Hannes’ Blog

Buchempfehlung: Little Brother von Cory Doctorow

Sonntag, 19. Mai 2013 von Hannes

Eigentlich bin ich nicht so die Leseratte. Ich lese zwar gerne, aber viel zu wenig. Die ungelesenen Bücher stapeln sich und immer wieder werden Bücher begonnen und zur Seite gelegt, da sie offenbar nicht fesselnd genug sind. Aber es gibt Ausnahmen. Daher möchte ich an dieser Stelle ein Buch vorstellen, dass es kürzlich geschafft hat, mich regelrecht zu begeistern. Es handelt sich um das Buch Little Brother von Cory Doctorow.

Das Buch wurde 2008 veröffentlicht, aber im Frühsommer 2007 geschrieben und ist somit bereits ca. 6 Jahre alt. Wenn ich es einem Genre zuordnen müsste, würde ich es als „nahe Science-Fiction“ beschreiben. Diese beiden Aspekte ergeben zusammen einen interessanten Effekt. Einige der beschriebenen Elemente sind inzwischen eingetreten, einige haben sich etwas anders entwickelt – und einige stehen noch aus, sind aber täglich zu erwarten. Dadurch entsteht eine spannende Mischung aus Realität und Fiktion, die oftmals die Augen darauf lenkt, wie Dinge hätten laufen können oder was bevorstehen könnte.

Die erzählte Geschichte dreht sich um den 17-jährigen Marcus, einen normalen Geek in einer normalen Schule in San Francisco. Das “normale” Schulumfeld beinhaltet eine Totalüberwachung aller Schüler. Die daraus resultierenden “normalen” täglichen Handlungen von Marcus beinhalten das Umgehen und Austricksen dieser Überwachungseinrichtungen. In seiner teilweise selbstverschafften Freizeit widmet er sich RPGs und diversen technischen Aktivitäten rund um Computer, Kameras und Hacking.

An dieser Stelle liegt in meinen Augen auch der einzige größere Schwachpunkt des Buches, der jedoch im Dilemma des unterschiedlichen Hintergrunds der Leser begründet ist und somit auch nicht zu umgehen ist. Auf mich lässt die wiederholte Betonung der Normalität von Marcus’ Tätigkeiten und der Beschreibung von Lapalien (wie z.B. 1337) seinen Charakter eben nicht normal und selbstverständlich wirken, sondern ein wenig aufgesetzt. Denn viele der Dinge nutze ich täglich und empfinde sie daher ohnehin als normal. Für jemanden ohne technisches Interesse, ohne Vorwissen oder ohne tägliches Nutzungsverhalten sieht das aber wahrscheinlich nicht nur anders aus, sondern macht die Erläuterungen sogar essenziell nötig, um das Buch zu verstehen.

Aber zurück zur Story. Während eines ARG werden Marcus und seine Freunde Zeugen einer riesigen Detonation, die sie zunächst für ein Erdbeben halten. Sie geraten bei ihrem Weg in die U-Bahn in eine Massenpanik, bei der Marcus’ bester Freund verletzt wird. Doch statt Hilfe zu bekommen…

An dieser Stelle werde ich nicht mehr verraten, denn hier beginnt die eigentliche Story, der ich nicht vorweg greifen möchte. Denn die Story ist hochspannend und wesentlich weniger vorhersehbar als sonst so oft. Aber neben der Story geht es noch um viel mehr. Um Überwachung. Um Privatsphäre. Um Menschen in politischen Systemen und darum, wo Grenzen nicht mehr akzeptiert werden können.

Hintergrund

Das Buch ist gespickt mit Fachwissen in vielen verschiedenen Bereichen, was es in großen Teilen sehr realistisch und hochgradig interessant und spannend macht. Der Autor Cory Docotorow bringt geschichtliche, soziologische, politische und technische Elemente und Aspekte in einen Zusammenhang, was das Buch sehr realistisch, logisch und greifbar werden lässt. Wichtige Gegebenheiten werden dabei immer entsprechend erläutert, so dass auch im jeweiligen Gebiet bisher unbedarfte Leser leicht folgen können und jeder sicherlich neue Anstöße und Gedankengänge mitnehmen kann.

Vertrieb als kostenloses Buch

Eine absolute Besonderheit stellt das Vertriebsmodell dar, denn Cory Doctorow stellt sein Buch unter einer Creative Commons Lizenz zur Verfügung. Das bedeutet, dass das Buch für den privaten Gebrauch legal kostenlos heruntergeladen und weitergegeben werden darf.

Bei der Lizenz handelt es sich um eine Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Lizenz. Das bedeutet, dass man das Buch kopieren, weitergeben und weiterverarbeiten darf, wenn man die Quellen (Autor) entsprechend angibt, dies nicht zu kommerziellen Zwecken tut und aus dem Werk abgeleitete Werke unter der gleichen Lizenz bereitstellt. Warum Cory Doctorow das so macht, kann und sollte man übrigens in der Einleitung der englischen Version des Buches lesen, da er hier stichhaltige Gründe für die kostenlose Distribution nennt, die den Blick auf den kommerziellen Buchmarkt um neue Perspektiven ergänzen.

Zuträglich ist diese Vertriebsform allerdings vor allem für die Vielseitigkeit der Angebote. Beispielsweise hat Christian Wöhrl das Buch auf Deutsch übersetzt und Fabian Neidhardt hat daraus ein Fan-Hörbuch gemacht (hier bei iTunes). Dennoch gibt es auch kommerzielle Versionen des Buches. Darunter befinden sich einige Printauflagen (auch auf Deutsch oder Französisch) und auch käufliche eBooks. Ein Hörbuch in englischer Originalsprache gibt es natürlich auch.

Empfehlung

Ich selbst habe das Buch über ManyBooks.net bezogen. Der Vorteil von ManyBooks liegt darin, dass man die verfügbaren Bücher gleich im gewünschten Format herunterladen kann. Obwohl es Little Brother auf Deutsch gibt, würde ich zur englischen Originalversion von Litte Brother raten. Denn dort ist zum einen die wirklich lesenswerte Einleitung vollständig dabei, zum anderen bleibt jede Übersetzung eine Übersetzung – und in meinen Augen ist dieses Buch auch auf Englisch gut verständlich.

-> Buch hier herunterladen

Ubuntu 10.10 Maverick Meerkat auf dem Acer Aspire One 532 Netbook

Sonntag, 24. Oktober 2010 von Hannes

Vor 1½ Jahren habe ich einen einen Artikel über ein Ubuntu 8.10 auf einem Acer Aspire One A110L geschrieben, in dem ich von meinen Erfahrungen mit dem Gerät und Ubuntu beschrieben habe. Dieser Artikel wurde sehr oft gesucht und gelesen, denn offenbar bestand eine große Nachfrage nach dem Thema. Da ich heute das aktuelle Ubuntu 10.10 Maverick Meerkat auf einem Acer Aspire One 532 Netbook installiert habe und selbst nur spärliche Informationen gefunden habe, beschreibe ich hier kurz mein Vorgehen und meine Erfahrungen mit der Installation.

Das ganze ist selbstverständlich nur einer von vielen möglichen Wegen, vielleicht nicht der Ideale und nur eine Beschreibung von dem, was ich gemacht habe. Daher kann ich auch weder eine Verantwortung übernehmen, noch Fragen beantworten, die im Wesentlichen über das hier beschriebene herausgehen.

Ausgangszustand

Ausgeliefert wird das Acer Aspire One 532 Netbook mit “Windows 7 Starter”. Nach einem ersten Start hat es erstmal einige Stunden gedauert, bis alle Installationen und Nachinstallationen abgeschlossen waren. Danach erfreute mich dieses Windows andauernd mit nervigen Popups von McAffe (nur dass die Affen das “Afee” schreiben), Windows-Sicherheitsbedenken und Norton-Kram, so dass selbst das Herunterladen der Linux-Installationsdateien zur Qual wurde. Das war bereits der erste Zeitpunkt, an dem ich mich sehr gefreut habe, dass die Windows-Installation bald der Vergangenheit angehören würde…

Zur Hardware: Das Netbook sieht schick aus, fühlt sich arg plastikmäßig und wenig hochwertig an – ist dafür aber schön leicht, was in meinen Augen ein Pluspunkt ist. Die Tastatur ist super, besonders hervorheben möchte ich die zweizeilige Return-Taste, die mir sehr wichtig ist und deren einzeiliger Bruder mich bei diversen Netbooks (Lenovo z.B.) bereits zur Weißglut getrieben hat. Auch die Tastenanordnung und die “Beschreibbarkeit” sind sehr gut.

Wer einen USB-Stecker in die Buchse bringen will, sollte vorher etwas Krafttraining machen, ich hoffe das leiert noch ein bisschen aus, sonst befürchte ich argen Verscheiß an USB-Sticks. Festplatte, RAM, Geschwindigkeit, Akku etc. pp. werde ich hier nicht weiter bewerten, dazu findet sich genug im Netz.

Herunterladen der Quelldateien

Am besten besorgt man sich die Dateien gleich mit der ohnehin schon installierten Windows Version. Also einfach den vorinstallierten Internet Explorer öffnen und die folgenden Dateien herunterladen:

Auf der Download-Seite von Ubuntu habe ich mich im Schritt 1 für die momentan aktuelle Version 10.10 entschieden. Schwerer fiel mir die Wahl der Version (32 bit oder 64 bit), da der Intel N450 zwar ein 64 bit Prozessor ist, die 64 bit Version aber mit “AMD” bezeichnet ist und mich dies zunächst stutzig machte. Die 64 bit Seite im Wiki von Ubuntu hat mir nicht wirklich weiter geholfen, die Kompatibilitätsliste für 64 bit beinhaltet den Atom N450 Prozessor nicht. Die Empfehlungen für 64 und 32 bit halten sich die Waage.

Ich habe mich schließlich für die 32 bit Version entschieden, da ich weiß, dass diese läuft und ich momentan keine Notwendigkeit für 64 bit auf diesem Netbook sehe.

In Schritt 2 auf der gleichen Seite wählte ich die Optionen “USB-Stick” und “Windows”; ein Klick auf den “Show me how”-Button führt zur oben bereits erwähnten “Universal USB Installer for Windows” Software.

Erstellen des USB Sticks für die Installation

Der Universal USB Installer war mit wenigen KB schnell heruntergeladen und installiert – ließ sich aber bei mir mit einer Fehlermeldung “Installer integrity check has failed” nicht starten. Dieses Problem ließ sich aber leicht durch das Umbenennen der .exe-Datei in einen beliebigen anderen Namen (natürlich mit .exe-Suffix) beheben. Nicht fragen – Windows.

Nachdem das Programm aber geöffnet war, konnte man die heruntergeladene .iso-Datei mit der Linux-Distribution schnell und einfach auf einen USB-Stick übertragen.

Die Installation

Die Installation war nun denkbar einfach: Einfach den USB-Stick im Netbook stecken lassen, den Rechner neu starten und dabei F2 gedrückt halten, um ins BIOS zu gelangen. Dort kann man auf dem Boot-Reiter die Boot-Reihenfolge auswählen und ändern. Wichtig: Hier reicht es nicht, den Eintrag mit dem USB-Stick auszuwählen; man muss ihn auch auf den ersten Platz (zumindest vor die interne Festplatte) verschieben. Dann einfach F10 (Save & Exit) drücken, und der Rechner startet vom USB-Stick.

Danach kann man einfach dem Installations-Agenten von Ubuntu folgen, der mit der Frage “testen oder installieren” beginnt, und die ich natürlich mit “installieren” beantwortet habe. Nach der Installation habe noch mal die Aktualisierungsverwaltung gestartet, und die neusten Updates nachgeladen: Fertig!

Der Betrieb

Ich habe gleich ein paar Softwares installiert, und eigentlich läuft alles wie es soll. Wie immer gibt es Ausnahmen. So funktionierte z.B. das Mikrofon nicht, was ich aber mit dieser Anleitung beheben konnte:

  1. Terminal starten (unter Anwendungen -> Zubehör)
  2. sudo apt-get install pavucontrol eingeben und Return drücken. Danach wird ein Passwort verlangt; das Benutzerpasswort eingeben und erneut Return drücken
  3. danach pavucontrol eingeben und erneut Return drücken
  4. Reiter “Eingabe” auswählen
  5. Schloss klicken, um Änderungen zu ermöglichen
  6. Den Regler des rechten Kanals auf Null stellen (ganz nach links), den linken Kanal voll aufgedreht lassen

Außerdem funktioniert der Cardreader nicht. Das wusste ich aber bereits vor der Installation, da ich gelesen hatte, dass es offenbar seitens des Herstellers keine Treiber für diese Komponente gibt.

Fazit

Wenig Arbeit und ein wesentlich besseres und angenehmeres Betriebssystem auf dem Netbook. Kann ich nur empfehlen!

Die übliche Diskussion um Musikpiraterie

Dienstag, 07. September 2010 von Hannes

Heute habe ich einen Artikel auf www.internetworld.de gelesen, der mit einer reißerischen Überschrift beginnt, und dann so ziemlich alle Argumente der Musikindustrie nachplappert nennt, die durch bloßes hinsehen zu entkräften sind.

Auf einige dieser Punkte möchte ich kurz eingehen. Die Zitate stammen alle aus dem besagten Artikel.

Dennoch gibt es im Onlinehandel mit Musik noch Einiges mehr zu verdienen, wenn die Branche das Problem der Piraterie besser in den Begriff bekommt.

Diese Aussage stützt sich offensichtlich auf der Annahme, dass eine Vielzahl der momentan illegal heruntergeladenen Titel legal gekauft würde, wenn es keine Piraterie gäbe. Eine gewagte These, wie ich finde.

Für die Betrachtung reicht es hier selbstverständlich, nur diejenigen heranzuziehen, die es als legitim betrachten, Songs herunterzuladen und dies auch regelmäßig tun. Ersteres ist laut der Umfrage jeder vierte Deutsche*, zweiteres ist merkwürdigerweise nicht in Zahlen genannt. Jemand der regelmäßig illegal herunterlädt, wird sich – sobald er sich für einen Künstler interessiert – dessen komplette Diskografie herunterladen, auch wenn es nur ein vages oder scherzhaftes Interesse ist. Er lädt also gleich Musik, die auf CD einen relativ hohen Gegenwert hätte. Bei Nichtgefallen wird er die Musik entweder irgendwo liegen lassen und nicht weiter hören, oder sie einfach wieder löschen.

Wäre er hingegen gezwungen, die Musik zu kaufen, würde er sich informieren und sich verschiedene Titel anhören. Daraufhin würde keinen, einen oder vielleicht zwei Titel kaufen. Wenn er überzeugt ist vielleicht sogar 10 oder 20, aber relativ sicher nicht die komplette Diskografie.

Einfach die heruntergeladenen Titel als Verlust zu rechnen ist somit die mitunter dümmste Rechnung, die man machen kann. Nicht etwa, dass ich das illegale Herunterladen befürworten möchte oder dies als Bagatelle abtue. Ich glaube nur nicht, dass die Verkäufe nach oben gehen, wenn niemand mehr herunterlädt – denn Leute die Musik kaufen wollen tun das schon heute. Ich fürchte eher, dass die Verkäufe sinken, da das Empfehlen bzw. Finden von Neuem erschwert wird, sobald man hier noch stärkere Riegel vorschiebt.

Im vergangenen Jahr [2009] haben die Deutschen im Internet 112 Millionen Euro für Songs und Alben ausgegeben. Das sind sogar 40 Prozent mehr als noch 2008.

Merkwürdig. Kaum kommt das das Internet in der wirklich breiten Masse an, gehen die Verkaufszahlen nach oben. Verrückt. Irgendwas kann doch da nicht stimmen, wo doch alle nur noch illegal herunterladen.

Außerdem bekommt das obige Zitat in Zusammenhang mit dem folgenden eine fast tragische Komik.

Zuletzt versuchte die Verwertungsgesellschaft Gema eine Einstweilige Verfügung gegen Youtube zu erreichen, um die Veröffentlichung von Musikvideos zu unterbinden.

Während youtube also die beste Werbung seit Menschengedenken macht und die Verkaufszahlen um 40% in die Höhe schnellen, weil plötzlich alle Leute über das Netz neue Musik kennen lernen, wird seitens der Industrie und der Gema alles daran gesetzt, das zu unterbinden.

Übrigens:

Bevor zu meiner Einstellung Fragen aufkommen: Ich selbst hasse illegales herunterladen und bin ein großer Freund davon, Bands zu unterstützen. Ich kaufe mit anhaltend großer Begeisterung CDs, und das was ich nicht auf CD bekomme, kaufe oder lade ich legal im Netz.

Mir geht es bei diesem Artikel auch gar nicht um die illegalen Downloads, sondern darum, dass eine über die Jahre sehr mächtig gewordene Musikindustrie anfängt, jegliche Zusammenhänge aus den Augen zu verlieren. Bei der Gier nach Gewinnen schlägt sie wild um sich und kriminalisiert dabei alles und jeden – insbesondere ihre Kunden.

Eine Musikindustrie, die bei (um 40%) steigenden Umsätzen nur von Verlusten spricht, ihre Kunden beleidigt und zeitgleich durch zweifelhafte Aktionen (“Dieses Video enthält content von … und ist daher in Deinem Land nicht verfügbar”) ihr eigenes Grab schaufelt, darf von meiner Seite keinerlei Verständnis erwarten.

Allerdings wäre mir ein großes Anliegen, dass das Geld – das doch die meisten Liebhaber zu zahlen bereit sind – bei den Künstlern, und nicht nur bei der Industrie ankommt. Daher gefallen mir Konzepte wie das von Pomplamoose auch wesentlich besser, als die herkömmlichen Konzepte der Musikindustrie.

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* Jeder vierte ist eigentlich ziemlich wenig, je nachdem wie die Frage gestellt wurde. Und da Zit: “eine repräsentative Umfrage” nicht näher genannt wurde, gehe ich mal davon aus, dass nicht ganz neutral gefragt wurde. Was ich damit meine kann man am besten mit den Fakten zu Dihydrogenmonoxid erläutern. Einfach den Artikel lesen oder anderen Menschen geben, und dann die Frage stellen, ob man Dihydrogenmonoxid verbieten sollte. Die Antwort ist meist ein eindeutiges “Ja”. Nathan Zohner erreichte 86% Zustimmung, bei meinen Tests (nicht dokumentiert) kommt diese Quote ungefähr hin. Bei der Umfrage handelt es sich übrigens um den bekannten Dihydrogen monoxide hoax, es geht bei alledem um einfaches Wasser.

flattr – ein Social Media-taugliches Micropayment System?

Sonntag, 20. Juni 2010 von Hannes

Inzwischen stößt man auf immer mehr Webseiten auf das flattr-Widget – so auch in diesem Blog. Das Widget besteht aus dem flattr-Logo/Schriftzug und einer Zahl – oder alternativ den Worten “flattr this!”. Was es damit auf sich hat, beschreibt dieses Video recht gut:

Zusammengefasst

Jeder flattr-Nutzer zahlt monatlich einen bestimmten Betrag an flattr und kann dann bei allen bei flattr gemeldeten Inhalten auf das oben genannte flattr-Widget klicken. Am Ende jedes Monats wird der Montasbeitrag zu gleichen Teilen an die Urheber der jeweiligen Inhalte aufgeteilt. Der monatliche zu vergebende Betrag ist zwischen 2€ und 100€ frei wählbar. Eigene Inhalte kann jeder flattr-Nutzer eintragen und somit Klicks und damit auch Geld von anderen flattr-Nutzern bekommen.

Zahlen auf freiwilliger Basis

flattr ist somit eine Umsetzung der häufig von Kreativen geforderten freiwilligen Micropayment-Systeme. Jeder kann etwas zahlen, muss aber nicht. Außerdem kann jeder den Betrag zahlen, den er entbehren kann oder den er bereit ist, für die Inhalte auszugeben. Außerdem beruht das System natürlich darauf, dass nicht Einzelne die Inhalte mit großen Beträgen tragen (wie in den klassischen Medien, wo z.B. eine Zeitung einen Journalisten für einen Artikel oder ein Foto entlohnt), sondern sich die Summe aus vielen kleinen Beträgen von vielen Menschen bildet. Je nachdem, wen man mit seinen Inhalten anspricht bekommt man als kreativ Schaffender daher viel oder wenig Geld. Der Wunsch ist natürlich immer, dass Leute bereit sind mehr zu zahlen, wenn die Zahlung freiwillig ist.

Die Realität

In der Realität sieht das alles noch ein bisschen anders aus. Im Falle von flattr lässt sich das darauf zurück führen, dass der Service noch sehr neu und unter den meisten Internet-Nutzern noch völlig unbekannt ist. Außerdem ist der Service noch in einer halb geschlossenen Beta-Phase, so dass noch keine freie Anmeldung möglich ist, sondern man eine Einladung eines anderen Nutzers benötigt. Aber ich denke, dass trotzdem schon Tendenzen zu erkennen sind.

Schaut man sich die bei flattr eingestellten Inhalte an, fällt auf, dass das Chaosradio und netzpolitik.org seit Wochen unangefochten die “Charts” mit den höchsten Klickzahlen anführen, während bei sehr vielen Inhalten der Zähler nach wie vor auf Null steht. Es scheint also, dass sich die Geldbeträge schwerpunktmäßig auch hier wieder auf wenige Inhalte verteilen.

Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass es schwer ist, Inhalte zu gewichten. Wenn ich also einen Inhalt “flattre”, kann ich das weder rückgängig machen, noch kann ich ein zweites mal klicken und den Inhalt erneut flattrn. Vielleicht möchte ich aber im gleichen Monat einer großartigen Website, die ich täglich lese, mehr zukommen lassen, als einem mir völlig unbekannten Blog, der nur ein witziges Video von seinem Wochenendtrip zeigt. Dazu habe ich bei flattr keine Möglichkeit.

Was ich außerdem nicht einschätzen kann, ist die Anzahl der Leute, die sich bei flattr anmelden um zu zahlen – und nicht um zu empfangen. Was am flattr-Prinzip super ist, ist dass jeder der empfangen will auch zahlen muss. Somit machen es die (meist auch Inhalte-produzierenden) Early Adopter den anderen vor, und fangen an selbst zu flattrn. Dennoch tauchen auf der Seite natürlich nur die Inhalt-Produzenten auf, jemand der nur zahlt ist für die anderen Nutzer unsichtbar. Das Verhältnis von Zahlenden zu Empfangenden ist somit schwer einschätzbar. Super wäre eine Statistik seitens flattr, die anzeigt welcher Prozentsatz an Nutzern bereits eigene Inhalte eingetragen hat. Das würde zwar keine verlässliche Zahl bringen, in meinen Augen aber eine Richtung anzeigen, wie viele Nutzer sich ausschließlich zum Bezahlen anmelden – und ich weiß, dass es solche Nutzer gibt. Nach meiner Ansicht wäre der Anteil dieser Leute eine sehr interessante Zahl, die evtl. etwas über die Qualität eines solchen Services aussagen könnte.

Vergleich und Aussicht

Die Idee mit dem “freiwilligen Bezahlen” ist nicht neu. Zu Schulzeiten habe ich auf Schulbandfesten damit beste Erfahrungen gemacht. Eltern, Großeltern und Verwandte – also Leute die eine enge Beziehung zu dem Projekt hatten – haben immer gerne Beträge gezahlt, die als Eintritt eine Unverschämtheit gewesen wären. Im Endeffekt kam bei solchen Veranstaltungen immer mehr in die Kasse, als wenn feste Beträge für Eintritt und Essen vorgegeben wurden. Auf reinen Schülerpartys sah die Sache dann schon wieder ganz anders aus.

Auch im digitalen Bereich ist das System nicht neu. Oft helfe ich Freunden und Bekannten bei irgendeiner Sache am Rechner / mit dem Server oder mit einer kleinen Bildretusche aus. Die Frage “Was schulde ich Dir?” beantworte ich dann natürlich immer mit “Nichts!” – denn ich möchte kein Geld von meinen Freunden. Wenn dann ein “Doch, unbedingt, sonst hab ich ein schlechtes Gewissen!” folgt, habe ich mir angewöhnt, den Link zu meinem Wunschzettel auf amazon zu schicken. Die Aussage dahinter ist: “Ich will kein Geld von Dir, aber mit diesen Dingen kannst Du mir eine Freude machen.”

Der angenehme Nebeneffekt ist, dass jeder sich in dem Umfang “bedanken” kann, den er für richtig hält. Oder – anders ausgedrückt – jeder der zahlen will, zahlt das, was ihm die Hilfe wert war. Die Erfahrungen damit sind eindeutig und Bizarr: Die Leute mit dem geringsten Budget machen teilweise Geschenke, bei denen ich das schlechte Gewissen bekomme – die Leute mit dickem Auto und Geld wie Heu nehmen das “nichts” sehr wörtlich. Aber das muss man dann auch akzeptieren – so ist das mit der Freiwilligkeit. Wundern darf man sich über die geizigen Reichen übrigens auch nicht: Man wird schließlich nicht von dem Geld reich, was man verdient, sondern von dem, was man nicht ausgibt.

Ich bin gespannt, wie sich flattr entwickelt. Bei mir geht dort bislang wenig bis gar nichts. Wie sieht das bei Euch aus? Habt Ihr schon Erfahrungen damit gesammelt? Seid Ihr schon dabei? Wenn nicht – würde es Euch reizen? Was haltet Ihr von dem System?

Die Erben der SMS – Messenger fürs iPhone im Test

Sonntag, 13. Juni 2010 von Hannes

Mit dem App Store und der Push-Funktion fürs iPhone kamen nach und nach die ersten Messenger. Das sind im Prinzip kleine Programme, die die Funktionalität bieten kurze Nachrichten an Freunde zu senden. Der Vorteil dieser Programme liegt darin, dass sie direkt auf dem Bildschirm des Gegenübers erscheinen (wie eine SMS), der Versand aber trotzdem kostenlos ist – und das sogar Länderübergreifend. Nach und nach kamen dann noch Funktionen zum Anhängen von Bildern, Videos oder Ortsangaben dazu.

Die meisten Funktionalitäten hierbei bietet zwar auch eine gewöhnliche eMail, die Vorteile hier sehe ich in der anderen Nutzungsebene. Viele Leute haben die Push-Funktion für eMails deaktiviert, da zu viele nicht relevante Mails ankommen von denen man nicht gestört werden möchte. Daher ist die zusätzliche Ebene eines Push-Services der näher am Nutzer liegt und ausschließlich für persönliche Nachrichten gedacht ist sehr angenehm.

Heute möchte ich die Vor- und Nachteile von vier verschiedenen Programmen zeigen: WhatsApp, pushme.to, PingChat! und Group Text von brightkite. Hierbei bieten alle Programme gewisse Vorteile, WhatsApp und PingChat! sind sehr ähnlich, während Group Text eine gewisse Sonderrolle einnimmt.

WhatsApp

WhatsAppWhatsApp ist sozusagen der Platzhirsch auf dem iPhone. Die Verbreitung ist sehr groß – das ist aber in meinen Augen auch schon der einzige Vorteil dieser App. Denn WhatsApp kostet Geld (aktuell 0,79€), während PingChat! (s.u.) einen größeren Funktionsumfang umsonst bietet. Wie so oft hat sich hier etwas teureres und in meinen Augen schlechteres durchgesetzt.

WhatsApp gibt es für iPhone und BlackBerry; laut dem heutigen Stand ist eine Version für Android und Nokia Symbian in Arbeit. Push wird voll unterstützt und an die Nachrichten können Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte und der momentane Standort angehängt werden. Zudem wird der Nutzer über den Sendestatus der Nachrichten durch kleine und eindeutige Symbole informiert. Ein Account ist nicht notwendig, die App registriert sich über die Telefonnummer.

Außerdem ist WhatsApp mit dem Adressbuch verknüpfbar. Aber: Wenn man der App Zugriff auf das Adressbuch gewährt, werden automatisch alle WhatsApp-Nutzer aus dem eigenen Adressbuch angezeigt. Dies erfordert nach meinem Verständnis, dass alle in meinem Adressbuch gespeicherten Telefonnummern für einen Abgleich zum WhatsApp-Server geschickt werden müssen. Das hat mich ehrlich gesagt schockiert, denn zwischen “Zugriff gewähren” und “alle Daten heim funken” liegt in meinen Augen ein himmelweiter Unterschied. Abgesehen davon möchte ich vielleicht auch nicht alle Leute aus meinem Adressbuch in meiner WhatsApp-Liste haben.

Die App selbst läuft bei mir so mittelmäßig zuverlässig, einige Nachrichten kamen trotz angezeigtem grünen Häkchen nicht an, und wurden mir beim nächsten Start der App erst als Fehler angezeigt.

pushme.to 2.0

pushme.topushme.to bietet neben den Nachrichten von App zu App auch die Möglichkeit des Webinterfaces an. Ich kann also ein Widget in meine Website oder meinem Facebook-Profil einbinden, über das mir jeder Besucher eine Sofortnachricht schicken kann. Außerdem kann man auch über das Aufrufen von http://pushme.to/nickname/ auch Konversationen zwischen dem iPhone und einem beliebigen Webbrowser führen.

Die Verwendung der App erfordert einen Account, eine Verknüpfung mit dem Adressbuch ist möglich (mehr Info dazu in den FAQ). Das Anhängen von Fotos ist möglich, jede Nachricht wird gepusht. Die iPhone-App ist mit 2,39€ nicht wirklich billig – das ist trotz der schicken Web-Funktionen natürlich als dicker Nachteil zu werten. Ein weiterer großer Nachteil ist die bisher fehlende Implementierung für andere Plattformen wie Android oder Symbian. Die fehlenden Apps können in meinen Augen durch das Webinterface nicht ausgeglichen werden, da hier essenzielle Funktionen – wie beispielsweise Push – fehlen.

PingChat! 2.0

PingChat!PingChat! hat eine enorme Ähnlichkeit zu WhatsApp. Auch hier braucht man keinen Account da die Registrierung über die Telefonnummer erfolgt; außerdem gibt es einen Sendebericht in Form von Symbolen. Eine Verknüpfung mit dem Adressbuch ist auch bei PingChat! möglich – hier meines Wissens allerdings ohne den Datenschleudereffekt. Ebenso können Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte und der momentane Standort an jede Nachricht angehängt werden.

Dennoch übertrumpft PingChat! WhatsApp in meinen Augen, denn es ist erstens kostenlos und unterstützt zweitens auch Gruppenfunktionen. Ich kann mich also mit einer Gruppe – sei es ein Team im Beruf oder ein privater Freundeskreis – mobil und in Echtzeit austauschen, jeder bekommt jeden Stand mit und die komplette Konversation verteilt sich nicht auf mehrere Einzeldialoge. Das ist für mich ein absolutes Killer-Feature. Ein Nachteil von PingChat! ist die Nutzerzahl, zumindest aus meinem Bekanntenkreis haben sehr wenig Leute die App installiert.

Leider gibt es PingChat! momentan bisher nur als iPhone-App, die Apps für Android und BlackBerry sind laut der PingChat!-Seite allerdings in Arbeit.

Group Text

Group TextGroup Text von brightkite ist eine App, die die Grundfunktionalität der Conversations aus der brightkite-App ausklinkt und als eigenständiges Programm anbietet. Und genau darin liegt der große Vorteil von Group Text, da es auf eine Funktion zurückgreift, die bereits in Apps für alle gängigen Plattformen eingebunden ist. Mit anderen Worten: Group Text läuft im Rahmen der jeweiligen brightkite-Apps sowohl auf dem iPhone, als auch unter AndroidBlackBerryNokia oder Palm, außerdem gibt es ein Webinterface über brightkite.com. Für alle mobilen Browser steht http://m.brightkite.com zur Verfügung, für jeden der mehr wissen will empfehle ich die Group Text FAQ.

Um die Group Text App auf dem iPhone nutzen zu können, braucht man einen brightkite-Account – zu Konversationen kann man allerdings auch Leute mit jedem normalen SMS-fähigen Telefon einladen; auch wenn das aus Kostengründen nur bedingt sinnvoll ist, da der SMS-Server in UK steht. Es ist somit für andere nicht nötig, die Software zu installieren – allerdings kann man in Deutschland keine brightkite-Nachrichten über SMS empfangen, sondern nur senden. Eine Auslesen der Nummern aus dem Adressbuch ist möglich. Auf dem iPhone werden alle Nachrichten von Group Text gepusht, an die Nachrichten kann man Fotos und eine Standortangabe anhängen.

Auch hier gibt es die Möglichkeit Konversationen in Gruppen zu führen, was in meinen Augen wie schon gesagt ein Killer-Feature ist. Im Gegensatz zu PingChat! müssen hier aber nicht alle Gruppenmitglieder ein iPhone besitzen; durch das Webinterface und die Einbindung von SMS, Android, BlackBerry etc. pp funktioniert Group Text in so ziemlich jeder Gruppe – nicht nur in der iPhone-Geek-Gruppe.

Die iPhone-App ist noch recht neu und ich habe gehört, dass sie auch mal crasht – auch wenn ich das bisher nicht erlebt hab. Für diesen Fall empfehle ich einfach die normale brightkite iPhone-App zu installieren, sie beinhaltet nämlich die komplette Group Text Funktionalität, ist auch kostenlos und läuft sehr stabil.

Eine Übersicht

WhatsApp pushme.to PingChat! GroupText
App kostenlos (iPhone) - - + +
Benutzung kostenlos + + + +
über Rechner verwendbar - + - +
iPhone App + + + +
Android App - -8 - +1
BlackBerry App +1 -8 - +1
Nokia / Symbian App - -8 - +1
Palm App - -8 - +1
kein Account nötig +2 -9 +2 -9
Adressbuchverknüpfung (iPhone) + + + +
Adressbuchschleuder (iPhone) -3 + + +
Anhängen von Medien +4 +5 +6 +7
Anhängen von Orten + - + +
Gruppenfunktionen - - + +
Push (iPhone) + + + +
Ergebnis 8/15 7/15 10/15 14/15

1 nicht von mir getestet
2 Die Anmeldung erfolgt über die Telefonnummer
3 offenbar Abgleich des privaten Adressbuches mit Server (s.o.) daher schlecht bewertet.
4 Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte, momentaner Standort
5 Fotos
6 Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte, momentaner Standort
7 Fotos, momentaner Standort
8 Funktioniert aber wohl über das webinterface via http://pushme.to/nickname/ (nicht getestet)
9 Account nur nötig wenn man die App installieren will, die Nutzung als Konversationsteilnehmer ist ohne Account möglich

Fazit

In meinen Augen ist eine Nutzbarkeit für Gruppenkonversationen und damit verbunden auch die Kompatibilität zu anderen Plattformen das wichtigste, daher ist Group Text von brightkite mein persönlicher Favorit – zumal man hier nicht mal unbedingt ein internetfähiges Handy braucht. Die Abrundung durch hier nicht erwähnte Funktionen außerhalb des Messaging-Bereiches tut ihr übriges.

Auf Platz 2 folgt für mich aufgrund seiner Funktionsvielfalt PingChat!, auch wenn es momentan – also ohne Android und BlackBerry-Apps – noch keine Alternative darstellt.

In meiner persönlichen Ansicht folgt pushme.to auf Platz 3 – das Widget und die Möglichkeit des Browser-to-iPhone-Chats sind sehr spannend. Dicke Minuspunkte gibts nur für den viel zu hohen Preis.

Abgeschlagen auf dem vierten Platz liegt für mich WhatsApp. Kostenpflichtig, nicht zuverlässig und mein Adressbuch nach Hause funkend ist hier jegliche Sympathie bei mir verspielt. Schade.

Meine Erfahrungen mit dem Acer Aspire One A110L und Ubuntu 8.10

Donnerstag, 26. März 2009 von Hannes

Wie viele bereits zwischen den Zeilen mitbekommen haben, habe ich seit einiger Zeit einen Acer Aspire A110L, den ich mit Ubuntu aufgesetzt habe und über den ich nun berichten möchte. Ich muss von vorne herein sagen, dass es hier um einen Erfahrungsbericht geht – ich werde schreiben was mir gefällt, was nicht und wie ich das Gerät nutze. In diesem Artikel wird es keine Benchmarks, keine Hard Facts, keine technischen Daten und keine Tipps für Linux geben – dafür gibt es mehr als genug Quellen, die auf so etwas spezialisiert sind und das deutlich besser können als ich.

Zu meinem Hintergrund.

Der erste Computer an dem ich saß, war “der Macintosh“, und das muss um 1987 gewesen sein. Seitdem habe ich selbst auch nur MacOS-Rechner gehabt vom Anfang der 90er bis heute. Seit Mitte der 90er habe ich auch einen historischen Atari zu Hause, den ich aber nur zum programmieren benutzt habe. Wenn ich irgendwo gearbeitet habe oder an der Uni unterwegs war, war dort natürlich Windows das System der Wahl, weshalb ich mich damit auch schon so manche Stunde auseinandergesetzt habe.

Aber im Grunde bin ich Mac-Geek seit 1990, kenne MacOS seit Version 7 wie meine Hosentasche und bin von dem System überzeugt. Mein Unixwissen beschränkt sich darauf, dass ich weiß, wie ich im Finder das Terminal öffne, die Verzeichnisse wechsle (das geht nämlich besonders sexy auch mit Drag’n’Drop) und wie ich dort Zeilen, die mir freundliche unix-Geeks zukommen lassen, eingebe.

Warum dann jetzt Linux?

Die Idee des “Netbooks” finde ich cool. Einen Rechner, der immer im Rucksack rumfährt und verfügbar ist, der nicht gleich ein ganzes Vermögen bindet, auf das aufgepasst werden will, der schnell überall hingestellt ist, und der sogar (more…)

Warum Frauen besser fotografieren können.

Mittwoch, 10. Januar 2007 von Hannes

Ich schaue mir gerne und viele Bilder im Internet an. Da ich durch anschauen, zuschauen, etwas darüber lesen und anschließendes Nachmachen deutlich besser lernen kann als irgendwie sonst, ist das Internet die ideale Möglichkeit für mich etwas über Fotografie zu lernen. Und dabei fällt immer wieder eines auf: Frauen sind die besseren Fotografen. Es gibt zwar deutlich weniger Fotografinnen, aber alles in allem sind sie besser als die Männer. Sicherlich bestätigen Ausnahmen die Regel; es gibt auch Männer die selbst unter Frauen herausragen, und es gibt auch Frauen über deren Fotos man besser nicht spricht – aber im allgemeinen machen Frauen die schöneren Fotos.

Als interessierter Mensch kann ich das natürlich nicht einfach so hinnehmen; nein, neulich hat sich mir ein ganz vehement pochendes ‘Warum eigentlich?’ aufgedrängt. Daraufhin hab ich mir ein paar Bilder (ok, ein paar 1000 Bilder) bei flickr unter besonderer Betrachtung der Herkunft angeschaut. Also wer hat’s gemacht und womit. Dabei fiel auf:
- Mehr Männer als Frauen machen Fotos
- 70% der Männerfotos (also von Männer gemachten Fotos) sind grausam (was ja die Feststellung war, die mich hier hinführte)
- 30% der Frauenfotos sind grausam
- die meisten Frauen gute Kameras der kleinsten Klasse (also D50, 350D oder so), wenige schießen auf Film und einige holen erstaunliche Ergebnisse aus Fotografischem Müll: billige Kompakte und sogar Fotohandys(!)
- die Männerkameras sind da verschiedener und technikfixierter, also alles von analogen Film-SLR (Nostalgie) über gute Kompakte und kleine SLR bis hin zur DSLR-Mittelklasse

Daraufhin hab ich die Herkunft der guten Bilder noch mal genauer betrachtet und festgestellt, das die Zahl der guten Frauen- und Männerfotos ungefähr gleich ist; da aber mehr Männer Bilder machen/zeigen bestätigt das nur die Feststellung mit den 30 bzw. 70% schlechten Fotos. Bei den richtig guten Fotos ist sogar die absolute Zahl der Männerfotos noch eine Spur höher, auf die Gesamtzahl aller Fotos bezogen bleibt die ‘perfektes Foto’-Quote der Frauen höher.

Nun stellte sich die Frage: Warum haben die Frauen die bessere ‘Trefferquote’, was ist dort meistens besser? Zuerst fiel mir dabei der Bildausschnitt auf. Frauen finden ganz außergewöhnliche Ausschnitte, Perspektiven und Kombinationen von Gegenständen in verschiedenen Entfernungen – sind also innovativ, während Männer gute Arrangements und Ausschnitte selten im Raum, sondern meistens auf einer Ebene finden. Wenn doch der Raum genutzt wird, setzen Männer meistens eine schon mal dagewesene Idee einfach technisch besser um. Der WOW-Effekt rührt also bei Frauen meistens aus der neuen Sichtweise und des Arrangements, während er bei Männern meistens durch die technische Perfektion (Schärfe/Unschärfe-Verhältnis, Schatten, Rauschen, etc.) verursacht wird.

Auf der Suche nach dem Grund dafür kam ich zu folgender Lösung: Nach irgendeiner Studie, die ich irgendwann mal irgendwo gelesen habe haben Männer ein deutlich ausgeprägteres 3D-Seh- und Denkvermögen, während Frauen mehr in Ebenen denken (Link zu einem Beispiel). Nun geht es aber bei der Fotografie gerade um die Abbildung der realen Dreidimensionalität auf zwei Dimensionen – auf die Ebene – und das kommt der Wahrnehmung von Frauen deutlich zu gute. Ein von einer Frau wahrgenommenes Bild (im Raum) wirkt eher ‘statisch’, also wie ein Foto, während ein Mann die Gegenstände räumlich trennt.

Beispiel: Mann und Frau stehen vor einem Stadttor, durch das man einen Kirchturm oder Hügel mit Baum in der Ferne sieht. Während eine fotografisch interessierte Frau dieses Motiv sofort erkennt und die Kamera rauskramt, denkt der Mann – wie ich aus eigener Erfahrung weiß – ganz anders. Er nimmt zuerst die Tatsache wahr: Hier ist ein Tor, da hinten ist ein Baum / Kirchturm. Von beidem geht keine Gefahr aus, also lässt er es erstmal gut sein. Ist er nun aber fotografisch interessiert, gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens, er hat die Kamera in der Hand und ist auf Motivsuche. Dann hat er gute Chancen das Motiv selber zu finden, so lange er alleine unterwegs ist und nicht abgelenkt wird und mit den Gedanken wo anders ist. Zweitens, er hat die Kamera in der Tasche und hat schon viele Fotos gesehen. Dann klingeln nämlich die Alarmglocken: “Tür, durch die man was sehen kann” -> bekanntes Motiv, schon mal gesehen (bestimmt ursprünglich von einer Frau) -> wirkt meistens toll -> nehm ich doch mal die Kamera raus.

Auch das Blickfeld von Mann und Frau sind völlig verschieden; so hat ein Mann einen Winkel von ±7° vor der Nase mit vollster Aufmerksamkeit, einen Winkel von ±25° mit normaler bis schwacher Aufmerksamkeit und einen ‘nehm ich im Augenwinkel wahr’-Winkel von ca ±90°. Wenn also was außerhalb der ±7° passiert was wichtig ist oder außerhalb der ±25° irgendetwas passiert, muss der Mann den Kopf drehen. Für die Motivsuche ist das natürlich denkbar schlecht, denn mit 7° toll sehen und bis 25° akzeptabel sehen deckt man einen äquivalenten Brennweitenbereich von ca. 300mm in gut bis 110mm in akzeptabel ab. Frauen geht es da deutlich besser; zwar geht da der ‘Augenwinkel’-Bereich nur bis ca. ±65° und der Bereich der vollsten Aufmerksamkeit ist kaum feststellbar, dafür haben sie einen Bereich von normaler Aufmerksamkeit von 0 bis ±45° was einer Brennweite von ca. 50mm entspricht. Fotografen dürften spätestens jetzt etwas merken.

Diese Blickfeldgeschichte hab ich auch mal irgendwo gelesen und kann sie leider nur aus der Erinnerung zitieren; es kann auch sein dass die Winkelzahlen ein bisschen von der Originalstudie abweichen. Aber die Richtung müsste stimmen. Die entsprechenden Brennweiten hab ich aus dem Sigma Objektivkatalog entnommen.

Wenn man sich nun betrachtet, wo diese Unterschiede herkommen, führt einen das in die Steinzeit zurück. Dazu zitiere ich mal wieder eine Studie von irgendwo; wenn irgendwer weiß von wem sie ursprünglich stammt: ich bin um jeden Hinweis dankbar. Nun aber wieder zurück zur Steinzeit. Hier waren Männer für die Jagd und die Frauen fürs Beeren sammeln zuständig. Somit war es für die Männer wichtig, ein rennendes Tier fokussieren zu können, seine genaue Position, Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit festzustellen, die zu erwartende Position des Tieres nach Speerflugdauer zu extrapolieren und dann noch den Speer möglichst zielgenau in das Viech hineinzubugsieren. Das Umfeld war zu dem Zeitpunkt weniger wichtig, es sei denn es handelte sich um ein angreifendes Tier oder einen Feind – daher der große Augenwinkelbereich. Farbe und Form des Tieres hingegen war völlig zweitrangig – denn wenn es gerannt ist war es gesund und lecker; fertig. Farbe und Form hingegen war für die Frauen hingegen sehr wichtig; denn ob die gerade gesammelte Beere nun giftig war oder nicht ließ sich eben nur durch Farbe und Form bestimmen, da Beeren für gewöhnlich überhaupt nicht rennen. Auch ein erstmaliges danebengreifen war nicht weiter tragisch, da die Beere auch beim zweiten Versuch noch am Platz blieb. Wichtig war allerdings, alle Beeren im Umkreis zu sehen, um alle zu pflücken. Daher der breite Blickwinkel.

Diese Überlegung hat mich auf ein weiteres Kriterium der Betrachtung gebracht: Die Farbe. Und ja; es stimmt. Männer arbeiten gerne mit knalligen Farben; weiße Wand mit rotem Feuerlöscher, gelber Briefkasten an Lila Gartenzaun oder surreale HDR-Aufnahmen. Frauen hingegen schaffen es, mit Farben eine Stimmung und ein Ambiente zu erschaffen und Farben filigraner einzufangen und durch Nachbearbeitung bewusst einzusetzen.

Im Idealfall schließen sich also Männer und Frauen zusammen, gehen zusammen auf Fototour und wenn sich jeder bei seinen Schwächen vom anderen helfen lässt, sollten wir noch mehr tolle Aufnahmen zu sehen bekommen. Die dann aber bitte alle bei flickr hochladen, damit wir auch alle was davon haben ;-)

Solange möchte ich jeden einladen sich dort schon einmal umzuschauen, auf meiner Seite oder bei einem meiner contacts etwas zu stöbern und sich – und das ist mein Tip – die Favoriten der einzelnen Leute anzuschauen!

Auslaufmodell Weihnachten

Freitag, 15. Dezember 2006 von Hannes

3 Gründe, warum unser klassisches Weihnachten flöten geht:

- Da sind zum einen die Weihnachtsbräuche. Es gibt deutsche Weihnachtsbräuche. Oder besser gesagt: es gab sie. Denn heute kennt sie keiner mehr – da nehme ich mich nicht aus. Statt dessen sieht man überall erhängte Weihnachtsmänner an den Fassaden baumeln und absolut discotauglich beleuchtete Tannenbäume in den Vorgärten um die Wette blinken. Irgendwann hat man mal ‘Schneeglöckchen, weiß’ Röckchen’ gesungen, heute plärren einem alle Kinder ‘Rudolf se Rädnoose Raindeer’ und ‘Ool ei wont for kristmes iss iuu’ im Maria Carey Style entgegen. Nicht, dass ich was gegen amerikanische Weihnachtslieder hätte – ganz im Gegenteil mag ich sie bedeutend lieber als die deutschen – aber dann bitte nicht so. Denn erstens kann man ja das Repertoire ergänzen und muss es nicht austauschen und zweitens haben die Amis deutlich mehr als diese zwei Weihnachtslieder – angefangen vom kindertauglichen ‘All I Want For Christmas Is My Two Front Teeth’ über ‘Let It Snow’ bis hin zum erwachsenentauglichen ‘Merry Christmas Baby’ – von dem Christina Aguilera zusammen mit Dr. John übrigens meine Absolute Lieblingsversion eingespielt hat.

- Irgendwann hat man mal eingeführt, das der Anfang des Dezembers als ‘Adventszeit’ galt. Das begann meist am letzten Sonntag im November mit dem ersten Advent, ab dem 1.12. gab es dann Adventskalender, und nach dem vierten Advent gipfelte das ganze dann am 24. Dezember im Heiligabend. Dem Fest der Ruhe und der Liebe, an dem sich auch wirklich jede Familie aufs heftigste in den Haaren lag – was aber nichts machte, da man in den beiden Tagen danach trotz der Pflichtbesuche bei den Verwandten meistens noch genug Zeit fand, um sich bestens zu langweilen entpannen. Aber zurück zur Adventszeit: Diese zusammen mit Familie oder Freunden in aller Ruhe und mit leckerem Gebäck und warmen Getränken am heimischen Kamin zu verbringen ist auch heute noch Ziel der meisten Leute. Da macht einem aber spätestens der örtliche Supermarkt einen Strich durch die Rechnung – sofern man nicht abgebrühter Weihnachtsprofi ist und eine perfekte Vorratspolitik entwickelt hat. Denn die Supermärkte kriegen ihre EINZIGE Weihnachtskram-Lieferung irgendwann im September. Nun bestellen die Supermärkte aber nur genau so viel, wie sie bis Weihnachten auch sicher verkaufen können, denn nur dann ist es wirtschaftlich – danach wird es nur noch zu unrentablen Dumpingpreisen abgenommen. Und damit die Rechnung auch sicherlich aufgeht, stehen spätestens Anfang Oktober alle nur erdenklichen Weihnachtswaren auf Paletten mitten im Gang. Von Schokonikoläusen über Christstollen und Dominosteine bis hin zu Lebkuchen und Spekulatius. Das wiederum hat zur Folge, dass die Leute das Zeug schon dann kaufen – schließlich schmeckt es lecker und jetzt ist es dazu auch noch frisch. Das die Paletten von Jahr zu Jahr früher leer sind, scheint mir jedoch ein Phänomen zu sein. Denn letztes Jahr hatte der damalige Supermarkt meines Vertrauens ab Mitte Dezember keine Lebkuchen mehr – was ich jetzt einfach mal als Maßstab ansetze. Dieses Jahr hatte stand ich schon am 1. Dezember vor leeren Regalen – die Paletten waren schon seit Anfang November weg. Und das nicht nur in meinem Standart-Supermakt, sondern in allen, bei denen die Lebkuchen halbwegs essbar sind. Dominosteine und Spekulatius waren übrigens schon früher leer und seit ca. einer Woche liegen ausschließlich noch ein paar unappetitliche Christstollen in einem Regal neben der Kasse. Abgesehen davon ist Weihnachten vorbei. Wie will man da zu Hause vorweihnachtliche Stimmung aufkommen lassen, wenn man keine Vorräte gehortet hat, selbst nicht Backen kann oder will und auch mit sonstigen Weihnachtsartikeln komplett auf dem Trockenen sitzt.

- Ein Weihnachtsmarkt ist theoretisch ein weihnachtlicher – also mit Tannen, Lichtern, etc. geschmückter – Markt, auf dem Handwerker aus der näheren und weiteren Umgebung ihre Waren feilbieten. Außerdem gibt es noch was zu essen. Das bedeutet: Gebäck, Glühwein, etwas Herzhaftes, Spielsachen aus dem Fichtelgebirge, mundgeblasene Vasen aus dem HOdenwald, ‘wunderschöne’ Staubfänger Figuren aus dem Erzgebirge und Schmuck aus dem Harz. Das ganze besucht man alleine oder mit Freunden um sich zu entspannen, in aller Ruhe nach Weihnachtsgeschenken zu schauen und gemütlich und in Gesellschaft einen Glühwein zu trinken. Findige Leser haben den Unterschied zwischen dieser Theorie und der Realität schon längst gefunden, für alle anderen formuliere ich es auch gerne aus. Es gibt all das wirklich. Die Stände sind Hütten, ‘Made in Canada’ und werden per Frachter importiert, von der Stadt gekauft und zu horrenden Preisen an die Standbetreiber vermietet. Hinter der Hütte des pfälzer Winzers mit dem Glühwein steht kistenweise Glühwein mit ALDI-Label. Die Spielsachen aus dem Fichtelgebirge sind mit Aufklebern versehen, auf denen ‘Made in Taiwan’ steht – aber das bezieht sich bestimmt nur auf den Aufkleber. Der Schmuck aus dem Harz ist zum Teil deutschlandweit identisch, es handelt sich um gegossene Drachenringe und sonstige Amulette, daneben der obligatorische Bonbonstand mit den legendären leckeren Glühweinbonbons – auch deutschlandweit identisch. Zu den Vasen und Ihrer Herkunft sag ich jetzt nix, aber wenn man sie sich anschaut, glaubt man das H wieder schreiben zu müssen… Nun zur Situation vor den Ständen. Mit Ruhe ist es hier nicht so weit her. Es herrscht eine unglaubliche Hektik, Menschen drängeln und quetschen sich wild durcheinander. Zwischendrin eine Frau mit zwei Riesigen Tüten mit Playmobilkisten, mit denen sie überall aneckt und dafür ständig angemotzt wird. Dazu dröhnt aus unzähligen Lautsprechern Weihnachtsmusik im Kaufhausstil, die alles andere als festlich klingt. Das dort keine Weihnachtsstimmung aufkommt, darf daher nicht weiter wundern. Also hilft nur eins: Aus der Not eine Tugend machen und das ruhig bleiben üben – denn wie gesagt – spätestens am Heiligabend beim Familienstreit kann man die Fähigkeit ruhig zu bleiben sicherlich brauchen.

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