Hannes‘ Blog

Eindrücke einer Andalusien Rundreise

Ende Oktober 2012 haben wir zu zweit eine Rundreise durch Südspanien (genauer gesagt Andalusien) begonnen. Eine einwöchige Reise, die ich in der Form gewiss nicht wieder machen würde, die mich aber an viele schöne Orte brachte, die durchaus eine Erwähnung und vielleicht auch einen zweiten Besuch wert sind.

Es handelte sich um eine fertig gebuchte „Mietwagen-Rundreise“ von Thomas Cock – was auch schon der gröbste Fehler an der ganzen Sache war; denn eine Mietwagenrundreise vereint in einzigartiger Art und Weise die Nachteile aller möglichen Reiseformen. Die erste Freude bereitete uns der Reiseanbieter gleich mit der Abflugszeit. Wer um 6:15 abhebt, hat in den Tagen um den Abflug keinen Spaß. Denn nach Adam Riese heißt das: 4 Uhr im Parkhaus, Abfahrt zu Hause um 3 Uhr, Aufstehen also um 2. Wer es vorher bis 12 ins Bett geschafft hat, gehört zu den Glücklichen, die noch ganze zwei Stunden Schlaf abbekommen. Ideale Grundvoraussetzung für einen ersten Reisetag, den man dann pünktlich um 9 Uhr am Zielflughafen beginnen darf.

Eine „Mietwagen-Rundreise“

Nun zu den vereinten Vorteilen Nachteilen der Mietwagen-Rundreise. Wenn man beispielsweise eine „wir fahren einfach los“-Tour mit einer fertig gebuchten Pauschalreise vergleicht, hat man bei der ungeplanten Tour den Vorteil, dass man immer dort bleiben kann wo es einem gefällt, während bei der gebuchten Reise penibelst genau feststeht, wo man die kommende Zeit verweilen wird – ob es einem dort nun gefällt oder nicht. Dafür hat man bei der Pauschalreise keinerlei Stress mit der Unterkunftssuche. Man legt sich also sprichwörtlich jeden Abend ins gleiche gemachte Bett, während der „wir schauen mal wo wir bleiben“-Reisende von einem Ort zum andern fährt, und sich mit Sprache, Händen und Füßen eine Bleibe sucht.

Bei der fertig gebuchten Mietwagen-Rundreise tat Herr Cock sein bestes, diese Nachteile zu vereinen. Man verbringt zwar nicht jede Nacht im gleichen Hotel, dennoch ist die Auswahl ein wenig obskur. Die ersten zwei Tage in Sevilla fanden wir uns beispielsweise in einem Vorort wieder, mit einem traumhaften Blick über eine vierspurige Tempo-80-Zubringerstraße auf die unweit gelegene Autobahn. Ein wahres Highlight für Freunde des entfernten Meeresrauschen, wie man sich sicherlich mit ausreichend Fantasie einreden kann. Meine Fantasie war leider nicht ausreichend. Dafür konnte man die Altstadt aber auch nicht zu Fuß erreichen, sondern musste mit dem Auto fahren. Toll.

A prospros Auto. Im voraus gebuchte Mietwagen sind eher so die Autos, die man sich sonst nicht ausgesucht hätte. Sicher nicht. In unserem Fall: KIA cee’d, eher nicht so neu, dafür aber mit kaputten Radlagern und zu wenig Luft in den Reifen.

Die Hotels waren übrigens überwiegend der Kategorie „megagroße Business-Prunkhotels im Eichenholz-Marmor-Gold Dekor, wie nur die Blüte der 80er- und 90er-Jahre sie hervorbringen konnte“ zuzuordnen. Einige davon haben Ihre besten Zeiten zwar schon deutlich hinter sich, ignorieren das aber gekonnt. Gerne sind solche Häuser auch zentral gelegen. Nicht zentral im Sinne der Stadt; mehr zentral im Sinne von großen Industriegebieten und Zubringerstraßen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel – einige Hotels hatten auch ihr Gutes.

Aber zurück zur „Mietwagen-Rundreise“. Man könnte die Reiseform auch mit einer mehrtägige Stadtreise und einer Busrundfahrt vergleichen. Erstgenanntes ermöglicht einem, die Stadt und ihre Menschen kennenzulernen, was bei Zweitgenanntem eher unmöglich ist, da man von einer Sehenswürdigkeit zur anderen gefahren wird und die Stadt schon wieder verlassen hat, bevor man überhaupt weiß, wo sich die Stadtbewohner überhaupt aufhalten. Dafür kommt man mit der Bustour viel herum und kann die Busfahrten zum lesen, regenerieren, nachdenken oder schlafen verwenden.

Wenn man der Empfehlung von Herrn Cock folgt, schafft man es auch hier, die Nachteile bestmöglich zu vereinen. Dieser Empfehlung nach hetzt man von Touristenattraktion zu Touristenattraktion, ohne irgendetwas von Land und Leuten mitzubekommen, um sich dann schwungvoll in seinen Mietwagen zu setzen und den schnellsten Weg zum nächsten Hotel herunterzureißen.

Da uns das aber alles nicht so zusagte, haben wir dann die Reiseempfehlungen des Herrn Cock einfach beiseite gelegt, uns mit dem Gold und Marmor in den Hotels abgefunden – und dann unser eigenes Ding gemacht.

Die Tour und die Straßen

Wie von der „Reiseleitung“ vorgesehen, hatten wir folgende Stationen, die wir auch so anfuhren.

  1. Sevilla
  2. Córdoba
  3. Úbeda
  4. Granada
  5. Ronda

Nur die Route, die wählten wir gänzlich anders. Wie genau, seht Ihr in dieser Karte:


Größere Kartenansicht

Hierzu kann ich gleich sagen, dass das eine Strecke für Auto- und Straßenbegeisterte ist. Wunderschöne Sträßchen, fernab von allem, oft sehr sehr schmal, teilweise einspurig mit Gegenverkehr, vereinzelt mit auf der Straße liegenden Geröllbrocken – und natürlich mit Kurven und Serpentinen ohne Ende. Wer nicht auf so etwas steht, sollte definitiv eine andere Route wählen. Aber nun zu den Details.

Die Strecke von Jerez nach Úbeda ist völlig unspektakulär und kann auch weggelassen werden.

Völlig spektakulär hingegen ist die Rundfahrt von Villacarillo nach Villanueva del Arzobispo (hier als Einzelroute). Über 100km auf einer kleinen Straße, völlig verlassen und kaum Autos (insgesamt vielleicht 5), was aber auch gut so ist, denn man kommt selten aneinander vorbei. Auf dem Weg einige völlig verlorene Fincas, aber nur wenige davon verlassen – viele sind gut in Schuss. Sonst: Nur Olivenbäume und Kurven, Kurven, Kurven.

Ebenfalls zu empfehlen ist die Route von Granada nach Ronda, wobei hier oft merkwürdige Geschwindigkeitsbegrenzungen stehen. Außerdem bemerkenswert: Die Anzahl der verlassenen Gebäude; teils antik, teils nicht fertiggestellte Neubauten – und sogar fertiggestellte Neubauten, die nie bezogen wurden.

Ein letztes Highlight war diese Route von Ronda nach Arcos de la Frontera, bei der sich der eingezeichnete Umweg über Zahara wirklich lohnt. Auch Start- und Zielort sind hier durchaus die Parkplatzsuche wert.

Die Städte

Einen Besuch der angefahrenen Städte kann ich in jedem Fall empfehlen, allerdings hätte ich mir für jede einzelne Stadt mehr Zeit gewünscht. Wie immer haben mich die Touristenattraktionen mehr genervt und gelangweilt, als dass ich mich gefreut hätte, sie zu sehen. Natürlich sind die Alhambra, die Mezquita de Córdoba oder die Kathedrale von Granada beeindruckende Orte, aber in den Städten gibt es so viel mehr zu sehen – Dinge, die mindestens genau so schön und beeindruckend sind, an denen aber alle nur vorbeilaufen, seien es Einheimische oder Touristen, die damit beschäftigt sind, in Richtungen zu fotografieren, bei denen ich mich ständig frage, was dieses Bild nun sagen soll.

Was bei dieser Tour deutlich zu kurz kam, ist der eigentliche Charakter der Städte. Auch wenn wir immer versucht zu haben, uns von den Touristenpfaden zu lösen und unsere Zeit an Orten verbracht haben, wo die Leute hingehen, die dort leben – innerhalb von einem oder zwei Tagen hat man keine Chance, die Stadt auch nur in Grundzügen zu verstehen oder zu merken, wie sie tickt. Daher steht – wenn ich noch mal in die Nähe komme – für mich ganz klar auf der Liste, die Anzahl der Städte zu beschränken, und die eine besuchte Stadt richtig kennenzulernen, bevor ich mich einer anderen widmen werde.

Die Bilder

Anders als bei meinen letzten Urlauben habe ich mich bei der Kameramitnahme dieses Mal nicht nur auf das iPhone beschränkt – zumindest habe ich das nicht geplant. Doch die Tour hat gezeigt, dass ich das gleich hätte machen können. Denn die Kompaktknipse, die ich dabei hatte, machte ihrem Namen alle Ehre. Sie wurde nur für lustloses Rumgefuchtel in der Gegend und einige zeitlich randomisierte Auslösungen benutzt – ganz wie es die Kameraindustrie vorsieht und es ein braver Tourist auch macht. Daher habe auch nicht die geringste Lust, mir anzuschauen, was sich auf der Speicherkarte befindet – denn ich rechne dort nicht mit Bildern, die ich auch als solche bezeichnen würde.

Die einzigen Fotos, die ich gemacht habe, sind wieder in gewohnter Manier mit dem Telefon entstanden. Kein wildes rumgeknipse, sondern 1 bis 5 Bilder am Tag – eben dann, wenn es sich lohnt. Diese Bilder sind gesammelt auf dieser campl.us-Seite zu finden – wer oben auf die kleine rote Stecknadel klickt, kann sogar im Detail nachvollziehen, wo die Bilder aufgenommen wurden.

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Dieser Beitrag wurde am Sonntag, 04. November 2012 um 22:36 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Sonstiges abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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4 Comments »

  1. Hallo Hannes,
    dein Bericht ist ja leider nicht so erfreulich. Bin auf deinen Eintrag gestossen, da ich selber eine Andalusien Reise für nächstes Frühjahr plane und noch untentschlossen bin, ob ich auch einen Mietwagen nehmen soll. Mit Thomas Cock habe ich jedenfalls noch nie gebucht, würde aber wohl einen anderen Anbieter in Betracht ziehen. Seid Ihr aber allgemein gut mit dem Auto rumgekommen? Und übrigens, die iPhone Fotos fand ich ziemlich gut. Grüße, Magda

    Comment: Magda – 13. November 2012 @ 10:08

  2. Hallo Magda,
    Danke für Deinen Kommentar – freut mich, dass Dir die Bilder gefallen! Naja, eigentlich war die Reise ja schon erfreulich – nur die Sache mit den im Voraus gebuchten Hotels bzw. dem Auto war so überhaupt gar nicht mein Fall. Allgemein sind wir mit dem Auto schon gut rumgekommen – eine Rundreise mit dem Auto ist allgemein auch perfekt, um sich in Andalusien anzuschauen. Nur würde ich die Hotels lieber selber buchen (wer’s sicher mag von zu Hause aus; ich eher so vor Ort) und das Auto auch. Außerdem würde ich mich auf weniger Städte beschränken und mir die dafür besser anschauen. Zu dem Reiseanbieter von Dir kann ich nichts sagen, den kenne ich nicht.
    CU & LG,
    Hannes

    Comment: Hannes – 13. November 2012 @ 23:13

  3. Hallo Hannes,
    vielen Dank für deine schnelle Antwort. LG, Magda.

    Comment: Magda – 14. November 2012 @ 08:58

  4. Auch wenn die Tour nicht so toll war, hoffe ich, dass es trotzdem erholsam war – auch wenn es schon lange her ist 🙂 Wart ihr nochmal in Andalusien?

    WIr sind total begeistert von der Region und verlegen jetzt kurzerhand einfach unseren Wohnsitz dort hin 🙂 Vielleicht magst ja auch mal unseren Blog lesen, den Du hier findest: http://www.leben-in-andalucia.de

    Hier gibts auf jeden Fall alle Infos aus erster Hand, was das Thema Auswandern betriffft 🙂

    Lieben Gruß
    Stephie

    Comment: Stephie – 09. Juli 2014 @ 22:01

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