Hannes’ Blog

Path – Ein neues Modell für Social Media?

Sonntag, 08. Januar 2012 von Hannes

Path gibt es seit November 2010, ich selbst bin seit dem 1. März 2011 dabei. Nach einer kurzen Testphase mit durchschnittlicher Nutzung habe ich es aufgrund der wenigen Nutzer in meinem Freundeskreis wieder ad acta gelegt. Seit wenigen Monaten erfährt Path jedoch eine Renaissance – die Nutzerzahlen steigen merklich und auch in meinem Bekanntenkreis gibt es immer mehr Nutzer und Interessenten.

Einige Fragen bekomme ich seitdem regelmäßig gestellt – allen vorweg die Frage, was Path denn nun von twitter, facebook oder instagram unterscheide. Daher möchte ich diese (und die ein oder andere weitere) Frage aus meiner Sicht hier im Blog beantworten.

Was ist Path eigentlich?

Path ist zunächst ein Onlineservice, der es ermöglicht, Erlebnisse mit seinen Freunden und Bekannten zu teilen. So können beispielsweise Bilder, Videos, Texte, gehörte Musik, an gemeinsamen Erlebnissen beteiligte Freunde und besuchte Orte den auf Path angemeldeten Freunden mitgeteilt werden. Einige der Inhalte können verknüpft werden, so dass z. B. zu jedem Gedanken oder Erlebnis auch ein Ort und die beteiligten Freunde vermerkt werden können. Außerdem kann veröffentlicht werden, wann man schlafen geht und wann man wieder aufsteht. Letztendlich lassen sich diese Inhalte auch an facebook, twitter, tumblr und foursquare weiterreichen, wenn man das wünscht.

Dies klingt zunächst wie einer der unzähligen Social-Startup-Dienste, allerdings gibt es ein paar kleine aber feine Unterschiede.

Design

Path ist schön. Echt jetzt. Schlankes, schlau gemachtes Design, das wirklich zum Benutzen anregt. Individuelle Cover, ein flink animierter Blumenstrauß an Posting-Optionen, den man gerne auch mehrfach öffnet und schließt – einfach weil die Animation Spaß macht. Besonders nett ist in meinen Augen auch der Marker, der beim Scrollen in Timelines den üblichen Scrollbalken auf der rechten Seite durch den Zeitpunkt ergänzt, zu dem die gezeigten Ereignisse geteilt wurden. Auch dies ist ansprechend durch die Kombination aus Text und einer analogen Uhr dargestellt. Auch die Foto-Option beinhaltet Filter, die zwar an Instagram erinnern, ihm allerdings qualitativ nicht das Wasser reichen können.

150 Freunde

Freunde sammeln ist bei Path nicht möglich, da die maximale Anzahl an Freunden auf 150 beschränkt ist. Dies schiebt sowohl den krankhaften Freundesammlern (wie man sie von myspace und wkw leider noch bestens gewohnt ist), als auch den gerne auf google+ wohnenden selbsternannten Social Marketing Profis einen Riegel vor. Path selber begründet die Begrenzung so:

We are inspired by Professor Robin Dunbar from Oxford University, whose research delves deeply into the number of trusted relationships humans can maintain throughout life. We tend to have 5 best friends, 15 good friends, 50 close friends and family, and 150 total friends. At Path, we’re building tools for you to share with the people who matter most in your life.

Diesbezüglich meine ich mich auch zu erinnern, dass vor rund einem Jahr nur 50 Freunde möglich waren. Die Steigerung auf 150 kann man schon kontrovers diskutieren. Letztendlich könnte man sich hier auch selbst beschränken – die Frage nach der Wirksamkeit sei dabei jedoch dahingestellt. Dennoch bleibt es abzuwarten, ob die 150er Grenze bestehen bleibt.

Keine Links

Während die meisten Dienste die Option bieten, Links zu teilen – und dies durch integrierte Viewer u. ä. unterstützen, gibt es diese Option bei Path augenscheinlich bewusst nicht. Links werden nur als Text angezeigt und sind nicht verlinkt – und demnach auch nicht antippbar. Dies mag zuerst unsinnig erscheinen, das ist es aber ganz und gar nicht. Denn im Zusammenspiel mit den anderen Eigenschaften, ergibt sich ein durchaus stimmiges Gesamtbild.

Path hat es geschafft, ein neues Modell der Social-Sharing-Services aufzubauen. Bei den klassischen Diensten – als Beispiele seien jetzt mal facebook und twitter genannt – richtete sich der Fokus mit der Zeit immer mehr auf die Inhalte (Content), die einfach via Link von externen Quellen eingebunden werden konnten. Infolgedessen rückte bei vielen Nutzern die Qualität des Contents und dann in letzter Instanz die eigene Reputation in den Vordergrund, während die persönliche Komponente teilweise in den Hintergrund gedrängt wurde. Bei Path ist eine solche Entwicklung – also weg vom persönlichen Netzwerk hin zum inhaltlich bestimmten – durch die genannten Einschränkungen kaum möglich.

Einschub:

Dazu kurz von vorne. Facebook und twitter als “unpersönliche Contentschleudern” mit Reputationsgier? Wie haben sich facebook und twitter mit dem großen Wachstum entwickelt? Ein paar Beobachtungen hierzu.

Content-Filter beim Sender:

Die Frage “Kann ich das posten?” höre ich im Bezug auf facebook immer öfter. Konkret halten mir Bekannte ihr Telefon vor die Nase, zeigen mir ein Foto oder einen Text, stellen mir diese Frage und ergänzen diese mit dem Hinweis, dass “da auch Arbeitskollegen und Freunde der Eltern” mitlesen. Ob das nun falsch angenommene Freundschaftsanfragen, fehlende Nutzung von Listen, falscher Content oder ein systemimmanentes Problem ist, kann diskutiert werden. Die Problematik ist auf jeden Fall da.

Content-Filter beim Empfänger:

Wie oft habt Ihr Beschwerden von Leuten über Dritte gehört: “Die schreibt immer einen Unsinn, das interessiert doch keine Sau!”? Was objektiv korrekt betrachtet eher ein Filter-Problem auf der Seite des Empfängers ist, wird von ahnungsfreien Empfängern gerne als Filterproblem des Senders dargestellt.

Reputation:

Social-Media-Marketing ist in aller Munde. Die Artikel “Wie kriege ich mehr Follower auf twitter?”, “Wie gewinne ich Fans für meine facebook-Seite?” und “1000 Follower in drei Tagen” sind in einer Anzahl vorhanden, dass man meinen könnte, sie seien allein für den erhöhten Speicherbedarf weltweit verantwortlich. Der “professionelle Einsatz von facebook” ist an der Tagesordnung. Und auch viele der privaten Nutzer geben sich große Mühe, sich möglichst positiv darzustellen – selbstverständlich immer im Sinne des in der Öffentlichkeit gewünschten Bildes, welches natürlich von Person zu Person sehr unterschiedlich sein kann.

Der Punkt liegt darin, dass es Inhalte gibt, die auf inhaltlicher Ebene interessant sind. Gute Zeitungsartikel, interessante Blogposts, lustige Bilder und Videos, usw. Für den Austausch solcher Inhalte sind unter Umständen facebook und im Besonderen twitter hervorragend geeignet. Wichtig ist hierbei nicht, woher der Zugang zu diesen Inhalten stammt, sondern wie “gut” diese Inhalte sind. Daher folgt man auf twitter gerne auch Menschen, die man nicht oder kaum kennt, da man weiß, dass sie gute Inhalte zur Verfügung stellen.

Facebook an sich kommt zwar aus der “Freunde-Ecke”, wird aber inzwischen auch für inhaltliche Infos (Veranstaltungen, Links, …) genutzt. Daher hat es mit dem großen Problem zu kämpfen, persönliche und inhaltliche Inhalte sinnvoll nach dem persönlichen Bedarf des Nutzers filtern zu müssen. Dass dieses Problem angegangen wird, sieht man schon allein an der Voreinstellung “Hervorgehobene Meldungen zuerst” in der Timeline – ein Filter, der aufgrund der Resonanzbetrachtung die inhaltlichen Infos meist höher als die persönlichen Infos wertet – abgesehen von großen persönlichen Ereignissen wie Hochzeiten oder Geburten.

Das ist auch durchaus verständlich; denn im mittleren dreistelligen Bereich liegende Freundeszahlen sind bei facebook durchaus üblich. Eine solche Anzahl spiegelt auch durchaus ein durchschnittliches soziales Netzwerk (von Nichtsesselpupsern) wieder, welches allerdings überwiegend “Bekanntschaften” enthält, und keinesfalls ausschließlich “Freunde” im klassischen Sinne. Und wer will von seinen “Bekanntschaften” jede persönliche Info erfahren?

Und damit kommt man dem Kernproblem etwas näher. Von “Bekanntschaften” nimmt man gerne gute Vorschläge (Links) bezüglich Konzerten, Veranstaltungen, Artikeln oder Videos an. Auch Bilder von einer extravaganten Party, einen dummen Spruch und die Info über die kürzlich stattgefundene Verlobung nimmt man gerne wahr. Allerdings gibt es auch viele Infos, die man an dieser Stelle nicht vermissen würde. Dazu zählt das Abendessen der Person, wann sie aufsteht und schlafen geht, dass sie jetzt einkaufen geht und dass sie neue Schuhe hat. Dennoch gibt es auch (enge) Freunde, die sich genau dafür interessieren. Dies kann man zwar wiederum mit Listen (oder der Nutzung der Hervorgehobenen Meldungen) herausfiltern, aber das machen interessanterweise die wenigsten Menschen.

Außerdem gibt es Dinge, die man (senderseitig) unbedingt mit wenigen teilen möchte, aber keinesfalls mit allen. Soll wirklich jeder wissen, dass man gerade im Krankenhaus liegt? Und ist die “enge Freunde”-Liste bei facebook für eine solche Mitteilung wirklich die geeignete Plattform? Bekommen es die entscheidenden Leute darüber tatsächlich mit?

Was Path ausmacht

Genau an diesen Stellen hakt Path ein. Die Begrenzung der Freundschaften sorgt dafür, dass nicht jede Bekanntschaft auf Path hinzugefügt werden kann. Man macht sich automatisch Gedanken: “Möchte ich meine persönlichen Erlebnisse mit dieser Person teilen?” Dies führt im Idealfall zu einem Netzwerk aus “echten” Freunden. Auch das Freundesammeln und das erhöhen der in aller Munde liegenden “Reichweite” ist bei 150 Freunden nicht möglich. Denn 150 “schafft” wirklich jeder, darüber hinaus aufgrund der Restriktion aber keiner. Somit ist die Sache an sich uninteressant.

Zudem kann man bei Path nicht mit “guten Inhalten” aus Fremdquellen punkten, da keine Links geteilt werden können. Man kann also davon ausgehen, dass nur “Freundschaften” eingegangen werden, weil beide Menschen an den persönlichen Erlebnissen des Anderen interessiert sind – und nicht etwa, weil jemand guten Content von dem Anderen erwartet. In diesem Kontext ergeben dann wiederum die anderen Inhalte Sinn. Während es auf twitter im Regelfall niemanden interessiert, wann man aufsteht oder schlafen geht, sind auf Path nur die Leute in der Freundesliste, die sich hierfür tatsächlich interessieren.

Fazit

Nachdem twitter und facebook erwachsen geworden sind und neben persönlichen Infos immer mehr inhaltliche Infos (i.d.R. Links) beinhalten, sind die sehr persönlichen Infos dort aus diversen Gründen nicht immer erwünscht. Diese Lücke versucht Path zu schließen und hat dazu sehr gute Ansätze. Während inhaltliche Infos und der öffentliche Teil der persönlichen Infos (Veranstaltungen, Feste, Jubiläen, …) weiterhin auf den groß gewordenen Netzen ihr Forum finden, können die persönlichen Infos privater Natur (also nur für enge Freunde bestimmte Erlebnisse) auf Path geteilt werden. Und um diese Trennung zu erhalten, gibt es die oben kommentierten Einschränkungen: Wenig Freunde, keine fremden Inhalte und ein hübsches Interface, dass das Eintragen gemeinsamer Erlebnisse vereinfacht.

Mein Tipp: Einfach mal anschauen. Die App gibt’s für iPhone und Android, mehr Infos auf der Homepage von Path.

iPad einrichten: Die coolsten und besten iPad Apps

Montag, 11. Juli 2011 von Hannes

Heute wurde mir mit den Worten “mach mal fertig und alles drauf was cool ist” ein noch originalverpacktes iPad in die Hand gedrückt. Da das nicht zum ersten mal passiert ist, und sich vielleicht auch andere Leute über ein paar Tipps freuen, gibt’s nun den epischen “was-macht-der-Hannes-auf-ein-iPad”-Artikel.

Zum “unboxing” (zu Deutsch “auspacken”) gibt’s an dieser Stelle keine weiteren Infos, denn die finden sich in großer Zahl auf youtube.

Aktivierung

Vor der Aktivierung des iPads empfehle ich immer, die iTunes-Installation auf dem für die Aktivierung und spätere Datensicherung verwendeten Rechner auf die aktuellste Version hochzuziehen (iTunes öffnen → Menü “iTunes” → “Nach Updates suchen …”). Außerdem kann man – falls vorher schon ein iPhone oder iPod touch vorhanden war – diesen synchronisieren und danach alle App-Updates laden, um zuvor gekaufte und ggf. neue Universal-Apps gleich auf dem Rechner zu haben (in der linken Seitenleiste “Apps” klicken → unten rechts auf “Nach updates suchen” klicken → oben rechts “Alle kostenlosen Updates laden” klicken → Apple-ID und Passwort eingeben).

Ist alles auf den Rechner geladen, kann das iPad einfach mit dem mitgelieferten USB-Dock-Connector-Kabel an den Rechner angeschlossen werden. Die Schritte in iTunes sind meines Erachtens selbsterklärend; hier müssen nur die gewünschten Einstellungen vorgenommen, Formulare ausgefüllt und auf “weiter” gedrückt werden.

Mein Tipp hierzu: kein BackUp von einem iPhone oder iPod touch wiederherstellen – denn viele iPhone-Apps laufen zwar auf dem iPad, sind dann aber im MegariesenPixelwürfelMaulwurf-Modus und fühlen sich von der Bedienung her schrecklich an. Außerdem empfehle ich immer, keine Apps, Videos, Songs o.ä. automatisch zu synchronisieren, weil man sich damit schnell das Gerät mit Dingen zumüllt, die man dort wirklich nicht möchte.

Einstellungen

Für die richtige Wahl der Einstellungen gehe ich immer streng von links nach rechts vor, dann vergesse ich nichts. Konkret: In der linken iTunes Seitenleiste das iPad auswählen und dann die oben erscheinende Leiste von links nach rechts durcharbeiten. Bevor ich hiermit beginne, treffe ich jedoch folgende Vorbereitungen:

  • im “Bilder”-Ordner auf der Festplatte einen Ordner namens “iPad Fotos” anlegen, und darin nach belieben Unterordner erstellen. Jeder Unterordner ist hierbei ein Fotoalbum. Also beispielsweise “Urlaub Italien”, “Geburtstag Peter”, usw. Bilder können dann auch gleich in den Ordnern abgelegt werden.
  • in iTunes eine Wiedergabeliste erstellen (“iPad” oder so), und dort die Alben reinschieben, die man gerne auf dem iPad hätte.

Nach diesen Vorbereitungen kann es losgehen. Meine Tipps zur Einrichtung:

  • Infos: Hier lasse ich alle Kontakte, alle iCal Kalender und je nach Wunsch die Mail-Accounts, die Lesezeichen und die Notizen synchronisieren. Bei einem nagelneuen iPad empfiehlt es sich, unter “Erweitert” die Häkchen zu setzen, so dass alle alten Informationen auf dem iPad zunächst gelöscht und durch die Daten vom Rechner ersetzt werden.
  • Apps: Hier würde ich empfehlen, die Apps zu synchronisieren. Allerdings wähle ich hier nur Apps aus, die auch auf dem iPad funktionieren, und keine iPhone-Apps, die dann skaliert angezeigt werden.
  • Musik: Hier aktiviere ich die Synchronisation, und beschränke diese auf “Ausgewählte Wiedergabelisten, Interpreten, Alben und Genres”. Dann wähle ich ausschließlich die zuvor erstellte Wiedergabeliste “iPad” aus. Fertig.
  • Filme, TV-Sendungen, Podcasts, Bücher: Al gusto. Der Trick mit den Listen und Ordnern funktioniert hier natürlich auch.
  • Fotos: Hier wähle ich “Fotos synchronisieren” und gebe unter “Wählen Sie einen Ordner …” den entsprechenden zuvor erstellten Ordner an. Fertig. Die Alben werden auf dem iPad dann automatisch aus den bestehenden Unterordnern erstellt.

Das war’s dann eigentlich auch schon mit der Einrichtung, nun kann man mit der Installation der iPad-spezifischen Apps beginnen. Die meiner Meinung nach tollsten, besten und coolsten Apps möchte ich im Folgenden kurz vorstellen. Hierbei stehen übrigens keine Preise, da sich diese schnell ändern können, und damit Fehler im Artikel wären.

 

Datenübertragung und Datenspeicher

 

DropboxDropbox, der Altmeister des cloudbasierten Datenspeichers hat selbstredend eine iPad-App. Für diejenigen, die Dropbox noch nicht kennen: Die Dropbox ist ein Ordner auf Eurem Rechner, der sich automatisch mit der Cloud (das ist ein Rechnerverbund in diesem Internet) synchronisiert. Diesen Ordner könnt Ihr auf so vielen Rechnern einrichten wie Ihr wollt. Dann sind die Dateien in dem entsprechenden Ordner (der Dropbox) auf all diesen Rechnern immer auf dem gleichen Stand.

Das ganze wird angereichert mit Schmankerln wie auf Wunsch öffentlichen Ordnern, gemeinsam genutzten Ordnern mit anderen Menschen, und und und. Wer noch keinen Account hat: Den gibts hier umsonst, für Kohle gibts mehr Speicher.

Das coole an der iPad-App: (weiterlesen …)

Achtung E-Post – Eine Warnung

Mittwoch, 03. November 2010 von Hannes

E-Post Werbung

Heute habe ich – wie viele Andere auch – per Postwurfsendung den Werbeflyer für den E-Postbrief erhalten.

Da ich diese Dienste – egal ob E-Post oder De-Mail – in höchstem Maße kritisch bewerte, möchte ich jedem empfehlen, sich vor einer leichtfertigen Anmeldung die folgenden Links anzuschauen:

Außerdem empfehle ich dieses Skype-Interview (nur Ton, kein Bild) mit RA Udo Vetter, welches von lawblog.de geführt wurde. Entsprechend dazu ist ein Artikel auf gutjahr.biz erschienen:

Was ist Eure Meinung zu dem Thema?

Ubuntu 10.10 Maverick Meerkat auf dem Acer Aspire One 532 Netbook

Sonntag, 24. Oktober 2010 von Hannes

Vor 1½ Jahren habe ich einen einen Artikel über ein Ubuntu 8.10 auf einem Acer Aspire One A110L geschrieben, in dem ich von meinen Erfahrungen mit dem Gerät und Ubuntu beschrieben habe. Dieser Artikel wurde sehr oft gesucht und gelesen, denn offenbar bestand eine große Nachfrage nach dem Thema. Da ich heute das aktuelle Ubuntu 10.10 Maverick Meerkat auf einem Acer Aspire One 532 Netbook installiert habe und selbst nur spärliche Informationen gefunden habe, beschreibe ich hier kurz mein Vorgehen und meine Erfahrungen mit der Installation.

Das ganze ist selbstverständlich nur einer von vielen möglichen Wegen, vielleicht nicht der Ideale und nur eine Beschreibung von dem, was ich gemacht habe. Daher kann ich auch weder eine Verantwortung übernehmen, noch Fragen beantworten, die im Wesentlichen über das hier beschriebene herausgehen.

Ausgangszustand

Ausgeliefert wird das Acer Aspire One 532 Netbook mit “Windows 7 Starter”. Nach einem ersten Start hat es erstmal einige Stunden gedauert, bis alle Installationen und Nachinstallationen abgeschlossen waren. Danach erfreute mich dieses Windows andauernd mit nervigen Popups von McAffe (nur dass die Affen das “Afee” schreiben), Windows-Sicherheitsbedenken und Norton-Kram, so dass selbst das Herunterladen der Linux-Installationsdateien zur Qual wurde. Das war bereits der erste Zeitpunkt, an dem ich mich sehr gefreut habe, dass die Windows-Installation bald der Vergangenheit angehören würde…

Zur Hardware: Das Netbook sieht schick aus, fühlt sich arg plastikmäßig und wenig hochwertig an – ist dafür aber schön leicht, was in meinen Augen ein Pluspunkt ist. Die Tastatur ist super, besonders hervorheben möchte ich die zweizeilige Return-Taste, die mir sehr wichtig ist und deren einzeiliger Bruder mich bei diversen Netbooks (Lenovo z.B.) bereits zur Weißglut getrieben hat. Auch die Tastenanordnung und die “Beschreibbarkeit” sind sehr gut.

Wer einen USB-Stecker in die Buchse bringen will, sollte vorher etwas Krafttraining machen, ich hoffe das leiert noch ein bisschen aus, sonst befürchte ich argen Verscheiß an USB-Sticks. Festplatte, RAM, Geschwindigkeit, Akku etc. pp. werde ich hier nicht weiter bewerten, dazu findet sich genug im Netz.

Herunterladen der Quelldateien

Am besten besorgt man sich die Dateien gleich mit der ohnehin schon installierten Windows Version. Also einfach den vorinstallierten Internet Explorer öffnen und die folgenden Dateien herunterladen:

Auf der Download-Seite von Ubuntu habe ich mich im Schritt 1 für die momentan aktuelle Version 10.10 entschieden. Schwerer fiel mir die Wahl der Version (32 bit oder 64 bit), da der Intel N450 zwar ein 64 bit Prozessor ist, die 64 bit Version aber mit “AMD” bezeichnet ist und mich dies zunächst stutzig machte. Die 64 bit Seite im Wiki von Ubuntu hat mir nicht wirklich weiter geholfen, die Kompatibilitätsliste für 64 bit beinhaltet den Atom N450 Prozessor nicht. Die Empfehlungen für 64 und 32 bit halten sich die Waage.

Ich habe mich schließlich für die 32 bit Version entschieden, da ich weiß, dass diese läuft und ich momentan keine Notwendigkeit für 64 bit auf diesem Netbook sehe.

In Schritt 2 auf der gleichen Seite wählte ich die Optionen “USB-Stick” und “Windows”; ein Klick auf den “Show me how”-Button führt zur oben bereits erwähnten “Universal USB Installer for Windows” Software.

Erstellen des USB Sticks für die Installation

Der Universal USB Installer war mit wenigen KB schnell heruntergeladen und installiert – ließ sich aber bei mir mit einer Fehlermeldung “Installer integrity check has failed” nicht starten. Dieses Problem ließ sich aber leicht durch das Umbenennen der .exe-Datei in einen beliebigen anderen Namen (natürlich mit .exe-Suffix) beheben. Nicht fragen – Windows.

Nachdem das Programm aber geöffnet war, konnte man die heruntergeladene .iso-Datei mit der Linux-Distribution schnell und einfach auf einen USB-Stick übertragen.

Die Installation

Die Installation war nun denkbar einfach: Einfach den USB-Stick im Netbook stecken lassen, den Rechner neu starten und dabei F2 gedrückt halten, um ins BIOS zu gelangen. Dort kann man auf dem Boot-Reiter die Boot-Reihenfolge auswählen und ändern. Wichtig: Hier reicht es nicht, den Eintrag mit dem USB-Stick auszuwählen; man muss ihn auch auf den ersten Platz (zumindest vor die interne Festplatte) verschieben. Dann einfach F10 (Save & Exit) drücken, und der Rechner startet vom USB-Stick.

Danach kann man einfach dem Installations-Agenten von Ubuntu folgen, der mit der Frage “testen oder installieren” beginnt, und die ich natürlich mit “installieren” beantwortet habe. Nach der Installation habe noch mal die Aktualisierungsverwaltung gestartet, und die neusten Updates nachgeladen: Fertig!

Der Betrieb

Ich habe gleich ein paar Softwares installiert, und eigentlich läuft alles wie es soll. Wie immer gibt es Ausnahmen. So funktionierte z.B. das Mikrofon nicht, was ich aber mit dieser Anleitung beheben konnte:

  1. Terminal starten (unter Anwendungen -> Zubehör)
  2. sudo apt-get install pavucontrol eingeben und Return drücken. Danach wird ein Passwort verlangt; das Benutzerpasswort eingeben und erneut Return drücken
  3. danach pavucontrol eingeben und erneut Return drücken
  4. Reiter “Eingabe” auswählen
  5. Schloss klicken, um Änderungen zu ermöglichen
  6. Den Regler des rechten Kanals auf Null stellen (ganz nach links), den linken Kanal voll aufgedreht lassen

Außerdem funktioniert der Cardreader nicht. Das wusste ich aber bereits vor der Installation, da ich gelesen hatte, dass es offenbar seitens des Herstellers keine Treiber für diese Komponente gibt.

Fazit

Wenig Arbeit und ein wesentlich besseres und angenehmeres Betriebssystem auf dem Netbook. Kann ich nur empfehlen!

Relevanz und neue Filter im social web

Samstag, 02. Oktober 2010 von Hannes

Videos und Witze, bei denen Leute durch die Öffentlichkeit laufen, und ihre Gedanken in die Welt heraus schreien sind als Social Media Parodien seit langem bekannt und werden (teilweise recht “ähnlich”) auch immer wieder neu präsentiert.

Abgesehen, dass diese Witze natürlich unmenschlich witzig sind, gibt es allerdings auch immer wieder ein paar Leute, die das ganze sehr Ernst nehmen und mit “aber genau so ist es doch” kommentieren. Doch an diesen Leuten ist offenbar eine klitzekleine ziemlich bedeutende Entwicklung vorübergegangen.

Die persönliche Kommunikation wurde nämlich durch die Werkzeuge des heutigen Internets (facebook, twitter, …) um einen neuen Filter erweitert, der bisher nur anderen Kommunikationsformen vorbehalten war. Was ich damit meine, möchte ich am ein oder anderen Beispiel erläutern.

Bei Informationen geht es immer auch um Relevanz und Filter. Es gibt immer mehr Information, als wir in der Lage sind wahrzunehmen oder zu verarbeiten. Daher sind Filter essenziell wichtig – und gute Filter trennen zuverlässig relevante von irrelevanten Informationen. Wie gut unser Gehirn das kann, zeigt dieses Video:

Die Frage ist nur: Wo wird was gefiltert?

Bei der klassischen persönlichen Kommunikation findet die Relevanzfilterung beim Sender statt.

Die Filter in der persönlichen Kommunikation lagen dabei bisher immer beim Sender, egal welches Medium verwendet wurde. Egal ob im persönlichen Gespräch, per Brief/eMail oder per Telefon – auf allen klassischen Kommunikationskanälen berichtet man dem Gegenüber ausschließlich Dinge, von denen man glaubt, dass sie ihn auch Interessieren.

Bei guten Freunden, deren Interessen man sehr genau kennt, funktioniert das natürlich sehr gut. Ich erzähle beispielsweise meiner Mutter nichts über die neusten Technologien in der Fahrzeugentwicklung und meinen Studienkollegen nichts über neue Modelle unter den Spiegelreflexkameras. Das bespreche ich dafür mit Martin oder Steffen, denen ich aber nichts von den Nachbarn meiner Mutter erzähle.

Bei Fremden ist es hingegen umso schwieriger. Sitzt man beispielsweise in einer reinen Frauenrunde, wird man(n) sich wohl eher zurückhalten, auf Autos oder Technik zu sprechen zu kommen. Statt dessen passt man sich mit seinen Themen den aktuellen an. Dass das aber nicht immer der beste Weg ist, habe ich erst neulich mal wieder erfahren, als eine dieser Frauen und ich erst kurz vor der Verabschiedung unser gemeinsame Interesse für Oldtimer-Rallyes entdeckt haben. Schade eigentlich.

Doch genau dieses Problem gibt es im Social Web nicht. Hier sind gemeinsame Interessen schnell aufzudecken und werden teilweise (je nach Plattform) sogar automatisch gefunden und besonders hervorgehoben.

Die persönliche Kommunikation im Social Web beruht auf einer Filterung beim Empfänger

Was die Kommunikation in den digitalen sozialen Netzwerken grundlegend von der klassischen persönlichen Kommunikation unterscheidet, ist der Ort der Filterung. Während man sich in den klassischen Kanälen Fragen wie “interessiert das meinen Gegenüber”, “ist das Relevant für ihn” oder “könnte es ihn langweilen” stellen musste, ist im Medium der digitalen Netzwerke lediglich die Frage “möchte ich, dass alle das wissen” oder “kann ich mich mit dieser Aussage identifizieren” zu stellen. Die Fragen nach Interesse oder Relevanz sollte sich der Sender im Idealfall nicht stellen, da diese der Empfänger viel besser – und in diesem Medium auch sehr einfach – selbst beantworten und die entsprechenden Inhalte filtern kann. Eine sinnvolle Relevanzfilterung beim Sender ist ohnehin kaum möglich, da er sich mit seiner Nachricht an eine – je nach Plattform – beschränkt oder unbeschränkt große Gruppe wendet, ohne den genauen Empfänger zu kennen.

Beispiele dazu sind so zahlreich wie die Themen unserer Kommunikation. Ich möchte kurz auf die bekannteste aller Fragen eingehen: “Wo bist Du?”

Diese Frage wird schon seit Jahrhunderten auf Postkarten beantwortet und in Zeiten von Mobiltelefonen täglich unzählige male gestellt. In Zeiten von Social Media hat nun jeder die Möglichkeit, diese Frage beliebig oft, beliebig präzise und für einen beliebig gewählten Personenkreis abrufbar zu beantworten – ich werfe hier lediglich die Stichworte foursquare, gowalla oder brightkite in den Raum.

Nutzt ein Bekannter von mir also diese Möglichkeit, stehen mir (als Empfänger) beschränkt viele Informationen zur Verfügung, die für mich eine gewisse Relevanz besitzen. Diese Relevanz hängt dabei natürlich stark vom Sender ab. So interessiert mich der (bewusst gesendete) Aufenthaltsort meiner Freundin immer und der eines guten Freundes aus einer anderen Stadt vielleicht nur, wenn sich dieser (ausnahmsweise) im Umkreis von 5km befindet. Wo sich ein anderer Bekannter gerade aufhält, ist mir vielleicht in jedem Fall egal. Entsprechend dieser sehr persönlichen Relevanz würde ich nun meine Filter einstellen.

Wie so oft ebnet facebook Wege.

Wer hier in meinen Augen Pionierarbeit geleistet hat, ist facebook. Denn facebook ist das erste und einzige Soziale Netzwerk, das zum einen eine sehr breite Masse abdeckt, und zum anderen über eine recht differenzierte “Verbergen”-Funktion verschiedene Informationsgruppen (z.B. einzelne Spiele, Services, Seiten oder Personen) ausblendet. Die Filtermöglichkeiten sind auf anderen Plattformen zwar teilweise besser und z.B. in verschiedenen Twitter-Clients beliebig variabel, allerdings werden sie dort nur von Randgruppen genutzt – und nicht von einer breiten Masse wie bei facebook.

Alter Wein in neuen Schläuchen, oder warum der Relevanzfilter beim Empfänger eigentlich nichts neues ist.

Der Relevanzfilter beim Empfänger ist natürlich nur in der persönlichen Kommunikation etwas neues. Im Bereich der gedruckten Medien ist das ganze ein alter Hut. Und diese Parallele lässt sich auch heranziehen, um Leuten, die sich über “ungefiltert herausposaunte Belanglosigkeiten” beschweren, die Äußerung im Social Web zu erläutern.

Jeder hat sich damit abgefunden – und die meisten sind sogar froh darüber – dass es in Bibliotheken Bücher zu jedem, aber nun wirklich jedem Thema gibt, so irrelevant das für den Einzelnen sein mag. Da gibt es Bücher zu Kunst in der Antike, zu Regelsystemen in autonom fahrenden LKW, zu Verhaltensmustern von Bienen und zu Strukturveränderungen von Werkstoffen bei Alterungsprozessen.

Statt sich aufzuregen, sind hier alle froh, dass es so eine große Auswahl gibt, und lassen die Bücher, die sie nicht interessieren, einfach stehen. Sich in dem Wirrwarr zurechtzufinden und die relevanten Bücher herauszufinden haben die meisten gelernt, so dass die Vielfalt kein Problem, sondern eine Bereicherung darstellt.

Da fehlt es nur noch, den Sprung von da zum gleichen Vorgehen in der persönlichen Kommunikation zu schaffen. Man darf sich nicht aufregen, dass alle Informationen plötzlich in scheinbar unendlicher Vielfalt vorliegen. Man muss lediglich lernen, diese Informationen so zu filtern, dass lediglich die relevanten durchkommen.

Die übliche Diskussion um Musikpiraterie

Dienstag, 07. September 2010 von Hannes

Heute habe ich einen Artikel auf www.internetworld.de gelesen, der mit einer reißerischen Überschrift beginnt, und dann so ziemlich alle Argumente der Musikindustrie nachplappert nennt, die durch bloßes hinsehen zu entkräften sind.

Auf einige dieser Punkte möchte ich kurz eingehen. Die Zitate stammen alle aus dem besagten Artikel.

Dennoch gibt es im Onlinehandel mit Musik noch Einiges mehr zu verdienen, wenn die Branche das Problem der Piraterie besser in den Begriff bekommt.

Diese Aussage stützt sich offensichtlich auf der Annahme, dass eine Vielzahl der momentan illegal heruntergeladenen Titel legal gekauft würde, wenn es keine Piraterie gäbe. Eine gewagte These, wie ich finde.

Für die Betrachtung reicht es hier selbstverständlich, nur diejenigen heranzuziehen, die es als legitim betrachten, Songs herunterzuladen und dies auch regelmäßig tun. Ersteres ist laut der Umfrage jeder vierte Deutsche*, zweiteres ist merkwürdigerweise nicht in Zahlen genannt. Jemand der regelmäßig illegal herunterlädt, wird sich – sobald er sich für einen Künstler interessiert – dessen komplette Diskografie herunterladen, auch wenn es nur ein vages oder scherzhaftes Interesse ist. Er lädt also gleich Musik, die auf CD einen relativ hohen Gegenwert hätte. Bei Nichtgefallen wird er die Musik entweder irgendwo liegen lassen und nicht weiter hören, oder sie einfach wieder löschen.

Wäre er hingegen gezwungen, die Musik zu kaufen, würde er sich informieren und sich verschiedene Titel anhören. Daraufhin würde keinen, einen oder vielleicht zwei Titel kaufen. Wenn er überzeugt ist vielleicht sogar 10 oder 20, aber relativ sicher nicht die komplette Diskografie.

Einfach die heruntergeladenen Titel als Verlust zu rechnen ist somit die mitunter dümmste Rechnung, die man machen kann. Nicht etwa, dass ich das illegale Herunterladen befürworten möchte oder dies als Bagatelle abtue. Ich glaube nur nicht, dass die Verkäufe nach oben gehen, wenn niemand mehr herunterlädt – denn Leute die Musik kaufen wollen tun das schon heute. Ich fürchte eher, dass die Verkäufe sinken, da das Empfehlen bzw. Finden von Neuem erschwert wird, sobald man hier noch stärkere Riegel vorschiebt.

Im vergangenen Jahr [2009] haben die Deutschen im Internet 112 Millionen Euro für Songs und Alben ausgegeben. Das sind sogar 40 Prozent mehr als noch 2008.

Merkwürdig. Kaum kommt das das Internet in der wirklich breiten Masse an, gehen die Verkaufszahlen nach oben. Verrückt. Irgendwas kann doch da nicht stimmen, wo doch alle nur noch illegal herunterladen.

Außerdem bekommt das obige Zitat in Zusammenhang mit dem folgenden eine fast tragische Komik.

Zuletzt versuchte die Verwertungsgesellschaft Gema eine Einstweilige Verfügung gegen Youtube zu erreichen, um die Veröffentlichung von Musikvideos zu unterbinden.

Während youtube also die beste Werbung seit Menschengedenken macht und die Verkaufszahlen um 40% in die Höhe schnellen, weil plötzlich alle Leute über das Netz neue Musik kennen lernen, wird seitens der Industrie und der Gema alles daran gesetzt, das zu unterbinden.

Übrigens:

Bevor zu meiner Einstellung Fragen aufkommen: Ich selbst hasse illegales herunterladen und bin ein großer Freund davon, Bands zu unterstützen. Ich kaufe mit anhaltend großer Begeisterung CDs, und das was ich nicht auf CD bekomme, kaufe oder lade ich legal im Netz.

Mir geht es bei diesem Artikel auch gar nicht um die illegalen Downloads, sondern darum, dass eine über die Jahre sehr mächtig gewordene Musikindustrie anfängt, jegliche Zusammenhänge aus den Augen zu verlieren. Bei der Gier nach Gewinnen schlägt sie wild um sich und kriminalisiert dabei alles und jeden – insbesondere ihre Kunden.

Eine Musikindustrie, die bei (um 40%) steigenden Umsätzen nur von Verlusten spricht, ihre Kunden beleidigt und zeitgleich durch zweifelhafte Aktionen (“Dieses Video enthält content von … und ist daher in Deinem Land nicht verfügbar”) ihr eigenes Grab schaufelt, darf von meiner Seite keinerlei Verständnis erwarten.

Allerdings wäre mir ein großes Anliegen, dass das Geld – das doch die meisten Liebhaber zu zahlen bereit sind – bei den Künstlern, und nicht nur bei der Industrie ankommt. Daher gefallen mir Konzepte wie das von Pomplamoose auch wesentlich besser, als die herkömmlichen Konzepte der Musikindustrie.

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* Jeder vierte ist eigentlich ziemlich wenig, je nachdem wie die Frage gestellt wurde. Und da Zit: “eine repräsentative Umfrage” nicht näher genannt wurde, gehe ich mal davon aus, dass nicht ganz neutral gefragt wurde. Was ich damit meine kann man am besten mit den Fakten zu Dihydrogenmonoxid erläutern. Einfach den Artikel lesen oder anderen Menschen geben, und dann die Frage stellen, ob man Dihydrogenmonoxid verbieten sollte. Die Antwort ist meist ein eindeutiges “Ja”. Nathan Zohner erreichte 86% Zustimmung, bei meinen Tests (nicht dokumentiert) kommt diese Quote ungefähr hin. Bei der Umfrage handelt es sich übrigens um den bekannten Dihydrogen monoxide hoax, es geht bei alledem um einfaches Wasser.

Der Baum in der KIT-Bibliothek

Mittwoch, 28. Juli 2010 von Hannes

Im Eingang der KIT-Bibliothek in Karlsruhe (früher mal “Unibibliothek” oder kurz “Unibib” genannt) steht ein Baum. Der steht schon immer da, und ich habe ihn zwar schon oft wahrgenommen, allerdings noch nie beachtet. Das ist bei mir aber auch nicht weiter verwunderlich, denn wer mich kennt weiß, dass ich nicht besonders viel für Pflanzen aller Art übrig habe und mich nicht besonders dafür interessiere.

Baum in der KIT-Bibliothek KarlsruheNeulich hat mich allerdings ein Kommilitone auf die Missstände bei eben jenem Baum aufmerksam gemacht. Denn obwohl er in diesen kleinen, harten Schaumkörnern steht (die von einigen Studenten mit großer Vorliebe mit in die oberen Stockwerke genommen und von dort wieder durch die Galerien wieder in den Baum-Kübel geworfen werden) und in diesem Zeug zwei Wasserstands-Anzeiger stecken, ist nicht nur dieser Erd-Ersatz furztrocken, sondern auch der gesamte Baum verdorrt.

Der Kommilitone, der mir das gezeigt hat, hat mir auch erzählt, dass das nichts neues ist, sondern schon im letzten Herbst so war. Seitdem ist er wohl immer mal wieder auf das Personal der Bib zugegangen und hat mitgeteilt, dass der Baum Wasser bräuchte. Da könne man aber nichts machen – sagten die Leute von der Bib – außerdem sei das eine Firma, die sich darum kümmere. Aha. Offenbar ja nicht. Aber egal.

Alles in allem musste ich an dieser Stelle schon ein bisschen schmunzeln. Denn so herzlich unwichtig dieser Baum im Unialltag ist, so herzlich wenig ihn jemand vermissen würde, so schrecklich billig er zu ersetzen wäre (ich schätze mal mit der Studiengebühr von 4 Studenten müsste das zu machen sein) und so herzlich egal er mir persönlich ist: Nichts zeigt besser, wie es an dieser Uni läuft.

Denn die Symbolik ist nicht allzu weit hergeholt. Vertrocknet am langen Arm. Man weiß ja Bescheid, aber machen kann man da jetzt auch nichts. Es gibt ja jemanden, der sich darum zu kümmern hat. Wer das ist, das kann man so einfach natürlich auch nicht herausfinden. Aber er ist da – ganz bestimmt. Und wenn DER sich nicht kümmert, dann wird das seine Richtigkeit haben. Und dann kann man da auch nicht eingreifen. Auch nicht, wenn es nur eine Kanne Wasser bedeutet hätte.

P.S.:
Ich habe als Mensch ohne grünen Daumen natürlich keine Ahnung ob der Baum noch lebt und wieder treibt, wenn man jetzt Wasser in den Kübel kippt, oder ob er dann nur anfängt zu faulen und zu stinken. Daher werde ich das auch jetzt nicht tun.

Allerdings wäre das nun eine großartige Möglichkeit für all die “Baumretter”, die die Baumstümpfe an der Baustelle am Kronenplatz mit den “Ich musste sterben”-Zetteln verschönert haben. Als wahre Pflanzenfreunde könnt Ihr hier noch Gutes tun, falls der Baum noch zu retten ist!

Update:
Bereits rund zwei Wochen nach diesem Blogpost war der Baum getauscht, dieses Foto stammt vom 13.8.2010:

Der neue Baum

10 Internetkrankheiten

Montag, 19. Juli 2010 von Hannes

Heute mal wieder ein Beitrag aus der humoristischen Schiene, ganz in der Marnier des Spießertests: Die 10 größten Internetkrankheiten.

Wie viele der genannten Punkte kannst Du für Dich mit “ja” beantworten?

  1. Ich beende die meisten Sätze mit drei Punkten oder einem Smiley
  2. LOL ist für mich ein eigenständiges Wort, das via O-Vermehrung gesteigert wird: LOOOOL
  3. “Nur mal eben ins Netz schauen” kann mal gerne ein paar Stunden auffressen
  4. Ich kenne alle Gerüchte, die mir Freunde erzählen, schon vorher aus facebook
  5. Ich kann ohne Internet nicht arbeiten, weil mein kompletter Workflow online ist (meine Dateien in der Cloud liegen / meine ToDo-Liste bei RTM liegt / …)
  6. Ich verwende Abkürzungen wie ROFL, LOL, oder BRB als gesprochene Wörter im täglichen Sprachgebrauch
  7. Ich habe schon zu Leuten “Schreib mir ne Mail” gesagt, obwohl die Angelegenheit persönlich und an Ort und Stelle in wenigen Minuten hätte geklärt werden können
  8. Ich verabrede mich nur noch via doodle
  9. Bevor ich meine Fertigsuppe mit Wasser vermische, schaue ich auf chefkoch.de nach, wie das richtig funktioniert
  10. Ich schreibe gerne alles klein

Los geht’s! Wer knackt den Highscore? Ich freu mich auf die Kommentare!

Signs – ein wunderbarer Kurzfilm

Freitag, 25. Juni 2010 von Hannes

Dieser Kurzfilm ist so schön, dass er einen Platz in diesem Blog verdient hat:

gefunden bei daswandblog

flattr – ein Social Media-taugliches Micropayment System?

Sonntag, 20. Juni 2010 von Hannes

Inzwischen stößt man auf immer mehr Webseiten auf das flattr-Widget – so auch in diesem Blog. Das Widget besteht aus dem flattr-Logo/Schriftzug und einer Zahl – oder alternativ den Worten “flattr this!”. Was es damit auf sich hat, beschreibt dieses Video recht gut:

Zusammengefasst

Jeder flattr-Nutzer zahlt monatlich einen bestimmten Betrag an flattr und kann dann bei allen bei flattr gemeldeten Inhalten auf das oben genannte flattr-Widget klicken. Am Ende jedes Monats wird der Montasbeitrag zu gleichen Teilen an die Urheber der jeweiligen Inhalte aufgeteilt. Der monatliche zu vergebende Betrag ist zwischen 2€ und 100€ frei wählbar. Eigene Inhalte kann jeder flattr-Nutzer eintragen und somit Klicks und damit auch Geld von anderen flattr-Nutzern bekommen.

Zahlen auf freiwilliger Basis

flattr ist somit eine Umsetzung der häufig von Kreativen geforderten freiwilligen Micropayment-Systeme. Jeder kann etwas zahlen, muss aber nicht. Außerdem kann jeder den Betrag zahlen, den er entbehren kann oder den er bereit ist, für die Inhalte auszugeben. Außerdem beruht das System natürlich darauf, dass nicht Einzelne die Inhalte mit großen Beträgen tragen (wie in den klassischen Medien, wo z.B. eine Zeitung einen Journalisten für einen Artikel oder ein Foto entlohnt), sondern sich die Summe aus vielen kleinen Beträgen von vielen Menschen bildet. Je nachdem, wen man mit seinen Inhalten anspricht bekommt man als kreativ Schaffender daher viel oder wenig Geld. Der Wunsch ist natürlich immer, dass Leute bereit sind mehr zu zahlen, wenn die Zahlung freiwillig ist.

Die Realität

In der Realität sieht das alles noch ein bisschen anders aus. Im Falle von flattr lässt sich das darauf zurück führen, dass der Service noch sehr neu und unter den meisten Internet-Nutzern noch völlig unbekannt ist. Außerdem ist der Service noch in einer halb geschlossenen Beta-Phase, so dass noch keine freie Anmeldung möglich ist, sondern man eine Einladung eines anderen Nutzers benötigt. Aber ich denke, dass trotzdem schon Tendenzen zu erkennen sind.

Schaut man sich die bei flattr eingestellten Inhalte an, fällt auf, dass das Chaosradio und netzpolitik.org seit Wochen unangefochten die “Charts” mit den höchsten Klickzahlen anführen, während bei sehr vielen Inhalten der Zähler nach wie vor auf Null steht. Es scheint also, dass sich die Geldbeträge schwerpunktmäßig auch hier wieder auf wenige Inhalte verteilen.

Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass es schwer ist, Inhalte zu gewichten. Wenn ich also einen Inhalt “flattre”, kann ich das weder rückgängig machen, noch kann ich ein zweites mal klicken und den Inhalt erneut flattrn. Vielleicht möchte ich aber im gleichen Monat einer großartigen Website, die ich täglich lese, mehr zukommen lassen, als einem mir völlig unbekannten Blog, der nur ein witziges Video von seinem Wochenendtrip zeigt. Dazu habe ich bei flattr keine Möglichkeit.

Was ich außerdem nicht einschätzen kann, ist die Anzahl der Leute, die sich bei flattr anmelden um zu zahlen – und nicht um zu empfangen. Was am flattr-Prinzip super ist, ist dass jeder der empfangen will auch zahlen muss. Somit machen es die (meist auch Inhalte-produzierenden) Early Adopter den anderen vor, und fangen an selbst zu flattrn. Dennoch tauchen auf der Seite natürlich nur die Inhalt-Produzenten auf, jemand der nur zahlt ist für die anderen Nutzer unsichtbar. Das Verhältnis von Zahlenden zu Empfangenden ist somit schwer einschätzbar. Super wäre eine Statistik seitens flattr, die anzeigt welcher Prozentsatz an Nutzern bereits eigene Inhalte eingetragen hat. Das würde zwar keine verlässliche Zahl bringen, in meinen Augen aber eine Richtung anzeigen, wie viele Nutzer sich ausschließlich zum Bezahlen anmelden – und ich weiß, dass es solche Nutzer gibt. Nach meiner Ansicht wäre der Anteil dieser Leute eine sehr interessante Zahl, die evtl. etwas über die Qualität eines solchen Services aussagen könnte.

Vergleich und Aussicht

Die Idee mit dem “freiwilligen Bezahlen” ist nicht neu. Zu Schulzeiten habe ich auf Schulbandfesten damit beste Erfahrungen gemacht. Eltern, Großeltern und Verwandte – also Leute die eine enge Beziehung zu dem Projekt hatten – haben immer gerne Beträge gezahlt, die als Eintritt eine Unverschämtheit gewesen wären. Im Endeffekt kam bei solchen Veranstaltungen immer mehr in die Kasse, als wenn feste Beträge für Eintritt und Essen vorgegeben wurden. Auf reinen Schülerpartys sah die Sache dann schon wieder ganz anders aus.

Auch im digitalen Bereich ist das System nicht neu. Oft helfe ich Freunden und Bekannten bei irgendeiner Sache am Rechner / mit dem Server oder mit einer kleinen Bildretusche aus. Die Frage “Was schulde ich Dir?” beantworte ich dann natürlich immer mit “Nichts!” – denn ich möchte kein Geld von meinen Freunden. Wenn dann ein “Doch, unbedingt, sonst hab ich ein schlechtes Gewissen!” folgt, habe ich mir angewöhnt, den Link zu meinem Wunschzettel auf amazon zu schicken. Die Aussage dahinter ist: “Ich will kein Geld von Dir, aber mit diesen Dingen kannst Du mir eine Freude machen.”

Der angenehme Nebeneffekt ist, dass jeder sich in dem Umfang “bedanken” kann, den er für richtig hält. Oder – anders ausgedrückt – jeder der zahlen will, zahlt das, was ihm die Hilfe wert war. Die Erfahrungen damit sind eindeutig und Bizarr: Die Leute mit dem geringsten Budget machen teilweise Geschenke, bei denen ich das schlechte Gewissen bekomme – die Leute mit dickem Auto und Geld wie Heu nehmen das “nichts” sehr wörtlich. Aber das muss man dann auch akzeptieren – so ist das mit der Freiwilligkeit. Wundern darf man sich über die geizigen Reichen übrigens auch nicht: Man wird schließlich nicht von dem Geld reich, was man verdient, sondern von dem, was man nicht ausgibt.

Ich bin gespannt, wie sich flattr entwickelt. Bei mir geht dort bislang wenig bis gar nichts. Wie sieht das bei Euch aus? Habt Ihr schon Erfahrungen damit gesammelt? Seid Ihr schon dabei? Wenn nicht – würde es Euch reizen? Was haltet Ihr von dem System?

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