Im Eingang der KIT-Bibliothek in Karlsruhe (früher mal “Unibibliothek” oder kurz “Unibib” genannt) steht ein Baum. Der steht schon immer da, und ich habe ihn zwar schon oft wahrgenommen, allerdings noch nie beachtet. Das ist bei mir aber auch nicht weiter verwunderlich, denn wer mich kennt weiß, dass ich nicht besonders viel für Pflanzen aller Art übrig habe und mich nicht besonders dafür interessiere.
Neulich hat mich allerdings ein Kommilitone auf die Missstände bei eben jenem Baum aufmerksam gemacht. Denn obwohl er in diesen kleinen, harten Schaumkörnern steht (die von einigen Studenten mit großer Vorliebe mit in die oberen Stockwerke genommen und von dort wieder durch die Galerien wieder in den Baum-Kübel geworfen werden) und in diesem Zeug zwei Wasserstands-Anzeiger stecken, ist nicht nur dieser Erd-Ersatz furztrocken, sondern auch der gesamte Baum verdorrt.
Der Kommilitone, der mir das gezeigt hat, hat mir auch erzählt, dass das nichts neues ist, sondern schon im letzten Herbst so war. Seitdem ist er wohl immer mal wieder auf das Personal der Bib zugegangen und hat mitgeteilt, dass der Baum Wasser bräuchte. Da könne man aber nichts machen – sagten die Leute von der Bib – außerdem sei das eine Firma, die sich darum kümmere. Aha. Offenbar ja nicht. Aber egal.
Alles in allem musste ich an dieser Stelle schon ein bisschen schmunzeln. Denn so herzlich unwichtig dieser Baum im Unialltag ist, so herzlich wenig ihn jemand vermissen würde, so schrecklich billig er zu ersetzen wäre (ich schätze mal mit der Studiengebühr von 4 Studenten müsste das zu machen sein) und so herzlich egal er mir persönlich ist: Nichts zeigt besser, wie es an dieser Uni läuft.
Denn die Symbolik ist nicht allzu weit hergeholt. Vertrocknet am langen Arm. Man weiß ja Bescheid, aber machen kann man da jetzt auch nichts. Es gibt ja jemanden, der sich darum zu kümmern hat. Wer das ist, das kann man so einfach natürlich auch nicht herausfinden. Aber er ist da – ganz bestimmt. Und wenn DER sich nicht kümmert, dann wird das seine Richtigkeit haben. Und dann kann man da auch nicht eingreifen. Auch nicht, wenn es nur eine Kanne Wasser bedeutet hätte.
P.S.:
Ich habe als Mensch ohne grünen Daumen natürlich keine Ahnung ob der Baum noch lebt und wieder treibt, wenn man jetzt Wasser in den Kübel kippt, oder ob er dann nur anfängt zu faulen und zu stinken. Daher werde ich das auch jetzt nicht tun.
Allerdings wäre das nun eine großartige Möglichkeit für all die “Baumretter”, die die Baumstümpfe an der Baustelle am Kronenplatz mit den “Ich musste sterben”-Zetteln verschönert haben. Als wahre Pflanzenfreunde könnt Ihr hier noch Gutes tun, falls der Baum noch zu retten ist!
Update:
Bereits rund zwei Wochen nach diesem Blogpost war der Baum getauscht, dieses Foto stammt vom 13.8.2010:
Heute mal wieder ein Beitrag aus der humoristischen Schiene, ganz in der Marnier des Spießertests: Die 10 größten Internetkrankheiten.
Wie viele der genannten Punkte kannst Du für Dich mit “ja” beantworten?
Los geht’s! Wer knackt den Highscore? Ich freu mich auf die Kommentare!