Hannes’ Blog

Amsterdam – Die Rückfahrt

Eine Woche später. Ich sitze wieder in der Bahn: Amsterdam – Karlsruhe. Eine superschöne Woche in Amsterdam ist zu Ende, die Reise hat sich gelohnt. Amsterdam ist wunderbar ruhig, im geschäftigen Treiben in den Straßen, dem wuseln der Menschen, Fietsen und Roller entsteht eine eigene und wunderschöne Idylle und Ruhe. Irgendwie ist alles in Bewegung, schnell und unübersichtlich, aber dennoch gelassen und gemütlich. Zwei Ecken und eine Gasse weiter findet sich auch meistens ein Örtchen der totalen Ruhe; zwischen Häuserecken, Grachten, seit Tagen und Wochen geparkten Autos und Brücken liegen Kleinode, die nur gefunden werden wollen. Wenn man sich nicht mit dem Randstein der Gracht zufrieden geben möchte und etwas weiter sucht, findet man bald sogar eine Bank, die zum Ausruhen und genießen einlädt.

Das von mir aufgespürte Nachtleben ist nicht so mein Fall, aber das liegt wohl an mir, denn es braucht wohl einige Zeit, bis man die Vielfalt des Angebotes überblicken kann und die guten Läden gefunden hat. Denn Amsterdam ist überflutet mit wunderschönen Cafés und Kneipen. Es ist unmöglich, sich alle bei einem Stadtstreifzug entdeckten und mit ‘da musst Du mal hin’-Prädikat versehenen Cafés auch nur annähernd zu merken, denn es reiht sich eins ans andere. Es gibt übrigens sehr viele ‘normale’ Kneipen, den unzähligen Coffeeshops kann man gut umgehen, dem Gestank von Gras auf der Straße leider nicht immer. Auch das Konzertangebot ist – dort wohnenden Freunden von mir zu Folge – unglaublich gut, allein in den nächsten Wochen geben sich offensichtlich Joshua Redman, Mike Stern und Dennis Chambers die Klinke vielen anderen Künstlern dieses Niveaus in die Hand. Es gibt außerdem zahlreiche Museen und unzählige kleine Ausstellungen, die alles mögliche und unmögliche in frei zugänglichen Räumen ausstellen. Die Auswahl an kleinen Läden ist ebenso zahlreich wie vielseitig. Vom Luxusmöbelausstatter über wunderschöne Platten- und Buchläden bis zu abgedrehten Second-Hand-Shops ist alles vertreten. Auch die zahlreichen Märkte laden zum ausgiebigen und stundenlangen Schlendern ein. Hier funktioniert auch feilschen und handeln bestens, was die wie sonst auch in dieser Stadt utopischen Preise ein wenig relativiert. Ich selbst bin mit einer warmen Jacke und diesem Schmuckstück von Kamera fündig geworden.

Auch kulinarisch wurden meine wirklich schlimmen Befürchtungen keinesfalls bestätigt. Fastfood regiert die Stadt, aber man bekommt alles nur erdenkliche, die Qualität ist super und auch Restaurants aller Herren Länder sind reichlich vorhanden. Auch in den Supermärkten, die ich besucht habe war die Auswahl größer als in Deutschland, küchenfertig präparierte Produkte von Salat über Gemüse bis marinierte Medaillons liegen appetitlich verpackt in der Kühltheke und schmecken auch sehr hochwertig.

Was mir außerdem sehr gut gefallen hat, ist die homogene Mischung von Arm und Reich in der Stadt. Von der mit dem Lineal gezogenen Linie zwischen Gucci und bettelnden Kindern, auf der nur noch der gezogene Stacheldraht fehlt, wie man es z.B. aus München kennt und was mich wirklich anwidert, ist hier nichts zu finden. Es gibt keine Ferraris wie in London, und auch kaum fertig in den Straßen liegende Penner. Dafür ist das Mittelfeld breiter, wohlhabende Damen – gut und teuer aber unauffällig gekleidet – laufen auf der Straße kreuz und quer mit Männern in fleckigen Jacken auf dem Weg zur nächsten Mülltonne durcheinander. Familien und zielstrebig zur Arbeit gehende Männer laufen im Rotlichtbezirk an den winkenden Prostituierten vorbei, ohne diese zu ignorieren oder zu verachten – es scheint als lebe man nebeneinander und respektiere sich so wie man ist. Die unzähligen Dealer und selbsternannten ‘Guides’ sind zwar sehr kontaktfreudig und manchmal penetrant, aber niemals ‘zu’ aufdringlich – zumindest in meinem Fall haben sie ein deutliches und bestimmtes ‘Nein Danke’ verhältnismäßig schnell akzeptiert. Unwohl habe ich mich in der Woche nur ein mal in einer offensichtlich wohl bekannten Straße gefühlt, durch die ich unwissend an einem Abend zu fortgeschrittener Stunde gelaufen bin. Doch selbst dort gab es keine Gewalthandlungen und keine offensichtliche Gewaltbereitschaft – nur extrem viele bedrohlich in allen nur erdenklichen Ecken und Hauseingängen lehnende Menschen, keine Lampen und keine Läden und Kneipen.

Alles in allem war es wie bereits gesagt eine wunderschöne Woche in einer wunderschönen Stadt, mit viel Sonne, viel Ruhe und unglaublich schönen Orten. Vielen Dank auch an Johanna und Nicole, in deren gigantischer Wohnung ich wohnen durfte. Nach Amsterdam werde ich sicherlich wieder fahren…

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Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 24. Oktober 2007 um 01:40 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie news abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.


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