Hannes‘ Blog

Fotodrucker bei dm

Seit Jahren gehe ich immer, wenn ich bei dm bin, zu den Fotodruckern und schaue, welche von meinen Bildern ich auf Fotopapier mit nach Hause nehmen möchte. Meistens gehe ich unverrichteter Dinge und etwas frustriert nach Hause. Völlig ohne Bilder. Obwohl meistens alle Fotoautomaten frei sind. Und das hat auch einen Grund.

Der Grund ist die Software auf den Fotoautomaten. Denn die Möglichkeiten, Bilder auf die Maschine zu übertragen sind inzwischen nicht mehr nur von gestern, sondern von vorgestern. Am besten beginne ich mal mit einer Bestandaufnahme.

Zunächst gibt es da die physischen Anschlüsse: CD-Laufwerk, USB, CF, Microdrive, MS, MS Duo, SD, miniSD, MMC, RS-MMC, SM, xD und sogar ein lustiger Infrarot-Port steht zur Verfügung. Damit wären wir auch schon bei den kontaktlosen Möglichkeiten. Denn die Maschine verfügt zudem über Bluetooth – und falls einer der Kodak-Automat dort steht, kann man sich auch bei facebook, Picasa oder der Kodak-Gallery anmelden (eMail und Passwort benötigt) und die Bilder von dort beziehen.

Über die physischen Anschüsse möchte ich nicht meckern. An der dicken Staubschicht in einigen davon kann man zwar ablesen, wie oft sie verwendet werden, aber sie tun auch keinem weh – Platz ist schließlich genug und um das Design hat sich ohnehin niemand gekümmert. Der vorhandene Internetanschluss und Bluetooth sind auch sehr wichtige Voraussetzungen, der Vollständigkeit halber könnte man sich noch WiFi wünschen, aber das wäre nicht einmal zwingend nötig.

Das Problem liegt – wie schon gesagt – in der Software, und zwar ganz grundlegend – sowohl im Konzept als auch in der Umsetzung. Zur Umsetzung möchte ich gar nicht viel sagen, es handelt sich um den üblichen, hässlichen Terminal-Schimmel an den man sich durch die stoische Repetition von Bahn, ÖPNV und Co. inzwischen bereits gewöhnt hat. Das beschränkt sich übrigens nicht nur aufs Design, sondern ist auch konsequent im Bereich der Benutzbarkeit (Usability) und beim Nutzungserlebnis (User Experience, UX) durchgesetzt. Schlimmer jedoch ist das Konzept.

Exkurs:

Ich war ja immer ein großer Freund der drahtlosen Datenübertragung – bereits 2002 war ich mit meinem Palm m500 über Infrarot mit meinem Siemens ME45 im Internet und wurde dafür stets belächelt. Den Meisten war damals bereits klar, dass die Sache mit dem mobilen Internet sowieso völlig unnötig ist und sich deshalb auch nie durchsetzen wird. Später dann mit meinem Siemens CX75 (so gegen 2005) empfand ich das Nummern-Abtippen immer als umständlich und bevorzugte daher den vcard-Austausch via Bluetooth, was wiederum fast nie funktionierte. Dies lag aber nur in den seltensten Fällen an technischen Gründen (Nokia stellte sich z. B. damals quer), sondern meistens waren es die Leute, denen das alles „viel zu kompliziert“, „viel zu umständlich“ oder „viel zu unsicher“ war. Der wahre Grund war allerdings immer, dass es ihnen viel zu „technisch“ war. Eine Liste mit Namen von Bluetooth-Geräten schreckt doch mehr ab, als man wahrhaben möchte.

Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Heute verbindet immer noch niemand (außer Geeks) sein Telefon via Bluetooth freiwillig mit anderen Geräten. Die einzigen Ausnahmen bilden da von Zeit zu Zeit Freisprecheinrichtungen im Auto – aber die Anzahl der Leute, die auch im Auto mit Telefon am Ohr telefonieren zeigt, dass die Schwelle auch dort immer noch höher ist, als man annehmen könnte. Beim iPhone ist es sogar so, dass die direkte Verbindung zu anderen Telefonen gar nicht möglich ist. Statt dessen schicken sich Leute Nachrichten über WhatsApp, tauschen Visitenkarten über bump aus und teilen ihre Fotos über Mover. All dies funktioniert völlig „untechnisch“, sondern nur mit echten Namen, physischem Anstoßen oder virtuellem Rüberschubsen.

Wie kann es also sein, dass in einer Welt, in der es sprichwörtlich für alles eine App gibt, ein Fotoautomat dem Kunden mit den Worten „Das Gerät meldet sich mit dem Namen KIOSK_8090 in Ihrem Handy-Display“ oder „Bluetooth®: Bitte wählen Sie auf Ihrem Handy die entsprechenden Bilder aus und senden Sie diese an den Kiosk mit dem Namen Kodak Kiosk 2“ vor die Füße bricht tritt. Dabei könnte es so viel einfacher sein.

Warum bietet dm nicht eine simple, schlanke App an?

Ein Konzept, wie diese funktionieren könnte, ist schnell erklärt.

Die App ist kostenfrei im App-Store erhältlich und bietet Zugriff aufs eigene Fotoalbum. Innerhalb der App können einfach und schnell Alben erstellt werden, die – unabhängig von Zeit und Ort – ratzfatz mit Bildern befüllt werden können. Man sitzt also gemütlich in einem Café und stellt durch simples Antippen einen Satz Bilder zusammen, die man gerne auf Papier hätte. Einstellungen wie z. B. die Anzahl der Abzüge pro Bild und einfache Bearbeitungen wie z. B. Beschneidungen oder Filter sind auch möglich. Dann geht man mit seinem Telefon zu dm.

Dort tritt man vor den Automaten, startet die App und bekommt das aktuelle Kamerabild mit dem Hinweis, den Code eines Automaten zu scannen, angezeigt. Die verfügbaren Automaten zeigen einen jeweils eindeutigen Identifikationscode (z. B. QR) auf dem Monitor. Hält man sein Handy direkt vor den gewünschten Automaten, werden die beiden Geräte verbunden. Dann können vom Telefon aus einzelne Bilder oder komplette Alben ausgewählt werden. Weitere Einstellungen (Anzahl, Bildgröße, Bearbeitung) sind nach wie vor am Handy und auch am Automaten möglich, aber dezent platziert und nicht notwendig. Der Automat zeigt zu jeder Zeit den aktuellen Preis und einen großen Button zum Bestätigen. Fertig.

De facto musste der Kunde genau ein Mal den Automaten berühren, um die gewünschten Bilder zu erhalten. Und selbst das ist hier mehr aus Gründen der Absicherung angedacht, damit niemand aus Versehen munter losbestellt. Und selbst dieses Risiko wäre vermutlich tragbar.

Offensichtlich ist es nicht schwer, die Fotodrucker nutzbar zu machen. Möglicherweise würde eine solche App die momentan minimale Auslastung der Automaten – und somit ihren Umsatz – sogar drastisch steigern. Man müsste nur diese klitzekleine App umsetzen. Warum dm das nicht macht, kann nur dm selbst beantworten. Aber vielleicht liest ja jemand hier mit und kann was dazu sagen…

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Dieser Beitrag wurde am Samstag, 14. April 2012 um 16:05 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Apps, Fotografie, Sonstiges abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Hallo Hannes,
    es liest tatsächlich jemand von dm mit. dm ist bei den Sofortdruckern auf die Zusammenarbeit mit den Druckerherstellern, also z.B. der Kodak angewiesen. Daher können wir nicht einfach schnell eine App erstellen. Ich finde Deine Ideen sehr gut und bin zuversichtlich, dass es zukünftig leichter möglich ist, Bilder vom Smartphone auszudrucken. Die Idee mit dem QR Code auf dem Bildschirm finde ich gut.
    Liebe Grüße, Tommy

    Comment: Tommy – 19. April 2012 @ 16:03

  2. Und es ist umgesetzt!
    Es gibt jetzt ne App!
    Schon getestet?

    Viele Grüße
    Christian Berger

    Comment: Christian – 21. Januar 2014 @ 19:36

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