Mit dem App Store und der Push-Funktion fürs iPhone kamen nach und nach die ersten Messenger. Das sind im Prinzip kleine Programme, die die Funktionalität bieten kurze Nachrichten an Freunde zu senden. Der Vorteil dieser Programme liegt darin, dass sie direkt auf dem Bildschirm des Gegenübers erscheinen (wie eine SMS), der Versand aber trotzdem kostenlos ist – und das sogar Länderübergreifend. Nach und nach kamen dann noch Funktionen zum Anhängen von Bildern, Videos oder Ortsangaben dazu.
Die meisten Funktionalitäten hierbei bietet zwar auch eine gewöhnliche eMail, die Vorteile hier sehe ich in der anderen Nutzungsebene. Viele Leute haben die Push-Funktion für eMails deaktiviert, da zu viele nicht relevante Mails ankommen von denen man nicht gestört werden möchte. Daher ist die zusätzliche Ebene eines Push-Services der näher am Nutzer liegt und ausschließlich für persönliche Nachrichten gedacht ist sehr angenehm.
Heute möchte ich die Vor- und Nachteile von vier verschiedenen Programmen zeigen: WhatsApp, pushme.to, PingChat! und Group Text von brightkite. Hierbei bieten alle Programme gewisse Vorteile, WhatsApp und PingChat! sind sehr ähnlich, während Group Text eine gewisse Sonderrolle einnimmt.
WhatsApp ist sozusagen der Platzhirsch auf dem iPhone. Die Verbreitung ist sehr groß – das ist aber in meinen Augen auch schon der einzige Vorteil dieser App. Denn WhatsApp kostet Geld (aktuell 0,79€), während PingChat! (s.u.) einen größeren Funktionsumfang umsonst bietet. Wie so oft hat sich hier etwas teureres und in meinen Augen schlechteres durchgesetzt.
WhatsApp gibt es für iPhone und BlackBerry; laut dem heutigen Stand ist eine Version für Android und Nokia Symbian in Arbeit. Push wird voll unterstützt und an die Nachrichten können Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte und der momentane Standort angehängt werden. Zudem wird der Nutzer über den Sendestatus der Nachrichten durch kleine und eindeutige Symbole informiert. Ein Account ist nicht notwendig, die App registriert sich über die Telefonnummer.
Außerdem ist WhatsApp mit dem Adressbuch verknüpfbar. Aber: Wenn man der App Zugriff auf das Adressbuch gewährt, werden automatisch alle WhatsApp-Nutzer aus dem eigenen Adressbuch angezeigt. Dies erfordert nach meinem Verständnis, dass alle in meinem Adressbuch gespeicherten Telefonnummern für einen Abgleich zum WhatsApp-Server geschickt werden müssen. Das hat mich ehrlich gesagt schockiert, denn zwischen “Zugriff gewähren” und “alle Daten heim funken” liegt in meinen Augen ein himmelweiter Unterschied. Abgesehen davon möchte ich vielleicht auch nicht alle Leute aus meinem Adressbuch in meiner WhatsApp-Liste haben.
Die App selbst läuft bei mir so mittelmäßig zuverlässig, einige Nachrichten kamen trotz angezeigtem grünen Häkchen nicht an, und wurden mir beim nächsten Start der App erst als Fehler angezeigt.
pushme.to 2.0
pushme.to bietet neben den Nachrichten von App zu App auch die Möglichkeit des Webinterfaces an. Ich kann also ein Widget in meine Website oder meinem Facebook-Profil einbinden, über das mir jeder Besucher eine Sofortnachricht schicken kann. Außerdem kann man auch über das Aufrufen von http://pushme.to/nickname/ auch Konversationen zwischen dem iPhone und einem beliebigen Webbrowser führen.
Die Verwendung der App erfordert einen Account, eine Verknüpfung mit dem Adressbuch ist möglich (mehr Info dazu in den FAQ). Das Anhängen von Fotos ist möglich, jede Nachricht wird gepusht. Die iPhone-App ist mit 2,39€ nicht wirklich billig – das ist trotz der schicken Web-Funktionen natürlich als dicker Nachteil zu werten. Ein weiterer großer Nachteil ist die bisher fehlende Implementierung für andere Plattformen wie Android oder Symbian. Die fehlenden Apps können in meinen Augen durch das Webinterface nicht ausgeglichen werden, da hier essenzielle Funktionen – wie beispielsweise Push – fehlen.
PingChat! 2.0
PingChat! hat eine enorme Ähnlichkeit zu WhatsApp. Auch hier braucht man keinen Account da die Registrierung über die Telefonnummer erfolgt; außerdem gibt es einen Sendebericht in Form von Symbolen. Eine Verknüpfung mit dem Adressbuch ist auch bei PingChat! möglich – hier meines Wissens allerdings ohne den Datenschleudereffekt. Ebenso können Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte und der momentane Standort an jede Nachricht angehängt werden.
Dennoch übertrumpft PingChat! WhatsApp in meinen Augen, denn es ist erstens kostenlos und unterstützt zweitens auch Gruppenfunktionen. Ich kann mich also mit einer Gruppe – sei es ein Team im Beruf oder ein privater Freundeskreis – mobil und in Echtzeit austauschen, jeder bekommt jeden Stand mit und die komplette Konversation verteilt sich nicht auf mehrere Einzeldialoge. Das ist für mich ein absolutes Killer-Feature. Ein Nachteil von PingChat! ist die Nutzerzahl, zumindest aus meinem Bekanntenkreis haben sehr wenig Leute die App installiert.
Leider gibt es PingChat! momentan bisher nur als iPhone-App, die Apps für Android und BlackBerry sind laut der PingChat!-Seite allerdings in Arbeit.
Group Text
Group Text von brightkite ist eine App, die die Grundfunktionalität der Conversations aus der brightkite-App ausklinkt und als eigenständiges Programm anbietet. Und genau darin liegt der große Vorteil von Group Text, da es auf eine Funktion zurückgreift, die bereits in Apps für alle gängigen Plattformen eingebunden ist. Mit anderen Worten: Group Text läuft im Rahmen der jeweiligen brightkite-Apps sowohl auf dem iPhone, als auch unter Android, BlackBerry, Nokia oder Palm, außerdem gibt es ein Webinterface über brightkite.com. Für alle mobilen Browser steht http://m.brightkite.com zur Verfügung, für jeden der mehr wissen will empfehle ich die Group Text FAQ.
Um die Group Text App auf dem iPhone nutzen zu können, braucht man einen brightkite-Account – zu Konversationen kann man allerdings auch Leute mit jedem normalen SMS-fähigen Telefon einladen; auch wenn das aus Kostengründen nur bedingt sinnvoll ist, da der SMS-Server in UK steht. Es ist somit für andere nicht nötig, die Software zu installieren – allerdings kann man in Deutschland keine brightkite-Nachrichten über SMS empfangen, sondern nur senden. Eine Auslesen der Nummern aus dem Adressbuch ist möglich. Auf dem iPhone werden alle Nachrichten von Group Text gepusht, an die Nachrichten kann man Fotos und eine Standortangabe anhängen.
Auch hier gibt es die Möglichkeit Konversationen in Gruppen zu führen, was in meinen Augen wie schon gesagt ein Killer-Feature ist. Im Gegensatz zu PingChat! müssen hier aber nicht alle Gruppenmitglieder ein iPhone besitzen; durch das Webinterface und die Einbindung von SMS, Android, BlackBerry etc. pp funktioniert Group Text in so ziemlich jeder Gruppe – nicht nur in der iPhone-Geek-Gruppe.
Die iPhone-App ist noch recht neu und ich habe gehört, dass sie auch mal crasht – auch wenn ich das bisher nicht erlebt hab. Für diesen Fall empfehle ich einfach die normale brightkite iPhone-App zu installieren, sie beinhaltet nämlich die komplette Group Text Funktionalität, ist auch kostenlos und läuft sehr stabil.
Eine Übersicht
| pushme.to | PingChat! | GroupText | ||
| App kostenlos (iPhone) | - | - | + | + |
| Benutzung kostenlos | + | + | + | + |
| über Rechner verwendbar | - | + | - | + |
| iPhone App | + | + | + | + |
| Android App | - | -8 | - | +1 |
| BlackBerry App | +1 | -8 | - | +1 |
| Nokia / Symbian App | - | -8 | - | +1 |
| Palm App | - | -8 | - | +1 |
| kein Account nötig | +2 | -9 | +2 | -9 |
| Adressbuchverknüpfung (iPhone) | + | + | + | + |
| Adressbuchschleuder (iPhone) | -3 | + | + | + |
| Anhängen von Medien | +4 | +5 | +6 | +7 |
| Anhängen von Orten | + | - | + | + |
| Gruppenfunktionen | - | - | + | + |
| Push (iPhone) | + | + | + | + |
| Ergebnis | 8/15 | 7/15 | 10/15 | 14/15 |
1 nicht von mir getestet
2 Die Anmeldung erfolgt über die Telefonnummer
3 offenbar Abgleich des privaten Adressbuches mit Server (s.o.) daher schlecht bewertet.
4 Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte, momentaner Standort
5 Fotos
6 Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte, momentaner Standort
7 Fotos, momentaner Standort
8 Funktioniert aber wohl über das webinterface via http://pushme.to/nickname/ (nicht getestet)
9 Account nur nötig wenn man die App installieren will, die Nutzung als Konversationsteilnehmer ist ohne Account möglich
Fazit
In meinen Augen ist eine Nutzbarkeit für Gruppenkonversationen und damit verbunden auch die Kompatibilität zu anderen Plattformen das wichtigste, daher ist Group Text von brightkite mein persönlicher Favorit – zumal man hier nicht mal unbedingt ein internetfähiges Handy braucht. Die Abrundung durch hier nicht erwähnte Funktionen außerhalb des Messaging-Bereiches tut ihr übriges.
Auf Platz 2 folgt für mich aufgrund seiner Funktionsvielfalt PingChat!, auch wenn es momentan – also ohne Android und BlackBerry-Apps – noch keine Alternative darstellt.
In meiner persönlichen Ansicht folgt pushme.to auf Platz 3 – das Widget und die Möglichkeit des Browser-to-iPhone-Chats sind sehr spannend. Dicke Minuspunkte gibts nur für den viel zu hohen Preis.
Abgeschlagen auf dem vierten Platz liegt für mich WhatsApp. Kostenpflichtig, nicht zuverlässig und mein Adressbuch nach Hause funkend ist hier jegliche Sympathie bei mir verspielt. Schade.
« Wasser unter Gehwegplatten – flattr – ein Social Media-taugliches Micropayment System? »
Moin
Ein wirklich guter Artikel über Alternativ-SMS.
Leider hat mein Freundeskreis sich auf keine festgelegt, sprich: du musst alle auf deinem iPhone haben und immer “rumspringen”..Doof.
Kommentar: happy-buddha – 13. Juni 2010 @ 16:06
Danke für den guten Vergleich, ich nutze gerade die auf dem letzten Platz abgeschlagen liegende WhatsApp – mal sehen …
Kommentar: Depone – 13. Juni 2010 @ 19:53
Update: pushme.to ist seit gerade eben (ca. 10 Minuten) auf unbestimmte Zeit wieder kostenlos zu haben: http://is.gd/cO7R7
Kommentar: Hannes – 13. Juni 2010 @ 23:58
hi, got your link through pushme.to page on fb ) my german is very primitive, but when it comes to pushme.to i think you’re comparing oranges to apples. i now mostly use it for talking to my non-iphone friends, through browser-2-iphone chat. it’s a huge advantage, at least in my eyes, and unique feature too, from what i know. so it seems bizarre that you completely omitted it in the table.
i am also not a big fan of ping, too buggy/slow if you ask me, and lame design, what’sapp is more elegant and effective, and it iss really not just the number of users that make it competitive.
Kommentar: sasha – 14. Juni 2010 @ 09:52
The “Talk-To-non-iPhone-Friends” is mentioned in the Table under “über Rechner verwendbar” – and as you see, Group Text has the same Feature. I’m comparing mobile messengers, and there are 3 most important things: send mobile, read mobile & get notified. Pushme.to does all those things, but only if i have an iPhone. Even if i use a mobile browser on another smartphone, i don’t get notified, because there is no webbrowser with push – as far as i know. The web-interface is a great feature – as mentioned in the paragraph about pushme.to, but it can’t outdo the compatibility of other apps or the possibility to do a group conversation.
Kommentar: Hannes – 14. Juni 2010 @ 10:13
danke für die mühe, super, sowas hab ich auch lang nicht mehr gemacht, freu mich umso mehr wenn es andere tun.
ich hab mit whatsapp komischerweise keinerlei probleme, mir gefällt das GUI sehr. und zb (so blöd es klingt) dass ich mir ein eigenes hintergrundbild auswählen kann. voicenotes zu verschicken find ich auch super… das mit dem adressbuch war mir aber so gar nicht bewusst. wohl jetzt auch zu spät , was? mhm. – nerven tut mich, dass ich mich dort ständig vertippe.
bei brightkite fiel mir auch schon auf, dass es zwei apps gibt aber in der eigentlichen bk-app auch das grouptext feature enthalten ist. muss wohl zu PR Zwecken sein.
ich für meinen fall brauche momentan keine gruppenchat funktion, ich glaub bei vielschreiberei würde ich eh schnell an den mac rennen, sonst nervt es zu sehr am iphone.
aber ich hab mir nach henriks eintrag bei facebook nochmal pingchat2 installiert und versuche da mal ein paar leute reinzubekommen um es besser zu testen.
danke nochmal hannes!
Kommentar: sascha – 20. Juli 2010 @ 18:05
Hallo
Super Artikel, danke! Für deine Tabelle: Seit heute gibt es für PingChat! eine Android App.
Gruss
Kommentar: Bady – 11. August 2010 @ 10:08
Danke Dir für den Hinweis! Und ja: wenn man auf pingchat.com auf den “Join Now”-Button klickt, kommt eine Auswahl für BlackBerry, Android und den Appe App Store.
Aber: Nur der App Store Link funktioniert. Der Android Link führt auf eine “Not Found – Error 404″-Seite und der BlackBerry Link zeigt wieder auf die Startseite. Es könnte sein, dass die Links funktionieren, wenn man sie mit dem jeweiligen Mobiltelefon bzw. Betriebssystem besucht, aber das kann ich nicht testen – und eine schöne Lösung wäre es auch nicht
Aber: Wenn Du einen funktionierenden (und offiziellen) Link hast, unter dem man PingChat! für Android runterladen und installieren kann, kannst Du ihn sehr gerne hier posten!
Kommentar: Hannes – 11. August 2010 @ 15:30
[...] mit WhatsApp oder PingChat. Diese Tools habe ich für das iPhone bereits vor geraumer Zeit verglichen. An den grundlegenden Eigenschaften hat sich seitdem auch nicht viel [...]
Pingback: Hannes’ Blog » iPad einrichten: Die coolsten und besten iPad Apps | Gedankenstücke – 11. Juli 2011 @ 13:56