Hannes‘ Blog

Meine Erfahrungen mit dem Acer Aspire One A110L und Ubuntu 8.10

Wie viele bereits zwischen den Zeilen mitbekommen haben, habe ich seit einiger Zeit einen Acer Aspire A110L, den ich mit Ubuntu aufgesetzt habe und über den ich nun berichten möchte. Ich muss von vorne herein sagen, dass es hier um einen Erfahrungsbericht geht – ich werde schreiben was mir gefällt, was nicht und wie ich das Gerät nutze. In diesem Artikel wird es keine Benchmarks, keine Hard Facts, keine technischen Daten und keine Tipps für Linux geben – dafür gibt es mehr als genug Quellen, die auf so etwas spezialisiert sind und das deutlich besser können als ich.

Zu meinem Hintergrund.

Der erste Computer an dem ich saß, war „der Macintosh„, und das muss um 1987 gewesen sein. Seitdem habe ich selbst auch nur MacOS-Rechner gehabt vom Anfang der 90er bis heute. Seit Mitte der 90er habe ich auch einen historischen Atari zu Hause, den ich aber nur zum programmieren benutzt habe. Wenn ich irgendwo gearbeitet habe oder an der Uni unterwegs war, war dort natürlich Windows das System der Wahl, weshalb ich mich damit auch schon so manche Stunde auseinandergesetzt habe.

Aber im Grunde bin ich Mac-Geek seit 1990, kenne MacOS seit Version 7 wie meine Hosentasche und bin von dem System überzeugt. Mein Unixwissen beschränkt sich darauf, dass ich weiß, wie ich im Finder das Terminal öffne, die Verzeichnisse wechsle (das geht nämlich besonders sexy auch mit Drag’n’Drop) und wie ich dort Zeilen, die mir freundliche unix-Geeks zukommen lassen, eingebe.

Warum dann jetzt Linux?

Die Idee des „Netbooks“ finde ich cool. Einen Rechner, der immer im Rucksack rumfährt und verfügbar ist, der nicht gleich ein ganzes Vermögen bindet, auf das aufgepasst werden will, der schnell überall hingestellt ist, und der sogar im Hörsaal Platz auf dem Tisch findet. Mein MacBook ist dafür nämlich zu groß, es stößt vorne an die Köpfe der davor sitzenden und fällt nach hinten vom Tisch. Mein erster Gedanke war klar: Ich brauch ein Netbook mit MacOS. Zum einen geht das nicht legal, was mir relativ wichtig ist, und zum anderen wäre dann das Netbook der Wahl der Dell Mini 9 gewesen, der auch gleich mit 300€ in die Rechnung schlägt. Die andere Überlegung war, dass ich mich schon seit Jahren für Linux interessiere, ich es eigentlich sehr sehr cool finde, und ich mich regelmäßig darüber ärgere, dass ich mich so schlecht damit auskenne und es einfach „nicht kann“.

Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, und ein günstiges Netbook mit einem schönen Linux aufsetzen und noch einen Haufen dabei lernen? Günstig war also Kriterium Nummer eins, und somit fielen alle Netbooks mit vorinstalliertem Windows schon mal aus der Betrachtung. Denn nur um es dann zu löschen, ist jeder Euro für ein Betriebssystem zu viel. Als die Kriterien klar waren, habe ich dann ein Auge auf die ganzen Rabattblogs gehalten, um mitzubekommen, wann ein Netbook günstig wird. Zuerst fand ich das Toshiba NB100-11R für 200€, weil es mir aber zuerst zu teuer war, war ich dann aber zu spät. Wenige Tage später kam dann bei sparwelt.de der Acer Aspire One A110L bei cyberport für 176€ und ich konnte nicht mehr widerstehen.

Der Acer im Lieferzustand.

Das Paket, was per Post bei mir ankam war – wie zu erwarten – sehr klein, was mir schon mal gefiel. Der Rechner macht auf den ersten Blick einen sehr schicken Eindruck, ein glänzender Glitzerlack auf dem Monitordeckel und eine Monitorumrandung in schwarzem Hochglanz wirken edel. Schaut man genauer hin, sieht man den Preis aber schnell an schief sitzenden Blenden, an den optischen Scharnieren, die gar keine sind und und hört ihn auch am klappern beim tippen.

Das mitgelieferte Linux war ein Linpus, welches sich als mittelmäßige Katastrophe entpuppte. Gestört hat mich das aber nicht – schließlich ging es mir ja auch um die sportliche Komponente, und ich wollte den Rechner neu aufsetzen.

Ubuntu auf den Acer bringen.

Ubuntu auf dem Acer zu installieren, war ein wahres Kinderspiel. Was aber noch nicht heißt, dass es dann auch funktionierte. Aber von vorne.

Um Ubuntu zu installieren, habe ich einfach die aktuelle Version der Distribution von ubuntu.com heruntergeladen (iso-Image) und auf CD-gebrannt. Nun hat der Acer aber kein CD-Laufwerk, also muss man sich über einen USB-Stick behelfen. Von der CD habe ich also zunächst mein MacBook gestartet und im erscheinenden Menü „Ubuntu ausprobieren, am Computer wird nichts verändert“ ausgewählt. Das MacBook startet ohne Probleme unter Ubuntu, und es funktioniert auch auf Anhieb alles. Im Menü System -> Systemverwaltung kann man nun den Eintrag „Create a USB Startup Disc“ auswählen, die einen USB-Stick formatiert (!) und mit Ubuntu in startfähiger Version bespielt. Von diesem Stick konnte ich nun den Acer starten und die Installation durchführen.

Nach der Installation lief dann erst mal das Auto-Update, danach habe ich es erstmal ausprobiert, und es funktionierte auch alles was ich brauchte – bis auf das WLAN. Von den Dingen die ich nicht brauchte, funktionierte auch einiges nicht, aber dazu gab es im Wiki von Ubuntu genügend Infos, die schnell zum Ziel führten. Das WLAN selber – was für mich SEHR wichtig war, entpuppte sich aber als nicht so trivial, zumal ich mich wie gesagt nicht mit Linux auskannte. Zwei Tage später funktionierte dann aber auch das WLAN, und ich war um das Wissen reicher, was „sudo“, „make“ und all die anderen Befehle so bewirken. Seit dem läuft der Rechner einwandfrei, tut alles was ich möchte und zieht regelmäßig Updates aus dem Netz, wie es sich gehört.

Tauglichkeit eines Netbooks.

Zunächst muss ich sagen, dass das Netbook bezüglich dem Einsatzzweck meine Erwartungen voll erfüllt hat. Es ist ein Spielzeug. Nicht mehr. Es taugt um einen Blogartikel zu schreiben oder mit twitter oder blip.fm herumzuspielen, aber es taugt ganz sicher nicht zum arbeiten. Dazu ist einfach der Monitor zu klein – 1024 x 600 Px sind einfach ein Witz. Von vielen Programmen passen nicht mal die Einstellungen ganz auf den Bildschirm – eine ganz neue Definition von „Reduzierter Funktionsumfang“.

Als Spielzeug ist es aber super – gerade jetzt sitze ich in der Küche und blogge damit, den Artikel über blip habe ich in 2 verschiedenen Küchen und im Auto geschrieben. Das Ding ist einfach klein genug, dass man es überall aufklappen kann. Fazit: ist witzig, macht Spaß – braucht man aber nicht.

Der Acer Aspire One A110L und die Performance.

Nunja, es ist ein Netbook, und es ist mitunter das billigste Netbook, was man kaufen kann. Aber ‚ein bisschen‘ mehr Performance hätte schon drin sein dürfen. Die Ausstattung (Kamera, SD-Card-Reader) ist super, und auch die 8GB SSD (Festplatte) ist absolut ausreichend. Es ist schließlich kein Hauptrechner, sondern ein Spielzeug, und da müssen keine Bilder von den letzten 20 Jahren drauf. SSD ist sowieso toll, weil ich endlich keine Angst mehr vor Erschütterungen hab. Was hingegen fehlt, ist Geschwindigkeit. Wenn mein Mailprogramm länger zum starten braucht als bei meinem alten PowerBook G3, ist das irgendwie nicht cool.

Linux Ubuntu.

Der Grund warum ich mich für Ubuntu entschieden habe, ist eigentlich total albern – ich habe Screenshots vom Leopardish-Theme gesehen, und fand es extrem witzig (Fender, Sahara, iTones). Außerdem hatte ich ohnehin keine Ahnung von Linux, und konnte somit nicht wirklich abwägen – für mich war eins so gut wie das andere. Knoppix kannte ich schon, Debian hatte ich schon oft gesehen, suse fand ich schon in der Schule schlimm – warum also nicht mal was neues probieren.

Mein Fazit dazu: Ich bin begeistert. Ich frage mich wirklich, warum es noch Leute gibt, die Windows benutzen. Vom Look & Feel – gerade bei der Standardinstallation – ist Ubuntu sehr stark an Windows angelehnt, das Umsteigen sollte also ein leichtes sein. Aber im Gegensatz zu Windows ist das Interface wirklich durchdacht, es gibt einige sehr tolle Funktionen, die beinhaltete Software versteht Standards, das Auto-Update funktioniert und ist stressfrei und nicht zuletzt ist es kostenfrei. OpenOffice, der Gimp und alle möglichen Programme die man braucht oder nicht braucht sind auch schon am Start. Leider kommt es noch nicht an MacOS heran, dazu fehlt noch einiges in Sachen Usability und auch in Sachen Optik (Schriftglättung, etc.). Somit platziert es sich optisch und von der Usability her genau zwischen Windows und MacOS und liegt bei der Kostenbetrachtung ganz klar an der Spitze.

Der Fairness halber muss man aber sagen: Ob man bei Linux „Plug’n’Play“ hat oder nicht, ist vom Einzelfall und der verwendeten Hardware abhängig. Ubuntu 8.10 lief beispielsweise auf dem MacBook einwandfrei und konnte alle Hardwarekomponenten ansteuern, auf dem Acer A110L musste ich bei einigen Komponenten nachhelfen. Das ist etwas, was es für 99% der Computernutzer unmöglich macht, das System zu installieren. Wenn das System aber installiert ist, alle Komponenten funktionieren und das Terminal geschlossen bleiben kann, ist es ein System für Jedermann – was also 99% der Leute brauchen, ist ein „Einrichtservice“.

Fazit.

Der Acer Aspire One ist witzig. Ein schönes Spielzeug. Nicht für Ernst zu gebrauchen, aber das hab ich zum Glück auch nie erwartet, und dafür habe ich ihn auch nicht angeschafft. Für Web-Geeks wie mich genau das Richtige. Ein ordentliches Betriebssystem mal vorausgesetzt.

Linux Ubuntu ist geil. Wahnsinn, was da in den letzten Jahren passiert ist. Ich kann nur empfehlen, es mal auszuprobieren. Ich hab mir inzwischen auch DSL angeschaut, es dann aber für hässlich befunden, und mir jetzt ein Ubuntu auf einem Stick installiert. Der eigene Computer in der Hosentasche. Auch was feines. Bin nur noch nicht dazu gekommen, das mal zu testen. Kommt aber noch.

Post to Twitter Post to Facebook Post to Plurk Post to Delicious Post to Digg Post to MySpace Post to Ping.fm Post to Reddit Post to StumbleUpon

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 26. März 2009 um 17:52 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie review, Sonstiges abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

5 Comments »

  1. Hi Hannes,

    cooler Artikel. Ein paar Photos von dem Gerät mit laufendem Linux wären noch schön gewesen. Und benutzt Du das Ding weiter für unterwegs?

    Comment: Falko – 26. März 2009 @ 19:33

  2. Guter Bericht. Ich hab mir vor ein paar Wochen den Eee 901 gekauft und auch schonmal überlegt, ob ich da ein Linux draufspielen soll. Auch aus dem Grund wie bei dir: Um Linux kennen zu lernen.
    Werde das jetzt wohl mal bei Gelegenheit ausprobieren.

    Comment: Lars – 26. März 2009 @ 21:04

  3. @Lars: Danke. Ich kann das Ausprobieren nur empfehlen. Und gerade wenn es ein Rechner ist, der nicht wirklich wichtig ist (wie bei mir), kann man das ganze ja risikofrei testen.

    @Falko: Danke Dir! Ich habe da keine Notwendigkeit für Fotos gesehen, da das Netz ohnehin voll von Fotos vom Aspire One und Screenshots von Ubuntu ist. Aber aufgrund Deiner Anfrage habe ich eben noch ein kleines Video gemacht, bei dem man den Rechner auch mal in Aktion sehen kann. Ich hoffe das hilft Dir weiter.
    Ich bitte meine belegte Stimme und das schlechte Licht zu entschuldigen; ich bin krank und hab das Video eben in der Küche während des Kochens mit meiner 60€ Digiknipse aufgenommen. Aber ich denk‘ das Entscheidende sieht man.

    Comment: Hannes – 26. März 2009 @ 23:14

  4. Hallo Hannes,
    auch von mir ein – verspätetes – Lob für den Bericht. Ich habe ebenfalls vor gut zwei Monaten bei dem Cyberport-Angebot zugeschlagen und bin mit dem Gerät total zufrieden. Bei mir ging es auch bloß darum, ein kleines, leichtes Netbook für unterwegs oder das Websurfen auf der Couch zu haben. (Zum Arbeiten benutze ich sonst ein ThinkPad, welches zuhause via Docking an einem größeren TFT hängt.)
    Bis gestern habe ich auch das mitgelieferte Linpus Lite draufgelassen. Wenn man sich etwas damit auseinandersetzt (ich kann zum Glück schon auf ein paar Jahre gelegentliche Linux-Benutzung zurückblicken), entpuppt es sich als gar nicht mal so schlecht. Vor allem das Zusammenspiel mit der Hardware ist top, Stichworte: SSD, Bootzeit, Cardreader, etc. Allerdings gebe ich zu, dass manches – vor allem das Installieren neuer Anwendungen – zuweilen ganz schön frickelig war. Zudem wollte mein alter iPod nicht so recht gemountet werden, was in letzter Konsequenz dazu führte, dass ich bei irgendeiner „Reparatur“ in dem Zusammenhang Teile des Linpus-System zerschoss. :-/
    Lange Rede, kurzer Sinn: Mein A110L läuft jetzt mit Ubuntu 9.04 (inkl. Netbook Remix) und ich bin begeistert! Cardreader, Webcam, Sound, WLAN – es läuft ALLES out of the box! Nach ein paar Anpassungen bezüglich Lüftersteuerung und SSD läuft alles ganz toll – mit dem Unterschied, dass das Look&Feel – speziell mit der Netbook-Remix-Oberfläche – um Welten besser ist, als Linpus Lite oder Windows.
    Einziges Manko von Ubuntu auf dem A110L: Linpus Lite bootete im Vergleich schneller und schien auch sonst etwas flotter unterwegs zu sein.

    Comment: Lennart – 26. Mai 2009 @ 21:16

  5. […] 1½ Jahren habe ich einen einen Artikel über ein Ubuntu 8.10 auf einem Acer Aspire One A110L geschrieben, in dem ich von meinen Erfahrungen mit dem Gerät und Ubuntu beschrieben habe. Dieser […]

    Pingback: Hannes’ Blog » Ubuntu 10.10 Maverick Meerkat auf dem Acer Aspire One 532 Netbook | Gedankenstücke – 24. Oktober 2010 @ 21:30

Leave a comment

Seiten

Suchen


RSS-Feeds

Kategorien

Blogroll

Meta

 

© Hannes – Powered by WordPress – Design by Vlad (aka Perun), modified by Hannes