es da die physischen Anschlüsse: CD-Laufwerk, USB, CF, Microdrive, MS, MS Duo, SD, miniSD, MMC, RS-MMC, SM, xD und sogar ein lustiger Infrarot-Port steht zur Verfügung. Damit wären wir auch schon bei den kontaktlosen Möglichkeiten. Denn die Maschine verfügt zudem über Bluetooth – und falls einer der Kodak-Automat dort steht, kann man sich auch bei facebook, Picasa oder der Kodak-Gallery anmelden (eMail und Passwort benötigt) und die Bilder von dort beziehen.

Über die physischen Anschüsse möchte ich nicht meckern. An der dicken Staubschicht in einigen davon kann man zwar ablesen, wie oft sie verwendet werden, aber sie tun auch keinem weh – Platz ist schließlich genug und um das Design hat sich ohnehin niemand gekümmert. Der vorhandene Internetanschluss und Bluetooth sind auch sehr wichtige Voraussetzungen, der Vollständigkeit halber könnte man sich noch WiFi wünschen, aber das wäre nicht einmal zwingend nötig.

Das Problem liegt – wie schon gesagt – in der Software, und zwar ganz grundlegend – sowohl im Konzept als auch in der Umsetzung. Zur Umsetzung möchte ich gar nicht viel sagen, es handelt sich um den üblichen, hässlichen Terminal-Schimmel an den man sich durch die stoische Repetition von Bahn, ÖPNV und Co. inzwischen bereits gewöhnt hat. Das beschränkt sich übrigens nicht nur aufs Design, sondern ist auch konsequent im Bereich der Benutzbarkeit (Usability) und beim Nutzungserlebnis (User Experience, UX) durchgesetzt. Schlimmer jedoch ist das Konzept.

Exkurs:

Ich war ja immer ein großer Freund der drahtlosen Datenübertragung – bereits 2002 war ich mit meinem Palm m500 über Infrarot mit meinem Siemens ME45 im Internet und wurde dafür stets belächelt. Den Meisten war damals bereits klar, dass die Sache mit dem mobilen Internet sowieso völlig unnötig ist und sich deshalb auch nie durchsetzen wird. Später dann mit meinem Siemens CX75 (so gegen 2005) empfand ich das Nummern-Abtippen immer als umständlich und bevorzugte daher den vcard-Austausch via Bluetooth, was wiederum fast nie funktionierte. Dies lag aber nur in den seltensten Fällen an technischen Gründen (Nokia stellte sich z. B. damals quer), sondern meistens waren es die Leute, denen das alles „viel zu kompliziert“, „viel zu umständlich“ oder „viel zu unsicher“ war. Der wahre Grund war allerdings immer, dass es ihnen viel zu „technisch“ war. Eine Liste mit Namen von Bluetooth-Geräten schreckt doch mehr ab, als man wahrhaben möchte.

Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Heute verbindet immer noch niemand (außer Geeks) sein Telefon via Bluetooth freiwillig mit anderen Geräten. Die einzigen Ausnahmen bilden da von Zeit zu Zeit Freisprecheinrichtungen im Auto – aber die Anzahl der Leute, die auch im Auto mit Telefon am Ohr telefonieren zeigt, dass die Schwelle auch dort immer noch höher ist, als man annehmen könnte. Beim iPhone ist es sogar so, dass die direkte Verbindung zu anderen Telefonen gar nicht möglich ist. Statt dessen schicken sich Leute Nachrichten über WhatsApp, tauschen Visitenkarten über bump aus und teilen ihre Fotos über Mover. All dies funktioniert völlig „untechnisch“, sondern nur mit echten Namen, physischem Anstoßen oder virtuellem Rüberschubsen.

Wie kann es also sein, dass in einer Welt, in der es sprichwörtlich für alles eine App gibt, ein Fotoautomat dem Kunden mit den Worten „Das Gerät meldet sich mit dem Namen KIOSK_8090 in Ihrem Handy-Display“ oder „Bluetooth®: Bitte wählen Sie auf Ihrem Handy die entsprechenden Bilder aus und senden Sie diese an den Kiosk mit dem Namen Kodak Kiosk 2“ vor die Füße bricht tritt. Dabei könnte es so viel einfacher sein.

Warum bietet dm nicht eine simple, schlanke App an?

Ein Konzept, wie diese funktionieren könnte, ist schnell erklärt.

Die App ist kostenfrei im App-Store erhältlich und bietet Zugriff aufs eigene Fotoalbum. Innerhalb der App können einfach und schnell Alben erstellt werden, die – unabhängig von Zeit und Ort – ratzfatz mit Bildern befüllt werden können. Man sitzt also gemütlich in einem Café und stellt durch simples Antippen einen Satz Bilder zusammen, die man gerne auf Papier hätte. Einstellungen wie z. B. die Anzahl der Abzüge pro Bild und einfache Bearbeitungen wie z. B. Beschneidungen oder Filter sind auch möglich. Dann geht man mit seinem Telefon zu dm.

Dort tritt man vor den Automaten, startet die App und bekommt das aktuelle Kamerabild mit dem Hinweis, den Code eines Automaten zu scannen, angezeigt. Die verfügbaren Automaten zeigen einen jeweils eindeutigen Identifikationscode (z. B. QR) auf dem Monitor. Hält man sein Handy direkt vor den gewünschten Automaten, werden die beiden Geräte verbunden. Dann können vom Telefon aus einzelne Bilder oder komplette Alben ausgewählt werden. Weitere Einstellungen (Anzahl, Bildgröße, Bearbeitung) sind nach wie vor am Handy und auch am Automaten möglich, aber dezent platziert und nicht notwendig. Der Automat zeigt zu jeder Zeit den aktuellen Preis und einen großen Button zum Bestätigen. Fertig.

De facto musste der Kunde genau ein Mal den Automaten berühren, um die gewünschten Bilder zu erhalten. Und selbst das ist hier mehr aus Gründen der Absicherung angedacht, damit niemand aus Versehen munter losbestellt. Und selbst dieses Risiko wäre vermutlich tragbar.

Offensichtlich ist es nicht schwer, die Fotodrucker nutzbar zu machen. Möglicherweise würde eine solche App die momentan minimale Auslastung der Automaten – und somit ihren Umsatz – sogar drastisch steigern. Man müsste nur diese klitzekleine App umsetzen. Warum dm das nicht macht, kann nur dm selbst beantworten. Aber vielleicht liest ja jemand hier mit und kann was dazu sagen…

Everything is a Remix – Die Sache mit der Kreation von Neuem

Samstag, 18. Februar 2012 von Hannes

Heute bin ich durch einen Link von Kai-Christian auf eine vierteilige Web-Videoreihe namens Everything is a Remix gestoßen, die mich wirklich überzeugt hat. In dem Vierteiler geht es um Kreativität und das Wesen von Kreation, um die Wege von kreativem Schaffen und die Evolution der Ideen – und damit letztendlich auch um das Modell des geistigen Eigentums und die Angst vor der Kopie.

Hierbei wird ein breites Bild gezeichnet, das auf die wichtigen Aspekte der kreativen Arbeit zu sprechen kommt. Der kreative Prozess wird hierbei als Evolutionsprozess dargestellt, der aus den drei Schritten kopieren, verändern und kombinieren besteht.

Der Filmemacher Kirby Ferguson nimmt den Zuschauer mit auf eine interessante und humorvolle Reise mit zahlreichen Beispielen dieses Evolutionsprozesses in den Bereichen Musik, Film, Mechanik und Software. Außerdem erklärt er den Sinn und Ursprung von Schutzrechten und zeigt am Beispiel von Patenten, wie sich diese seit ihrer Einführung verändert haben und inwiefern sie sich inzwischen ad absurdum führen. Nebenbei wird dem Zuschauer schnell klar, wie groß der Unterschied ist, ob man selbst eine Kopie fertigt, oder ob die eigene Arbeit kopiert wird.

Was mir an der Videoreihe besonders gefallen hat, ist die hervorragende Ausarbeitung der Inhalte, die den an sich sehr spröden Themenbereich wunderbar bildlich und greifbar darbietet. Die vielen und detaillierten Beispiele zeugen hierbei von einer aufwändigen und tief gehenden Recherche. Außerdem kommt die gesamte Reihe ohne Vorwürfe aus, sondern stellt nüchtern die einzelnen Standpunkte gegenüber, oftmals mit einem Augenzwinkern und manchmal mit einem amüsanten Seitenhieb.

Gerade jetzt, wo die Proteste gegen ACTA (Wikipedia, Stopp ACTA) und SOPA (Wikipedia) in aller Munde sind und die schlussendliche Entscheidung über den Einsatz beider Entwürfe noch nicht absehbar ist, erachte ich die Videoreihe als hochrelevant. Denn in ihr wird ein neutraler Blick auf das Wesen des kreativen Schaffens und den Umgang der Gesellschaft mit neuen Kreationen gerichtet, ohne Stimmung in Bezug auf die aktuellen Geschehnisse zu machen.

Stattdessen regt die Reihe zum Nachdenken an und schafft es so vielleicht, den ein oder anderen neuen Blickwinkel in die sehr komplexe Diskussion über den Umgang mit den Urheber- und Leistungsschutzrechten zu bringen. Und vielleicht schafft sie es sogar, den radikalen Vertretern der jeweiligen Seiten einen Blick in das Lager der gegenüberliegenden Seite zu verschaffen.

Nun aber genug der Worte:

Video 1

Video 2

Video 3

Video 4

Path – Ein neues Modell für Social Media?

Sonntag, 08. Januar 2012 von Hannes

Path gibt es seit November 2010, ich selbst bin seit dem 1. März 2011 dabei. Nach einer kurzen Testphase mit durchschnittlicher Nutzung habe ich es aufgrund der wenigen Nutzer in meinem Freundeskreis wieder ad acta gelegt. Seit wenigen Monaten erfährt Path jedoch eine Renaissance – die Nutzerzahlen steigen merklich und auch in meinem Bekanntenkreis gibt es immer mehr Nutzer und Interessenten.

Einige Fragen bekomme ich seitdem regelmäßig gestellt – allen vorweg die Frage, was Path denn nun von twitter, facebook oder instagram unterscheide. Daher möchte ich diese (und die ein oder andere weitere) Frage aus meiner Sicht hier im Blog beantworten.

Was ist Path eigentlich?

Path ist zunächst ein Onlineservice, der es ermöglicht, Erlebnisse mit seinen Freunden und Bekannten zu teilen. So können beispielsweise Bilder, Videos, Texte, gehörte Musik, an gemeinsamen Erlebnissen beteiligte Freunde und besuchte Orte den auf Path angemeldeten Freunden mitgeteilt werden. Einige der Inhalte können verknüpft werden, so dass z. B. zu jedem Gedanken oder Erlebnis auch ein Ort und die beteiligten Freunde vermerkt werden können. Außerdem kann veröffentlicht werden, wann man schlafen geht und wann man wieder aufsteht. Letztendlich lassen sich diese Inhalte auch an facebook, twitter, tumblr und foursquare weiterreichen, wenn man das wünscht.

Dies klingt zunächst wie einer der unzähligen Social-Startup-Dienste, allerdings gibt es ein paar kleine aber feine Unterschiede.

Design

Path ist schön. Echt jetzt. Schlankes, schlau gemachtes Design, das wirklich zum Benutzen anregt. Individuelle Cover, ein flink animierter Blumenstrauß an Posting-Optionen, den man gerne auch mehrfach öffnet und schließt – einfach weil die Animation Spaß macht. Besonders nett ist in meinen Augen auch der Marker, der beim Scrollen in Timelines den üblichen Scrollbalken auf der rechten Seite durch den Zeitpunkt ergänzt, zu dem die gezeigten Ereignisse geteilt wurden. Auch dies ist ansprechend durch die Kombination aus Text und einer analogen Uhr dargestellt. Auch die Foto-Option beinhaltet Filter, die zwar an Instagram erinnern, ihm allerdings qualitativ nicht das Wasser reichen können.

150 Freunde

Freunde sammeln ist bei Path nicht möglich, da die maximale Anzahl an Freunden auf 150 beschränkt ist. Dies schiebt sowohl den krankhaften Freundesammlern (wie man sie von myspace und wkw leider noch bestens gewohnt ist), als auch den gerne auf google+ wohnenden selbsternannten Social Marketing Profis einen Riegel vor. Path selber begründet die Begrenzung so:

We are inspired by Professor Robin Dunbar from Oxford University, whose research delves deeply into the number of trusted relationships humans can maintain throughout life. We tend to have 5 best friends, 15 good friends, 50 close friends and family, and 150 total friends. At Path, we’re building tools for you to share with the people who matter most in your life.

Diesbezüglich meine ich mich auch zu erinnern, dass vor rund einem Jahr nur 50 Freunde möglich waren. Die Steigerung auf 150 kann man schon kontrovers diskutieren. Letztendlich könnte man sich hier auch selbst beschränken – die Frage nach der Wirksamkeit sei dabei jedoch dahingestellt. Dennoch bleibt es abzuwarten, ob die 150er Grenze bestehen bleibt.

Keine Links

Während die meisten Dienste die Option bieten, Links zu teilen – und dies durch integrierte Viewer u. ä. unterstützen, gibt es diese Option bei Path augenscheinlich bewusst nicht. Links werden nur als Text angezeigt und sind nicht verlinkt – und demnach auch nicht antippbar. Dies mag zuerst unsinnig erscheinen, das ist es aber ganz und gar nicht. Denn im Zusammenspiel mit den anderen Eigenschaften, ergibt sich ein durchaus stimmiges Gesamtbild.

Path hat es geschafft, ein neues Modell der Social-Sharing-Services aufzubauen. Bei den klassischen Diensten – als Beispiele seien jetzt mal facebook und twitter genannt – richtete sich der Fokus mit der Zeit immer mehr auf die Inhalte (Content), die einfach via Link von externen Quellen eingebunden werden konnten. Infolgedessen rückte bei vielen Nutzern die Qualität des Contents und dann in letzter Instanz die eigene Reputation in den Vordergrund, während die persönliche Komponente teilweise in den Hintergrund gedrängt wurde. Bei Path ist eine solche Entwicklung – also weg vom persönlichen Netzwerk hin zum inhaltlich bestimmten – durch die genannten Einschränkungen kaum möglich.

Einschub:

Dazu kurz von vorne. Facebook und twitter als „unpersönliche Contentschleudern“ mit Reputationsgier? Wie haben sich facebook und twitter mit dem großen Wachstum entwickelt? Ein paar Beobachtungen hierzu.

Content-Filter beim Sender:

Die Frage „Kann ich das posten?“ höre ich im Bezug auf facebook immer öfter. Konkret halten mir Bekannte ihr Telefon vor die Nase, zeigen mir ein Foto oder einen Text, stellen mir diese Frage und ergänzen diese mit dem Hinweis, dass „da auch Arbeitskollegen und Freunde der Eltern“ mitlesen. Ob das nun falsch angenommene Freundschaftsanfragen, fehlende Nutzung von Listen, falscher Content oder ein systemimmanentes Problem ist, kann diskutiert werden. Die Problematik ist auf jeden Fall da.

Content-Filter beim Empfänger:

Wie oft habt Ihr Beschwerden von Leuten über Dritte gehört: „Die schreibt immer einen Unsinn, das interessiert doch keine Sau!“? Was objektiv korrekt betrachtet eher ein Filter-Problem auf der Seite des Empfängers ist, wird von ahnungsfreien Empfängern gerne als Filterproblem des Senders dargestellt.

Reputation:

Social-Media-Marketing ist in aller Munde. Die Artikel „Wie kriege ich mehr Follower auf twitter?“, „Wie gewinne ich Fans für meine facebook-Seite?“ und „1000 Follower in drei Tagen“ sind in einer Anzahl vorhanden, dass man meinen könnte, sie seien allein für den erhöhten Speicherbedarf weltweit verantwortlich. Der „professionelle Einsatz von facebook“ ist an der Tagesordnung. Und auch viele der privaten Nutzer geben sich große Mühe, sich möglichst positiv darzustellen – selbstverständlich immer im Sinne des in der Öffentlichkeit gewünschten Bildes, welches natürlich von Person zu Person sehr unterschiedlich sein kann.

Der Punkt liegt darin, dass es Inhalte gibt, die auf inhaltlicher Ebene interessant sind. Gute Zeitungsartikel, interessante Blogposts, lustige Bilder und Videos, usw. Für den Austausch solcher Inhalte sind unter Umständen facebook und im Besonderen twitter hervorragend geeignet. Wichtig ist hierbei nicht, woher der Zugang zu diesen Inhalten stammt, sondern wie „gut“ diese Inhalte sind. Daher folgt man auf twitter gerne auch Menschen, die man nicht oder kaum kennt, da man weiß, dass sie gute Inhalte zur Verfügung stellen.

Facebook an sich kommt zwar aus der „Freunde-Ecke“, wird aber inzwischen auch für inhaltliche Infos (Veranstaltungen, Links, …) genutzt. Daher hat es mit dem großen Problem zu kämpfen, persönliche und inhaltliche Inhalte sinnvoll nach dem persönlichen Bedarf des Nutzers filtern zu müssen. Dass dieses Problem angegangen wird, sieht man schon allein an der Voreinstellung „Hervorgehobene Meldungen zuerst“ in der Timeline – ein Filter, der aufgrund der Resonanzbetrachtung die inhaltlichen Infos meist höher als die persönlichen Infos wertet – abgesehen von großen persönlichen Ereignissen wie Hochzeiten oder Geburten.

Das ist auch durchaus verständlich; denn im mittleren dreistelligen Bereich liegende Freundeszahlen sind bei facebook durchaus üblich. Eine solche Anzahl spiegelt auch durchaus ein durchschnittliches soziales Netzwerk (von Nichtsesselpupsern) wieder, welches allerdings überwiegend „Bekanntschaften“ enthält, und keinesfalls ausschließlich „Freunde“ im klassischen Sinne. Und wer will von seinen „Bekanntschaften“ jede persönliche Info erfahren?

Und damit kommt man dem Kernproblem etwas näher. Von „Bekanntschaften“ nimmt man gerne gute Vorschläge (Links) bezüglich Konzerten, Veranstaltungen, Artikeln oder Videos an. Auch Bilder von einer extravaganten Party, einen dummen Spruch und die Info über die kürzlich stattgefundene Verlobung nimmt man gerne wahr. Allerdings gibt es auch viele Infos, die man an dieser Stelle nicht vermissen würde. Dazu zählt das Abendessen der Person, wann sie aufsteht und schlafen geht, dass sie jetzt einkaufen geht und dass sie neue Schuhe hat. Dennoch gibt es auch (enge) Freunde, die sich genau dafür interessieren. Dies kann man zwar wiederum mit Listen (oder der Nutzung der Hervorgehobenen Meldungen) herausfiltern, aber das machen interessanterweise die wenigsten Menschen.

Außerdem gibt es Dinge, die man (senderseitig) unbedingt mit wenigen teilen möchte, aber keinesfalls mit allen. Soll wirklich jeder wissen, dass man gerade im Krankenhaus liegt? Und ist die „enge Freunde“-Liste bei facebook für eine solche Mitteilung wirklich die geeignete Plattform? Bekommen es die entscheidenden Leute darüber tatsächlich mit?

Was Path ausmacht

Genau an diesen Stellen hakt Path ein. Die Begrenzung der Freundschaften sorgt dafür, dass nicht jede Bekanntschaft auf Path hinzugefügt werden kann. Man macht sich automatisch Gedanken: „Möchte ich meine persönlichen Erlebnisse mit dieser Person teilen?“ Dies führt im Idealfall zu einem Netzwerk aus „echten“ Freunden. Auch das Freundesammeln und das erhöhen der in aller Munde liegenden „Reichweite“ ist bei 150 Freunden nicht möglich. Denn 150 „schafft“ wirklich jeder, darüber hinaus aufgrund der Restriktion aber keiner. Somit ist die Sache an sich uninteressant.

Zudem kann man bei Path nicht mit „guten Inhalten“ aus Fremdquellen punkten, da keine Links geteilt werden können. Man kann also davon ausgehen, dass nur „Freundschaften“ eingegangen werden, weil beide Menschen an den persönlichen Erlebnissen des Anderen interessiert sind – und nicht etwa, weil jemand guten Content von dem Anderen erwartet. In diesem Kontext ergeben dann wiederum die anderen Inhalte Sinn. Während es auf twitter im Regelfall niemanden interessiert, wann man aufsteht oder schlafen geht, sind auf Path nur die Leute in der Freundesliste, die sich hierfür tatsächlich interessieren.

Fazit

Nachdem twitter und facebook erwachsen geworden sind und neben persönlichen Infos immer mehr inhaltliche Infos (i.d.R. Links) beinhalten, sind die sehr persönlichen Infos dort aus diversen Gründen nicht immer erwünscht. Diese Lücke versucht Path zu schließen und hat dazu sehr gute Ansätze. Während inhaltliche Infos und der öffentliche Teil der persönlichen Infos (Veranstaltungen, Feste, Jubiläen, …) weiterhin auf den groß gewordenen Netzen ihr Forum finden, können die persönlichen Infos privater Natur (also nur für enge Freunde bestimmte Erlebnisse) auf Path geteilt werden. Und um diese Trennung zu erhalten, gibt es die oben kommentierten Einschränkungen: Wenig Freunde, keine fremden Inhalte und ein hübsches Interface, dass das Eintragen gemeinsamer Erlebnisse vereinfacht.

Mein Tipp: Einfach mal anschauen. Die App gibt’s für iPhone und Android, mehr Infos auf der Homepage von Path.

iPad einrichten: Die coolsten und besten iPad Apps

Montag, 11. Juli 2011 von Hannes

Heute wurde mir mit den Worten „mach mal fertig und alles drauf was cool ist“ ein noch originalverpacktes iPad in die Hand gedrückt. Da das nicht zum ersten mal passiert ist, und sich vielleicht auch andere Leute über ein paar Tipps freuen, gibt’s nun den epischen „was-macht-der-Hannes-auf-ein-iPad“-Artikel.

Zum „unboxing“ (zu Deutsch „auspacken“) gibt’s an dieser Stelle keine weiteren Infos, denn die finden sich in großer Zahl auf youtube.

Aktivierung

Vor der Aktivierung des iPads empfehle ich immer, die iTunes-Installation auf dem für die Aktivierung und spätere Datensicherung verwendeten Rechner auf die aktuellste Version hochzuziehen (iTunes öffnen → Menü „iTunes“ → „Nach Updates suchen …“). Außerdem kann man – falls vorher schon ein iPhone oder iPod touch vorhanden war – diesen synchronisieren und danach alle App-Updates laden, um zuvor gekaufte und ggf. neue Universal-Apps gleich auf dem Rechner zu haben (in der linken Seitenleiste „Apps“ klicken → unten rechts auf „Nach updates suchen“ klicken → oben rechts „Alle kostenlosen Updates laden“ klicken → Apple-ID und Passwort eingeben).

Ist alles auf den Rechner geladen, kann das iPad einfach mit dem mitgelieferten USB-Dock-Connector-Kabel an den Rechner angeschlossen werden. Die Schritte in iTunes sind meines Erachtens selbsterklärend; hier müssen nur die gewünschten Einstellungen vorgenommen, Formulare ausgefüllt und auf „weiter“ gedrückt werden.

Mein Tipp hierzu: kein BackUp von einem iPhone oder iPod touch wiederherstellen – denn viele iPhone-Apps laufen zwar auf dem iPad, sind dann aber im MegariesenPixelwürfelMaulwurf-Modus und fühlen sich von der Bedienung her schrecklich an. Außerdem empfehle ich immer, keine Apps, Videos, Songs o.ä. automatisch zu synchronisieren, weil man sich damit schnell das Gerät mit Dingen zumüllt, die man dort wirklich nicht möchte.

Einstellungen

Für die richtige Wahl der Einstellungen gehe ich immer streng von links nach rechts vor, dann vergesse ich nichts. Konkret: In der linken iTunes Seitenleiste das iPad auswählen und dann die oben erscheinende Leiste von links nach rechts durcharbeiten. Bevor ich hiermit beginne, treffe ich jedoch folgende Vorbereitungen:

  • im „Bilder“-Ordner auf der Festplatte einen Ordner namens „iPad Fotos“ anlegen, und darin nach belieben Unterordner erstellen. Jeder Unterordner ist hierbei ein Fotoalbum. Also beispielsweise „Urlaub Italien“, „Geburtstag Peter“, usw. Bilder können dann auch gleich in den Ordnern abgelegt werden.
  • in iTunes eine Wiedergabeliste erstellen („iPad“ oder so), und dort die Alben reinschieben, die man gerne auf dem iPad hätte.

Nach diesen Vorbereitungen kann es losgehen. Meine Tipps zur Einrichtung:

  • Infos: Hier lasse ich alle Kontakte, alle iCal Kalender und je nach Wunsch die Mail-Accounts, die Lesezeichen und die Notizen synchronisieren. Bei einem nagelneuen iPad empfiehlt es sich, unter „Erweitert“ die Häkchen zu setzen, so dass alle alten Informationen auf dem iPad zunächst gelöscht und durch die Daten vom Rechner ersetzt werden.
  • Apps: Hier würde ich empfehlen, die Apps zu synchronisieren. Allerdings wähle ich hier nur Apps aus, die auch auf dem iPad funktionieren, und keine iPhone-Apps, die dann skaliert angezeigt werden.
  • Musik: Hier aktiviere ich die Synchronisation, und beschränke diese auf „Ausgewählte Wiedergabelisten, Interpreten, Alben und Genres“. Dann wähle ich ausschließlich die zuvor erstellte Wiedergabeliste „iPad“ aus. Fertig.
  • Filme, TV-Sendungen, Podcasts, Bücher: Al gusto. Der Trick mit den Listen und Ordnern funktioniert hier natürlich auch.
  • Fotos: Hier wähle ich „Fotos synchronisieren“ und gebe unter „Wählen Sie einen Ordner …“ den entsprechenden zuvor erstellten Ordner an. Fertig. Die Alben werden auf dem iPad dann automatisch aus den bestehenden Unterordnern erstellt.

Das war’s dann eigentlich auch schon mit der Einrichtung, nun kann man mit der Installation der iPad-spezifischen Apps beginnen. Die meiner Meinung nach tollsten, besten und coolsten Apps möchte ich im Folgenden kurz vorstellen. Hierbei stehen übrigens keine Preise, da sich diese schnell ändern können, und damit Fehler im Artikel wären.

 

Datenübertragung und Datenspeicher

 

DropboxDropbox, der Altmeister des cloudbasierten Datenspeichers hat selbstredend eine iPad-App. Für diejenigen, die Dropbox noch nicht kennen: Die Dropbox ist ein Ordner auf Eurem Rechner, der sich automatisch mit der Cloud (das ist ein Rechnerverbund in diesem Internet) synchronisiert. Diesen Ordner könnt Ihr auf so vielen Rechnern einrichten wie Ihr wollt. Dann sind die Dateien in dem entsprechenden Ordner (der Dropbox) auf all diesen Rechnern immer auf dem gleichen Stand.

Das ganze wird angereichert mit Schmankerln wie auf Wunsch öffentlichen Ordnern, gemeinsam genutzten Ordnern mit anderen Menschen, und und und. Wer noch keinen Account hat: Den gibts hier umsonst, für Kohle gibts mehr Speicher.

Das coole an der iPad-App: (more…)

Achtung E-Post – Eine Warnung

Mittwoch, 03. November 2010 von Hannes

E-Post Werbung

Heute habe ich – wie viele Andere auch – per Postwurfsendung den Werbeflyer für den E-Postbrief erhalten.

Da ich diese Dienste – egal ob E-Post oder De-Mail – in höchstem Maße kritisch bewerte, möchte ich jedem empfehlen, sich vor einer leichtfertigen Anmeldung die folgenden Links anzuschauen:

Außerdem empfehle ich dieses Skype-Interview (nur Ton, kein Bild) mit RA Udo Vetter, welches von lawblog.de geführt wurde. Entsprechend dazu ist ein Artikel auf gutjahr.biz erschienen:

Was ist Eure Meinung zu dem Thema?

Ubuntu 10.10 Maverick Meerkat auf dem Acer Aspire One 532 Netbook

Sonntag, 24. Oktober 2010 von Hannes

Vor 1½ Jahren habe ich einen einen Artikel über ein Ubuntu 8.10 auf einem Acer Aspire One A110L geschrieben, in dem ich von meinen Erfahrungen mit dem Gerät und Ubuntu beschrieben habe. Dieser Artikel wurde sehr oft gesucht und gelesen, denn offenbar bestand eine große Nachfrage nach dem Thema. Da ich heute das aktuelle Ubuntu 10.10 Maverick Meerkat auf einem Acer Aspire One 532 Netbook installiert habe und selbst nur spärliche Informationen gefunden habe, beschreibe ich hier kurz mein Vorgehen und meine Erfahrungen mit der Installation.

Das ganze ist selbstverständlich nur einer von vielen möglichen Wegen, vielleicht nicht der Ideale und nur eine Beschreibung von dem, was ich gemacht habe. Daher kann ich auch weder eine Verantwortung übernehmen, noch Fragen beantworten, die im Wesentlichen über das hier beschriebene herausgehen.

Ausgangszustand

Ausgeliefert wird das Acer Aspire One 532 Netbook mit „Windows 7 Starter“. Nach einem ersten Start hat es erstmal einige Stunden gedauert, bis alle Installationen und Nachinstallationen abgeschlossen waren. Danach erfreute mich dieses Windows andauernd mit nervigen Popups von McAffe (nur dass die Affen das „Afee“ schreiben), Windows-Sicherheitsbedenken und Norton-Kram, so dass selbst das Herunterladen der Linux-Installationsdateien zur Qual wurde. Das war bereits der erste Zeitpunkt, an dem ich mich sehr gefreut habe, dass die Windows-Installation bald der Vergangenheit angehören würde…

Zur Hardware: Das Netbook sieht schick aus, fühlt sich arg plastikmäßig und wenig hochwertig an – ist dafür aber schön leicht, was in meinen Augen ein Pluspunkt ist. Die Tastatur ist super, besonders hervorheben möchte ich die zweizeilige Return-Taste, die mir sehr wichtig ist und deren einzeiliger Bruder mich bei diversen Netbooks (Lenovo z.B.) bereits zur Weißglut getrieben hat. Auch die Tastenanordnung und die „Beschreibbarkeit“ sind sehr gut.

Wer einen USB-Stecker in die Buchse bringen will, sollte vorher etwas Krafttraining machen, ich hoffe das leiert noch ein bisschen aus, sonst befürchte ich argen Verscheiß an USB-Sticks. Festplatte, RAM, Geschwindigkeit, Akku etc. pp. werde ich hier nicht weiter bewerten, dazu findet sich genug im Netz.

Herunterladen der Quelldateien

Am besten besorgt man sich die Dateien gleich mit der ohnehin schon installierten Windows Version. Also einfach den vorinstallierten Internet Explorer öffnen und die folgenden Dateien herunterladen:

Auf der Download-Seite von Ubuntu habe ich mich im Schritt 1 für die momentan aktuelle Version 10.10 entschieden. Schwerer fiel mir die Wahl der Version (32 bit oder 64 bit), da der Intel N450 zwar ein 64 bit Prozessor ist, die 64 bit Version aber mit „AMD“ bezeichnet ist und mich dies zunächst stutzig machte. Die 64 bit Seite im Wiki von Ubuntu hat mir nicht wirklich weiter geholfen, die Kompatibilitätsliste für 64 bit beinhaltet den Atom N450 Prozessor nicht. Die Empfehlungen für 64 und 32 bit halten sich die Waage.

Ich habe mich schließlich für die 32 bit Version entschieden, da ich weiß, dass diese läuft und ich momentan keine Notwendigkeit für 64 bit auf diesem Netbook sehe.

In Schritt 2 auf der gleichen Seite wählte ich die Optionen „USB-Stick“ und „Windows“; ein Klick auf den „Show me how“-Button führt zur oben bereits erwähnten „Universal USB Installer for Windows“ Software.

Erstellen des USB Sticks für die Installation

Der Universal USB Installer war mit wenigen KB schnell heruntergeladen und installiert – ließ sich aber bei mir mit einer Fehlermeldung „Installer integrity check has failed“ nicht starten. Dieses Problem ließ sich aber leicht durch das Umbenennen der .exe-Datei in einen beliebigen anderen Namen (natürlich mit .exe-Suffix) beheben. Nicht fragen – Windows.

Nachdem das Programm aber geöffnet war, konnte man die heruntergeladene .iso-Datei mit der Linux-Distribution schnell und einfach auf einen USB-Stick übertragen.

Die Installation

Die Installation war nun denkbar einfach: Einfach den USB-Stick im Netbook stecken lassen, den Rechner neu starten und dabei F2 gedrückt halten, um ins BIOS zu gelangen. Dort kann man auf dem Boot-Reiter die Boot-Reihenfolge auswählen und ändern. Wichtig: Hier reicht es nicht, den Eintrag mit dem USB-Stick auszuwählen; man muss ihn auch auf den ersten Platz (zumindest vor die interne Festplatte) verschieben. Dann einfach F10 (Save & Exit) drücken, und der Rechner startet vom USB-Stick.

Danach kann man einfach dem Installations-Agenten von Ubuntu folgen, der mit der Frage „testen oder installieren“ beginnt, und die ich natürlich mit „installieren“ beantwortet habe. Nach der Installation habe noch mal die Aktualisierungsverwaltung gestartet, und die neusten Updates nachgeladen: Fertig!

Der Betrieb

Ich habe gleich ein paar Softwares installiert, und eigentlich läuft alles wie es soll. Wie immer gibt es Ausnahmen. So funktionierte z.B. das Mikrofon nicht, was ich aber mit dieser Anleitung beheben konnte:

  1. Terminal starten (unter Anwendungen -> Zubehör)
  2. sudo apt-get install pavucontrol eingeben und Return drücken. Danach wird ein Passwort verlangt; das Benutzerpasswort eingeben und erneut Return drücken
  3. danach pavucontrol eingeben und erneut Return drücken
  4. Reiter „Eingabe“ auswählen
  5. Schloss klicken, um Änderungen zu ermöglichen
  6. Den Regler des rechten Kanals auf Null stellen (ganz nach links), den linken Kanal voll aufgedreht lassen

Außerdem funktioniert der Cardreader nicht. Das wusste ich aber bereits vor der Installation, da ich gelesen hatte, dass es offenbar seitens des Herstellers keine Treiber für diese Komponente gibt.

Fazit

Wenig Arbeit und ein wesentlich besseres und angenehmeres Betriebssystem auf dem Netbook. Kann ich nur empfehlen!

Relevanz und neue Filter im social web

Samstag, 02. Oktober 2010 von Hannes

Videos und Witze, bei denen Leute durch die Öffentlichkeit laufen, und ihre Gedanken in die Welt heraus schreien sind als Social Media Parodien seit langem bekannt und werden (teilweise recht „ähnlich“) auch immer wieder neu präsentiert.

Abgesehen, dass diese Witze natürlich unmenschlich witzig sind, gibt es allerdings auch immer wieder ein paar Leute, die das ganze sehr Ernst nehmen und mit „aber genau so ist es doch“ kommentieren. Doch an diesen Leuten ist offenbar eine klitzekleine ziemlich bedeutende Entwicklung vorübergegangen.

Die persönliche Kommunikation wurde nämlich durch die Werkzeuge des heutigen Internets (facebook, twitter, …) um einen neuen Filter erweitert, der bisher nur anderen Kommunikationsformen vorbehalten war. Was ich damit meine, möchte ich am ein oder anderen Beispiel erläutern.

Bei Informationen geht es immer auch um Relevanz und Filter. Es gibt immer mehr Information, als wir in der Lage sind wahrzunehmen oder zu verarbeiten. Daher sind Filter essenziell wichtig – und gute Filter trennen zuverlässig relevante von irrelevanten Informationen. Wie gut unser Gehirn das kann, zeigt dieses Video:

Die Frage ist nur: Wo wird was gefiltert?

Bei der klassischen persönlichen Kommunikation findet die Relevanzfilterung beim Sender statt.

Die Filter in der persönlichen Kommunikation lagen dabei bisher immer beim Sender, egal welches Medium verwendet wurde. Egal ob im persönlichen Gespräch, per Brief/eMail oder per Telefon – auf allen klassischen Kommunikationskanälen berichtet man dem Gegenüber ausschließlich Dinge, von denen man glaubt, dass sie ihn auch Interessieren.

Bei guten Freunden, deren Interessen man sehr genau kennt, funktioniert das natürlich sehr gut. Ich erzähle beispielsweise meiner Mutter nichts über die neusten Technologien in der Fahrzeugentwicklung und meinen Studienkollegen nichts über neue Modelle unter den Spiegelreflexkameras. Das bespreche ich dafür mit Martin oder Steffen, denen ich aber nichts von den Nachbarn meiner Mutter erzähle.

Bei Fremden ist es hingegen umso schwieriger. Sitzt man beispielsweise in einer reinen Frauenrunde, wird man(n) sich wohl eher zurückhalten, auf Autos oder Technik zu sprechen zu kommen. Statt dessen passt man sich mit seinen Themen den aktuellen an. Dass das aber nicht immer der beste Weg ist, habe ich erst neulich mal wieder erfahren, als eine dieser Frauen und ich erst kurz vor der Verabschiedung unser gemeinsame Interesse für Oldtimer-Rallyes entdeckt haben. Schade eigentlich.

Doch genau dieses Problem gibt es im Social Web nicht. Hier sind gemeinsame Interessen schnell aufzudecken und werden teilweise (je nach Plattform) sogar automatisch gefunden und besonders hervorgehoben.

Die persönliche Kommunikation im Social Web beruht auf einer Filterung beim Empfänger

Was die Kommunikation in den digitalen sozialen Netzwerken grundlegend von der klassischen persönlichen Kommunikation unterscheidet, ist der Ort der Filterung. Während man sich in den klassischen Kanälen Fragen wie „interessiert das meinen Gegenüber“, „ist das Relevant für ihn“ oder „könnte es ihn langweilen“ stellen musste, ist im Medium der digitalen Netzwerke lediglich die Frage „möchte ich, dass alle das wissen“ oder „kann ich mich mit dieser Aussage identifizieren“ zu stellen. Die Fragen nach Interesse oder Relevanz sollte sich der Sender im Idealfall nicht stellen, da diese der Empfänger viel besser – und in diesem Medium auch sehr einfach – selbst beantworten und die entsprechenden Inhalte filtern kann. Eine sinnvolle Relevanzfilterung beim Sender ist ohnehin kaum möglich, da er sich mit seiner Nachricht an eine – je nach Plattform – beschränkt oder unbeschränkt große Gruppe wendet, ohne den genauen Empfänger zu kennen.

Beispiele dazu sind so zahlreich wie die Themen unserer Kommunikation. Ich möchte kurz auf die bekannteste aller Fragen eingehen: „Wo bist Du?“

Diese Frage wird schon seit Jahrhunderten auf Postkarten beantwortet und in Zeiten von Mobiltelefonen täglich unzählige male gestellt. In Zeiten von Social Media hat nun jeder die Möglichkeit, diese Frage beliebig oft, beliebig präzise und für einen beliebig gewählten Personenkreis abrufbar zu beantworten – ich werfe hier lediglich die Stichworte foursquare, gowalla oder brightkite in den Raum.

Nutzt ein Bekannter von mir also diese Möglichkeit, stehen mir (als Empfänger) beschränkt viele Informationen zur Verfügung, die für mich eine gewisse Relevanz besitzen. Diese Relevanz hängt dabei natürlich stark vom Sender ab. So interessiert mich der (bewusst gesendete) Aufenthaltsort meiner Freundin immer und der eines guten Freundes aus einer anderen Stadt vielleicht nur, wenn sich dieser (ausnahmsweise) im Umkreis von 5km befindet. Wo sich ein anderer Bekannter gerade aufhält, ist mir vielleicht in jedem Fall egal. Entsprechend dieser sehr persönlichen Relevanz würde ich nun meine Filter einstellen.

Wie so oft ebnet facebook Wege.

Wer hier in meinen Augen Pionierarbeit geleistet hat, ist facebook. Denn facebook ist das erste und einzige Soziale Netzwerk, das zum einen eine sehr breite Masse abdeckt, und zum anderen über eine recht differenzierte „Verbergen“-Funktion verschiedene Informationsgruppen (z.B. einzelne Spiele, Services, Seiten oder Personen) ausblendet. Die Filtermöglichkeiten sind auf anderen Plattformen zwar teilweise besser und z.B. in verschiedenen Twitter-Clients beliebig variabel, allerdings werden sie dort nur von Randgruppen genutzt – und nicht von einer breiten Masse wie bei facebook.

Alter Wein in neuen Schläuchen, oder warum der Relevanzfilter beim Empfänger eigentlich nichts neues ist.

Der Relevanzfilter beim Empfänger ist natürlich nur in der persönlichen Kommunikation etwas neues. Im Bereich der gedruckten Medien ist das ganze ein alter Hut. Und diese Parallele lässt sich auch heranziehen, um Leuten, die sich über „ungefiltert herausposaunte Belanglosigkeiten“ beschweren, die Äußerung im Social Web zu erläutern.

Jeder hat sich damit abgefunden – und die meisten sind sogar froh darüber – dass es in Bibliotheken Bücher zu jedem, aber nun wirklich jedem Thema gibt, so irrelevant das für den Einzelnen sein mag. Da gibt es Bücher zu Kunst in der Antike, zu Regelsystemen in autonom fahrenden LKW, zu Verhaltensmustern von Bienen und zu Strukturveränderungen von Werkstoffen bei Alterungsprozessen.

Statt sich aufzuregen, sind hier alle froh, dass es so eine große Auswahl gibt, und lassen die Bücher, die sie nicht interessieren, einfach stehen. Sich in dem Wirrwarr zurechtzufinden und die relevanten Bücher herauszufinden haben die meisten gelernt, so dass die Vielfalt kein Problem, sondern eine Bereicherung darstellt.

Da fehlt es nur noch, den Sprung von da zum gleichen Vorgehen in der persönlichen Kommunikation zu schaffen. Man darf sich nicht aufregen, dass alle Informationen plötzlich in scheinbar unendlicher Vielfalt vorliegen. Man muss lediglich lernen, diese Informationen so zu filtern, dass lediglich die relevanten durchkommen.

Die übliche Diskussion um Musikpiraterie

Dienstag, 07. September 2010 von Hannes

Heute habe ich einen Artikel auf www.internetworld.de gelesen, der mit einer reißerischen Überschrift beginnt, und dann so ziemlich alle Argumente der Musikindustrie nachplappert nennt, die durch bloßes hinsehen zu entkräften sind.

Auf einige dieser Punkte möchte ich kurz eingehen. Die Zitate stammen alle aus dem besagten Artikel.

Dennoch gibt es im Onlinehandel mit Musik noch Einiges mehr zu verdienen, wenn die Branche das Problem der Piraterie besser in den Begriff bekommt.

Diese Aussage stützt sich offensichtlich auf der Annahme, dass eine Vielzahl der momentan illegal heruntergeladenen Titel legal gekauft würde, wenn es keine Piraterie gäbe. Eine gewagte These, wie ich finde.

Für die Betrachtung reicht es hier selbstverständlich, nur diejenigen heranzuziehen, die es als legitim betrachten, Songs herunterzuladen und dies auch regelmäßig tun. Ersteres ist laut der Umfrage jeder vierte Deutsche*, zweiteres ist merkwürdigerweise nicht in Zahlen genannt. Jemand der regelmäßig illegal herunterlädt, wird sich – sobald er sich für einen Künstler interessiert – dessen komplette Diskografie herunterladen, auch wenn es nur ein vages oder scherzhaftes Interesse ist. Er lädt also gleich Musik, die auf CD einen relativ hohen Gegenwert hätte. Bei Nichtgefallen wird er die Musik entweder irgendwo liegen lassen und nicht weiter hören, oder sie einfach wieder löschen.

Wäre er hingegen gezwungen, die Musik zu kaufen, würde er sich informieren und sich verschiedene Titel anhören. Daraufhin würde keinen, einen oder vielleicht zwei Titel kaufen. Wenn er überzeugt ist vielleicht sogar 10 oder 20, aber relativ sicher nicht die komplette Diskografie.

Einfach die heruntergeladenen Titel als Verlust zu rechnen ist somit die mitunter dümmste Rechnung, die man machen kann. Nicht etwa, dass ich das illegale Herunterladen befürworten möchte oder dies als Bagatelle abtue. Ich glaube nur nicht, dass die Verkäufe nach oben gehen, wenn niemand mehr herunterlädt – denn Leute die Musik kaufen wollen tun das schon heute. Ich fürchte eher, dass die Verkäufe sinken, da das Empfehlen bzw. Finden von Neuem erschwert wird, sobald man hier noch stärkere Riegel vorschiebt.

Im vergangenen Jahr [2009] haben die Deutschen im Internet 112 Millionen Euro für Songs und Alben ausgegeben. Das sind sogar 40 Prozent mehr als noch 2008.

Merkwürdig. Kaum kommt das das Internet in der wirklich breiten Masse an, gehen die Verkaufszahlen nach oben. Verrückt. Irgendwas kann doch da nicht stimmen, wo doch alle nur noch illegal herunterladen.

Außerdem bekommt das obige Zitat in Zusammenhang mit dem folgenden eine fast tragische Komik.

Zuletzt versuchte die Verwertungsgesellschaft Gema eine Einstweilige Verfügung gegen Youtube zu erreichen, um die Veröffentlichung von Musikvideos zu unterbinden.

Während youtube also die beste Werbung seit Menschengedenken macht und die Verkaufszahlen um 40% in die Höhe schnellen, weil plötzlich alle Leute über das Netz neue Musik kennen lernen, wird seitens der Industrie und der Gema alles daran gesetzt, das zu unterbinden.

Übrigens:

Bevor zu meiner Einstellung Fragen aufkommen: Ich selbst hasse illegales herunterladen und bin ein großer Freund davon, Bands zu unterstützen. Ich kaufe mit anhaltend großer Begeisterung CDs, und das was ich nicht auf CD bekomme, kaufe oder lade ich legal im Netz.

Mir geht es bei diesem Artikel auch gar nicht um die illegalen Downloads, sondern darum, dass eine über die Jahre sehr mächtig gewordene Musikindustrie anfängt, jegliche Zusammenhänge aus den Augen zu verlieren. Bei der Gier nach Gewinnen schlägt sie wild um sich und kriminalisiert dabei alles und jeden – insbesondere ihre Kunden.

Eine Musikindustrie, die bei (um 40%) steigenden Umsätzen nur von Verlusten spricht, ihre Kunden beleidigt und zeitgleich durch zweifelhafte Aktionen („Dieses Video enthält content von … und ist daher in Deinem Land nicht verfügbar“) ihr eigenes Grab schaufelt, darf von meiner Seite keinerlei Verständnis erwarten.

Allerdings wäre mir ein großes Anliegen, dass das Geld – das doch die meisten Liebhaber zu zahlen bereit sind – bei den Künstlern, und nicht nur bei der Industrie ankommt. Daher gefallen mir Konzepte wie das von Pomplamoose auch wesentlich besser, als die herkömmlichen Konzepte der Musikindustrie.

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* Jeder vierte ist eigentlich ziemlich wenig, je nachdem wie die Frage gestellt wurde. Und da Zit: „eine repräsentative Umfrage“ nicht näher genannt wurde, gehe ich mal davon aus, dass nicht ganz neutral gefragt wurde. Was ich damit meine kann man am besten mit den Fakten zu Dihydrogenmonoxid erläutern. Einfach den Artikel lesen oder anderen Menschen geben, und dann die Frage stellen, ob man Dihydrogenmonoxid verbieten sollte. Die Antwort ist meist ein eindeutiges „Ja“. Nathan Zohner erreichte 86% Zustimmung, bei meinen Tests (nicht dokumentiert) kommt diese Quote ungefähr hin. Bei der Umfrage handelt es sich übrigens um den bekannten Dihydrogen monoxide hoax, es geht bei alledem um einfaches Wasser.

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