Dieser Kurzfilm ist so schön, dass er einen Platz in diesem Blog verdient hat:
gefunden bei daswandblog
Inzwischen stößt man auf immer mehr Webseiten auf das flattr-Widget – so auch in diesem Blog. Das Widget besteht aus dem flattr-Logo/Schriftzug und einer Zahl – oder alternativ den Worten “flattr this!”. Was es damit auf sich hat, beschreibt dieses Video recht gut:
Zusammengefasst
Jeder flattr-Nutzer zahlt monatlich einen bestimmten Betrag an flattr und kann dann bei allen bei flattr gemeldeten Inhalten auf das oben genannte flattr-Widget klicken. Am Ende jedes Monats wird der Montasbeitrag zu gleichen Teilen an die Urheber der jeweiligen Inhalte aufgeteilt. Der monatliche zu vergebende Betrag ist zwischen 2€ und 100€ frei wählbar. Eigene Inhalte kann jeder flattr-Nutzer eintragen und somit Klicks und damit auch Geld von anderen flattr-Nutzern bekommen.
Zahlen auf freiwilliger Basis
flattr ist somit eine Umsetzung der häufig von Kreativen geforderten freiwilligen Micropayment-Systeme. Jeder kann etwas zahlen, muss aber nicht. Außerdem kann jeder den Betrag zahlen, den er entbehren kann oder den er bereit ist, für die Inhalte auszugeben. Außerdem beruht das System natürlich darauf, dass nicht Einzelne die Inhalte mit großen Beträgen tragen (wie in den klassischen Medien, wo z.B. eine Zeitung einen Journalisten für einen Artikel oder ein Foto entlohnt), sondern sich die Summe aus vielen kleinen Beträgen von vielen Menschen bildet. Je nachdem, wen man mit seinen Inhalten anspricht bekommt man als kreativ Schaffender daher viel oder wenig Geld. Der Wunsch ist natürlich immer, dass Leute bereit sind mehr zu zahlen, wenn die Zahlung freiwillig ist.
Die Realität
In der Realität sieht das alles noch ein bisschen anders aus. Im Falle von flattr lässt sich das darauf zurück führen, dass der Service noch sehr neu und unter den meisten Internet-Nutzern noch völlig unbekannt ist. Außerdem ist der Service noch in einer halb geschlossenen Beta-Phase, so dass noch keine freie Anmeldung möglich ist, sondern man eine Einladung eines anderen Nutzers benötigt. Aber ich denke, dass trotzdem schon Tendenzen zu erkennen sind.
Schaut man sich die bei flattr eingestellten Inhalte an, fällt auf, dass das Chaosradio und netzpolitik.org seit Wochen unangefochten die “Charts” mit den höchsten Klickzahlen anführen, während bei sehr vielen Inhalten der Zähler nach wie vor auf Null steht. Es scheint also, dass sich die Geldbeträge schwerpunktmäßig auch hier wieder auf wenige Inhalte verteilen.
Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass es schwer ist, Inhalte zu gewichten. Wenn ich also einen Inhalt “flattre”, kann ich das weder rückgängig machen, noch kann ich ein zweites mal klicken und den Inhalt erneut flattrn. Vielleicht möchte ich aber im gleichen Monat einer großartigen Website, die ich täglich lese, mehr zukommen lassen, als einem mir völlig unbekannten Blog, der nur ein witziges Video von seinem Wochenendtrip zeigt. Dazu habe ich bei flattr keine Möglichkeit.
Was ich außerdem nicht einschätzen kann, ist die Anzahl der Leute, die sich bei flattr anmelden um zu zahlen – und nicht um zu empfangen. Was am flattr-Prinzip super ist, ist dass jeder der empfangen will auch zahlen muss. Somit machen es die (meist auch Inhalte-produzierenden) Early Adopter den anderen vor, und fangen an selbst zu flattrn. Dennoch tauchen auf der Seite natürlich nur die Inhalt-Produzenten auf, jemand der nur zahlt ist für die anderen Nutzer unsichtbar. Das Verhältnis von Zahlenden zu Empfangenden ist somit schwer einschätzbar. Super wäre eine Statistik seitens flattr, die anzeigt welcher Prozentsatz an Nutzern bereits eigene Inhalte eingetragen hat. Das würde zwar keine verlässliche Zahl bringen, in meinen Augen aber eine Richtung anzeigen, wie viele Nutzer sich ausschließlich zum Bezahlen anmelden – und ich weiß, dass es solche Nutzer gibt. Nach meiner Ansicht wäre der Anteil dieser Leute eine sehr interessante Zahl, die evtl. etwas über die Qualität eines solchen Services aussagen könnte.
Vergleich und Aussicht
Die Idee mit dem “freiwilligen Bezahlen” ist nicht neu. Zu Schulzeiten habe ich auf Schulbandfesten damit beste Erfahrungen gemacht. Eltern, Großeltern und Verwandte – also Leute die eine enge Beziehung zu dem Projekt hatten – haben immer gerne Beträge gezahlt, die als Eintritt eine Unverschämtheit gewesen wären. Im Endeffekt kam bei solchen Veranstaltungen immer mehr in die Kasse, als wenn feste Beträge für Eintritt und Essen vorgegeben wurden. Auf reinen Schülerpartys sah die Sache dann schon wieder ganz anders aus.
Auch im digitalen Bereich ist das System nicht neu. Oft helfe ich Freunden und Bekannten bei irgendeiner Sache am Rechner / mit dem Server oder mit einer kleinen Bildretusche aus. Die Frage “Was schulde ich Dir?” beantworte ich dann natürlich immer mit “Nichts!” – denn ich möchte kein Geld von meinen Freunden. Wenn dann ein “Doch, unbedingt, sonst hab ich ein schlechtes Gewissen!” folgt, habe ich mir angewöhnt, den Link zu meinem Wunschzettel auf amazon zu schicken. Die Aussage dahinter ist: “Ich will kein Geld von Dir, aber mit diesen Dingen kannst Du mir eine Freude machen.”
Der angenehme Nebeneffekt ist, dass jeder sich in dem Umfang “bedanken” kann, den er für richtig hält. Oder – anders ausgedrückt – jeder der zahlen will, zahlt das, was ihm die Hilfe wert war. Die Erfahrungen damit sind eindeutig und Bizarr: Die Leute mit dem geringsten Budget machen teilweise Geschenke, bei denen ich das schlechte Gewissen bekomme – die Leute mit dickem Auto und Geld wie Heu nehmen das “nichts” sehr wörtlich. Aber das muss man dann auch akzeptieren – so ist das mit der Freiwilligkeit. Wundern darf man sich über die geizigen Reichen übrigens auch nicht: Man wird schließlich nicht von dem Geld reich, was man verdient, sondern von dem, was man nicht ausgibt.
Ich bin gespannt, wie sich flattr entwickelt. Bei mir geht dort bislang wenig bis gar nichts. Wie sieht das bei Euch aus? Habt Ihr schon Erfahrungen damit gesammelt? Seid Ihr schon dabei? Wenn nicht – würde es Euch reizen? Was haltet Ihr von dem System?
Mit dem App Store und der Push-Funktion fürs iPhone kamen nach und nach die ersten Messenger. Das sind im Prinzip kleine Programme, die die Funktionalität bieten kurze Nachrichten an Freunde zu senden. Der Vorteil dieser Programme liegt darin, dass sie direkt auf dem Bildschirm des Gegenübers erscheinen (wie eine SMS), der Versand aber trotzdem kostenlos ist – und das sogar Länderübergreifend. Nach und nach kamen dann noch Funktionen zum Anhängen von Bildern, Videos oder Ortsangaben dazu.
Die meisten Funktionalitäten hierbei bietet zwar auch eine gewöhnliche eMail, die Vorteile hier sehe ich in der anderen Nutzungsebene. Viele Leute haben die Push-Funktion für eMails deaktiviert, da zu viele nicht relevante Mails ankommen von denen man nicht gestört werden möchte. Daher ist die zusätzliche Ebene eines Push-Services der näher am Nutzer liegt und ausschließlich für persönliche Nachrichten gedacht ist sehr angenehm.
Heute möchte ich die Vor- und Nachteile von vier verschiedenen Programmen zeigen: WhatsApp, pushme.to, PingChat! und Group Text von brightkite. Hierbei bieten alle Programme gewisse Vorteile, WhatsApp und PingChat! sind sehr ähnlich, während Group Text eine gewisse Sonderrolle einnimmt.
WhatsApp ist sozusagen der Platzhirsch auf dem iPhone. Die Verbreitung ist sehr groß – das ist aber in meinen Augen auch schon der einzige Vorteil dieser App. Denn WhatsApp kostet Geld (aktuell 0,79€), während PingChat! (s.u.) einen größeren Funktionsumfang umsonst bietet. Wie so oft hat sich hier etwas teureres und in meinen Augen schlechteres durchgesetzt.
WhatsApp gibt es für iPhone und BlackBerry; laut dem heutigen Stand ist eine Version für Android und Nokia Symbian in Arbeit. Push wird voll unterstützt und an die Nachrichten können Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte und der momentane Standort angehängt werden. Zudem wird der Nutzer über den Sendestatus der Nachrichten durch kleine und eindeutige Symbole informiert. Ein Account ist nicht notwendig, die App registriert sich über die Telefonnummer.
Außerdem ist WhatsApp mit dem Adressbuch verknüpfbar. Aber: Wenn man der App Zugriff auf das Adressbuch gewährt, werden automatisch alle WhatsApp-Nutzer aus dem eigenen Adressbuch angezeigt. Dies erfordert nach meinem Verständnis, dass alle in meinem Adressbuch gespeicherten Telefonnummern für einen Abgleich zum WhatsApp-Server geschickt werden müssen. Das hat mich ehrlich gesagt schockiert, denn zwischen “Zugriff gewähren” und “alle Daten heim funken” liegt in meinen Augen ein himmelweiter Unterschied. Abgesehen davon möchte ich vielleicht auch nicht alle Leute aus meinem Adressbuch in meiner WhatsApp-Liste haben.
Die App selbst läuft bei mir so mittelmäßig zuverlässig, einige Nachrichten kamen trotz angezeigtem grünen Häkchen nicht an, und wurden mir beim nächsten Start der App erst als Fehler angezeigt.
pushme.to 2.0
pushme.to bietet neben den Nachrichten von App zu App auch die Möglichkeit des Webinterfaces an. Ich kann also ein Widget in meine Website oder meinem Facebook-Profil einbinden, über das mir jeder Besucher eine Sofortnachricht schicken kann. Außerdem kann man auch über das Aufrufen von http://pushme.to/nickname/ auch Konversationen zwischen dem iPhone und einem beliebigen Webbrowser führen.
Die Verwendung der App erfordert einen Account, eine Verknüpfung mit dem Adressbuch ist möglich (mehr Info dazu in den FAQ). Das Anhängen von Fotos ist möglich, jede Nachricht wird gepusht. Die iPhone-App ist mit 2,39€ nicht wirklich billig – das ist trotz der schicken Web-Funktionen natürlich als dicker Nachteil zu werten. Ein weiterer großer Nachteil ist die bisher fehlende Implementierung für andere Plattformen wie Android oder Symbian. Die fehlenden Apps können in meinen Augen durch das Webinterface nicht ausgeglichen werden, da hier essenzielle Funktionen – wie beispielsweise Push – fehlen.
PingChat! 2.0
PingChat! hat eine enorme Ähnlichkeit zu WhatsApp. Auch hier braucht man keinen Account da die Registrierung über die Telefonnummer erfolgt; außerdem gibt es einen Sendebericht in Form von Symbolen. Eine Verknüpfung mit dem Adressbuch ist auch bei PingChat! möglich – hier meines Wissens allerdings ohne den Datenschleudereffekt. Ebenso können Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte und der momentane Standort an jede Nachricht angehängt werden.
Dennoch übertrumpft PingChat! WhatsApp in meinen Augen, denn es ist erstens kostenlos und unterstützt zweitens auch Gruppenfunktionen. Ich kann mich also mit einer Gruppe – sei es ein Team im Beruf oder ein privater Freundeskreis – mobil und in Echtzeit austauschen, jeder bekommt jeden Stand mit und die komplette Konversation verteilt sich nicht auf mehrere Einzeldialoge. Das ist für mich ein absolutes Killer-Feature. Ein Nachteil von PingChat! ist die Nutzerzahl, zumindest aus meinem Bekanntenkreis haben sehr wenig Leute die App installiert.
Leider gibt es PingChat! momentan bisher nur als iPhone-App, die Apps für Android und BlackBerry sind laut der PingChat!-Seite allerdings in Arbeit.
Group Text
Group Text von brightkite ist eine App, die die Grundfunktionalität der Conversations aus der brightkite-App ausklinkt und als eigenständiges Programm anbietet. Und genau darin liegt der große Vorteil von Group Text, da es auf eine Funktion zurückgreift, die bereits in Apps für alle gängigen Plattformen eingebunden ist. Mit anderen Worten: Group Text läuft im Rahmen der jeweiligen brightkite-Apps sowohl auf dem iPhone, als auch unter Android, BlackBerry, Nokia oder Palm, außerdem gibt es ein Webinterface über brightkite.com. Für alle mobilen Browser steht http://m.brightkite.com zur Verfügung, für jeden der mehr wissen will empfehle ich die Group Text FAQ.
Um die Group Text App auf dem iPhone nutzen zu können, braucht man einen brightkite-Account – zu Konversationen kann man allerdings auch Leute mit jedem normalen SMS-fähigen Telefon einladen; auch wenn das aus Kostengründen nur bedingt sinnvoll ist, da der SMS-Server in UK steht. Es ist somit für andere nicht nötig, die Software zu installieren – allerdings kann man in Deutschland keine brightkite-Nachrichten über SMS empfangen, sondern nur senden. Eine Auslesen der Nummern aus dem Adressbuch ist möglich. Auf dem iPhone werden alle Nachrichten von Group Text gepusht, an die Nachrichten kann man Fotos und eine Standortangabe anhängen.
Auch hier gibt es die Möglichkeit Konversationen in Gruppen zu führen, was in meinen Augen wie schon gesagt ein Killer-Feature ist. Im Gegensatz zu PingChat! müssen hier aber nicht alle Gruppenmitglieder ein iPhone besitzen; durch das Webinterface und die Einbindung von SMS, Android, BlackBerry etc. pp funktioniert Group Text in so ziemlich jeder Gruppe – nicht nur in der iPhone-Geek-Gruppe.
Die iPhone-App ist noch recht neu und ich habe gehört, dass sie auch mal crasht – auch wenn ich das bisher nicht erlebt hab. Für diesen Fall empfehle ich einfach die normale brightkite iPhone-App zu installieren, sie beinhaltet nämlich die komplette Group Text Funktionalität, ist auch kostenlos und läuft sehr stabil.
Eine Übersicht
| pushme.to | PingChat! | GroupText | ||
| App kostenlos (iPhone) | - | - | + | + |
| Benutzung kostenlos | + | + | + | + |
| über Rechner verwendbar | - | + | - | + |
| iPhone App | + | + | + | + |
| Android App | - | -8 | - | +1 |
| BlackBerry App | +1 | -8 | - | +1 |
| Nokia / Symbian App | - | -8 | - | +1 |
| Palm App | - | -8 | - | +1 |
| kein Account nötig | +2 | -9 | +2 | -9 |
| Adressbuchverknüpfung (iPhone) | + | + | + | + |
| Adressbuchschleuder (iPhone) | -3 | + | + | + |
| Anhängen von Medien | +4 | +5 | +6 | +7 |
| Anhängen von Orten | + | - | + | + |
| Gruppenfunktionen | - | - | + | + |
| Push (iPhone) | + | + | + | + |
| Ergebnis | 8/15 | 7/15 | 10/15 | 14/15 |
1 nicht von mir getestet
2 Die Anmeldung erfolgt über die Telefonnummer
3 offenbar Abgleich des privaten Adressbuches mit Server (s.o.) daher schlecht bewertet.
4 Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte, momentaner Standort
5 Fotos
6 Fotos, Videos, Sprachnotizen, Kontakte, momentaner Standort
7 Fotos, momentaner Standort
8 Funktioniert aber wohl über das webinterface via http://pushme.to/nickname/ (nicht getestet)
9 Account nur nötig wenn man die App installieren will, die Nutzung als Konversationsteilnehmer ist ohne Account möglich
Fazit
In meinen Augen ist eine Nutzbarkeit für Gruppenkonversationen und damit verbunden auch die Kompatibilität zu anderen Plattformen das wichtigste, daher ist Group Text von brightkite mein persönlicher Favorit – zumal man hier nicht mal unbedingt ein internetfähiges Handy braucht. Die Abrundung durch hier nicht erwähnte Funktionen außerhalb des Messaging-Bereiches tut ihr übriges.
Auf Platz 2 folgt für mich aufgrund seiner Funktionsvielfalt PingChat!, auch wenn es momentan – also ohne Android und BlackBerry-Apps – noch keine Alternative darstellt.
In meiner persönlichen Ansicht folgt pushme.to auf Platz 3 – das Widget und die Möglichkeit des Browser-to-iPhone-Chats sind sehr spannend. Dicke Minuspunkte gibts nur für den viel zu hohen Preis.
Abgeschlagen auf dem vierten Platz liegt für mich WhatsApp. Kostenpflichtig, nicht zuverlässig und mein Adressbuch nach Hause funkend ist hier jegliche Sympathie bei mir verspielt. Schade.
Ein Professional ist jemand, der zwei Jahre nachdem alle da sind ankommt, sich debütantisch benimmt wie der Elefant im Porzellanladen, alles falsch macht und komplett Ahnungsbefreit ist – allerdings offenbar genau dafür bezahlt wird.
Ich habe eben den Videopodcast der Bundeskanzlerin vom 27.2.2010 gesehen, und war – gelinde gesagt – nur halb begeistert. Ein paar Gedanken meinerseits dazu:
Die Politik hat die Aufgabe, die Rahmenbedingungen für die Entwicklung dieses Wachstumsmarktes günstig zu gestalten. Ein Baustein dabei ist die Breitbandstrategie der Bundesregierung. Wir haben uns vorgenommen, bis zum Jahresende jedem Haushalt einen einfachen Internetzugang zu ermöglichen. Gleichzeitig werden wir in den nächsten Jahren zielbewusst das schnelle Internet ausbauen.
Richtig. Sehr gut. Aber “vielleicht” eine Spur zu spät. Sich 2010 darum zu bemühen, dies zu erreichen, liest sich wie Satire. Vor 10 Jahren wäre dies ein angebrachtes und vielleicht sogar zukunftsweisendes Projekt gewesen. Heute wirkt es auf mich eher etwas weltfremd.
Mitte des Jahres wird die Bundesregierung eine neue Strategie für die Informations- und Kommunikationstechnologie vorstellen.
Neue Bundestrojaner?
Hier geht es darum, die Möglichkeiten der modernen Kommunikationstechnologie zu nutzen, um sie mit den klassischen Industriebereichen – zum Beispiel der Automobilindustrie – zu vernetzen.
Das wird auch höchste Zeit. Meines Wissens werden in der Industrie bisher überhaupt keine Computer eingesetzt. Kommuniziert wird dort auch nicht. Die Automobilindustrie wird Bauklötze staunen, wenn die Bundesregierung endlich so etwas wie eMail oder Internet vorstellt. Von Computern ganz zu schweigen. Stellen Sie sich vor: BMW, Audi und Mercedes müssen dann die Autos nicht mehr frei Hand aus Stahlblöcken feilen. Außerdem könnten in der Entwicklung evtl. in 30 bis 50 Jahren sogar Computer eingesetzt werden und vielleicht sogar irgendwann die Zeichenbretter – zumindest teilweise – ersetzen. Ich habe gehört, besonders fortschrittliche Visionäre sprechen von etwas, das sich “Simulation” nennt. Aber das ist sicherlich Zukunftsmusik und an dieser Stelle zu weit gegriffen.
Denn wir sind davon überzeugt, dass sich die Computertechnologie und die Informationstechnologie in alle Bereiche der Gesellschaft hinein bewegen werden.
NEIN! Meinen Sie wirklich, dass es einmal SO weit kommen wird?!? Scherz beiseite: Willkommen in der Realität. Das wird nicht passieren. Das ist schon seit Jahren passiert. Tut mir Leid, dass ich Ihnen das hier sagen muss.
Neben den Chancen, die aus dem Internet erwachsen, gibt es natürlich auch Gefahren. Neben dem freien Zugang zum Internet muss ganz deutlich werden: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.
Stimmt. Das war es auch zum Glück bisher nicht so. Schauen Sie einfach mal, was heute so an Abmahnungen etc. pp möglich ist. Das Internet ist meiner Meinung strenger geregelt als vieles andere in diesem Land. Es gibt bei weitem wichtigere Baustellen.
Deshalb werden wir auch immer wieder dafür sorgen, dass – zum Beispiel im Falle der Kinderpornografie – das Löschen von solchen Seiten möglich sein wird, um Menschen vor Gefahren zu schützen.
Im Gegenzug werde ich dafür sorgen, dass es bald so etwas wie Schwerkraft gibt, damit wir nicht mehr so nervig durch die Gegend schweben.
Im Ernst: Wenn ich mich nicht grundlegend täusche, geht das schon immer. Da müssen Sie nicht für sorgen. Das etwas gegen Kinderpornografie unternommen wird ist wichtig und mehr als notwendig und lobenswert. Allerdings wird der Zusammenhang zwischen Kinderpornografie und dem Internet meiner Meinung nach oft etwas verzerrt dargestellt. Wenn man der CDU zuhört, könnte man meinen, dass es im Internet ausschließlich Kinderpornografie gibt. Ich selbst hingegen bin täglich viele Stunden im Internet unterwegs und bin noch nie auf solche Inhalte gestoßen. Vielleicht ist es daher sinnvoller, die eigentlichen Täter zu finden und zu bestrafen und den Opfern zu helfen, statt immer wieder dieses Strohfeuer der Kinderpornografie im Internet zu schüren (empfehlenswertes Video dazu). Sonst könnte man noch meinen, das es hier nur um Stimmenfang und Überwachung geht, denn das alles ist – wie das letzte Jahr gezeigt hat – ein sehr heiß diskutiertes Thema.
Insbesondere geht es aber auch um einen selbstbewussten Umgang der Nutzer mit dem Internet. Dabei kann die Politik Hilfestellungen leisten. Jeder muss aufgefordert sein, personenbezogene Daten nicht allzu freizügig jedermann zur Verfügung zu stellen.
Das sehe ich genauso. Hier sollte jeder die Verantwortung lernen, was er im Internet preis gibt, und was nicht.
Hier komme ich allerdings wieder auf den “rechtsfreien Raum” zu sprechen. Ich möchte meine Meinung und die Resultate meines Handelns mit anderen teilen und anderen Menschen zur Verfügung stellen. Dafür habe ich im Internet eine Homepage und muss daher ein Impressum pflegen, was ich nach bestem Wissen und Gewissen tue – immer in der Hoffnung, nicht aufgrund meines Unwissens und eines kleinen Fehlers abgemahnt zu werden. Viel lieber wäre es mir aber, wenn ich meine Privatsphäre insofern schützen könnte, dass ich meine Adresse nicht für jeden zugänglich angeben muss. Dennoch ist sie zum einen bei der denic einzusehen und zum anderen muss ich sie wie gesagt auch im Impressum führen.
Wie steht die Politik dazu? Was sagen Sie, Frau Merkel? In Ihrem Podcast sagen sie klipp und klar, dass jeder dazu aufgefordert sein muss “personenbezogene Daten nicht allzu freizügig jedermann zur Verfügung zu stellen”. Nach den – dann doch sehr strengen – Gesetzen im Internet funktioniert das aber wie oben gezeigt nicht.
Im vergangen Jahr hat die Bundesregierung den Zugriff auf personenbezogene Daten besser geschützt.
ELENA? Vorratsdatenspeicherung? Kameras? Wohnen wir im gleichen Land?
Im Augenblick ist viel von „Google Street View“ die Rede. Google will alle Straßen fotografieren und die entsprechenden Ansichten ins Internet stellen. Diejenigen, die finden, dass dies ein Eingriff in ihre private Sphäre ist, können von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen.
Schade eigentlich. So lange Google nur das abbildet, was ich aus dem öffentlichen Raum einsehen kann, sehe ich kein Problem – zumal immer nur ein Zeitpunkt abgebildet wird. Das Gutachten aus Rheinland Pfalz gibt hier schon gute Einblicke, allerdings kann ich Punkt 3 nicht nachvollziehen. Wer durch ein individualisiertes Haus nicht auffallen möchte, sollte meiner Meinung nach einfach kein stark individualisiertes Haus bewohnen.
Die Chancen der Informationstechnologie, des Internetzugangs und der Kommunikationstechnologie sind groß. Die notwendigen technologischen Voraussetzungen werden wir in den nächsten Jahren schaffen.
Hübsch. Schade nur, dass das nicht schon lange passiert ist.
Alle Zitate stammen aus dem Podcast bzw. aus dem dazugehörigen pdf.
Das waren meine spontanen Gedanken zu dem Video. Habt Ihr eine Meinung dazu?
Nach der Chatroulette-Session beim #bcnue2 wurde “F9″ zum geflügelten Wort. Schnell war die Idee geboren, das ganze auf ein T-Shirt zu bringen. Und das habe ich jetzt einfach mal gemacht, und das ganze in meinem Spreadshirt-Shop angelegt.
Wenn ihr wollt, könnt Ihr Euch hier alle F9-Shirts anschauen.
Das ganze ist natürlich (für mich) no-Profit, der einzige der daran verdient ist spreadshirt, daran kann ich auch leider nichts drehen. Dazu auch hier ein Screenshot:

Dieser Beitrag beschreibt ein von mir geschriebenes Greasemonkey Userscript für ipernity. Damit kann der fehlerhafte Link auf den Tag-Seiten automatisch ausgetauscht werden.
Was bei ipernity störenderweise nicht funktioniert, ist der “Diashow”-Link auf einer “Tag”-Seite.
Klickt man auf den Diaschau-Link, erscheint folgende Seite:
Falls zusätzlich cooliris installiert ist, öffnet sich außerdem ein Player im neuen Fenster. Das ganze ist besonders ärgerlich, da ipernity selber einen – wie ich finde sehr schönen – Player bereitstellt, der einfach durch manuelles Ergänzen der URL aufgerufen werden kann.
Das ganze muss man sich aber merken und von Hand, was für den ein oder anderen sicherlich inakzeptabel ist.
Daher habe ich dieses klitzekleine Greasemonkey Script geschrieben, welches man auf userscripts.org herunterladen und mit 2 Klicks installieren kann – selbstverständlich ohne Anmeldung und kostenfrei.
-> Ipernity Diaschau Userscript
Das Skript ist unsichtbar und ändert lediglich den Link, so das beim Klick auf “Diaschau” folgende Diaschau gezeigt wird:
Um das Skript zu verwenden, muss Firefox verwendet werden, außerdem muss das Firefox-Add-on Greasemonkey installiert sein. Die Installation von Greasemonkey ist ebenfalls sehr einfach und mit wenigen Klicks erledigt.
Vielleicht kann der ein oder andere von Euch das ja brauchen…
In der Werbung findet man in letzter Zeit immer häufiger diese merkwürdigen Muster, die auf den ersten Blick so überhaupt keinen Sinn ergeben. Der Schein trügt jedoch, denn es handelt sich um QR-Codes – und diese sind im Prinzip eine Weiterentwicklung der Strichcodes, wie man sie bereits aus der Preiskennzeichnug für Supermarktkassen kennt. Allerdings kann ein Strichcode (eindimensional) lange nicht so viel Information beinhalten wie ein QR-Code, da dieser zweidimensional ist.
Ein weiterer großer Unterschied zwischen Strichcodes und QR-Codes ist ein nicht-technischer. Während Strichcodes meistens für Produktkennzeichnungen verwendet und fast ausschließlich im geschäftlichen Rahmen genutzt werden, werden QR-Codes oftmals auch eingesetzt, um von jedermann verwendet zu werden.
Wie kann ich QR-Codes lesen?
Zur Entschlüsselung von QR-Codes wird lediglich ein Mobiltelefon mit Kamera und einer entsprechenden Software benötigt. Diese Software wird von verschiedenen Herstellern angeboten und ist meistens auch kostenlos verfügbar. Für Java-taugliche Handys hat sich bei mir der Kaywa-Reader bewährt, den man nach einer Registrierung auf der Kaywa-Seite kostenlos für die meisten Handymodelle herunterladen kann. Für das iPhone gibt es beispielsweise den BeeTagg Reader, Barcodes, Barcode oder mobile-tag, für den BlackBerry, auf Palm, Symbian oder für Windows Mobile gibt es z.B. BeeTagg.
edit: In den Kommentaren wird i-nigma empfohlen (AppStore-Link).
Nachdem die entsprechende Software installiert und geöffnet ist, muss der QR-Code nur noch möglichst gerade, komplett und formatfüllend abfotografiert werden, und die gespeicherten Informationen stehen dem Nutzer sofort zur Verfügung.
Wie werden QR-Codes eingesetzt?
QR-Codes können eingesetzt werden, um ergänzende Informationen zu einem Gegenstand, Artikel oder sonst etwas in der realen Welt zur Verfügung zu stellen. In Frankfurt sind einige Sehenswürdigkeiten beispielsweise mit QR-Codes versehen, die dem interessierten Passanten weitere Informationen zu den jeweiligen Orten liefern. Die Deutsche Bahn nutzt QR-Codes, um die zu Hause ausgedruckten Tickets der Fahrgäste einzulesen. Mazda versieht Werbungen in Zeitschriften mit QR-Codes, die weitere Informationen zu den Fahrzeugen liefern. Die Berliner Sparkasse stellt über QR-Codes ein Online-Gewinnspiel bereit. Informationstafeln können wesentlich übersichtlicher gestaltet werden, wenn sie nur die Überschriften enthalten, und die tiefergehenden Informationen via QR-Code aus dem Internet geladen werden (siehe Bild).
Verschiedene Geschäfte versehen ihre Eingangstüren mit QR-Codes, die Informationen zu den Öffnungszeiten, zu Kontaktmöglichkeiten und ggf. eine Weiterleitung zum Online-Shop liefern, falls der Kunde mal vor verschlossenen Türen steht. Auf Konzertplakaten kann beispielsweise auf eine Seite mit Hörbeispielen der Band, dem Termin und einer Wegbeschreibung zum Veranstaltungsort verwiesen werden. Das Projekt Semapedia.org hat sich zum Ziel gesetzt, die virtuelle mit der realen Welt zu verknüpfen und bietet dazu die Möglichkeit, QR-Codes zu Wikipedia-Seiten auszudrucken und diese an den entsprechenden Orten aufzuhängen. Ein Verzeichnis mit Bildern und Kartenmarkierungen der aufgehängten Codes findet sich ebenfalls auf der Semapedia.org.
Der Vorteil von diesen Einsatzmöglichkeiten liegt auf der Hand, da erstmalig der Mediensprung von Print auf Web einfach und ohne große Fehlerquellen (durch Tippfehler o.ä.) möglich ist. Wo man sich früher URLs merken und zu Hause eingeben musste oder mehr oder weniger lange auf google suchen musste, ist mit QR-Codes der direkte Abruf von Informationen möglich.
Das ganze funktioniert erst mit heutiger Technologie (QR-Codes statt Strichcodes, leistungsstarke Handys mit Kamera & mobiles Internet) richtig gut, da ein QR-Code relativ viel Information beinhalten kann, also auch Texte oder Internetadressen. Und durch letzteres steigen die Möglichkeiten natürlich ins unendliche. Ein klassischer Strichcode kann wesentlich weniger Information beinhalten; in der Regel sind das Nummern – z.B. eine ISBN. Eine Nutzung von Strichcodes im privaten Rahmen ist somit auch möglich, aber bei weitem nicht so vielseitig und weit verbreitet.
Exkurs in die Strichcode-Welt
Als Beispiel für die private Nutzung von Strichcodes möchte ich eben jenen Strichcode auf Büchern erwähnen, der die ISBN enthält. Hiermit kann man nämlich schnell und einfach sein privates Buchverzeichnis erstellen, indem man die Software Books für MacOS X nutzt. Dazu müssen die Bücher lediglich vor die Webcam des Rechners gehalten werden, Books erkennt den Barcode auf der Rückseite des Buches, ermittelt daraus die ISBN und lädt aus einer Anbindung an die Amazon-Datenbank alle Informationen zum Buch herunter. Der heruntergeladene Datensatz enthält alle relevanten Informationen von Titel und Autor über Jahr und Verlag bis hin zum Coverbild, so dass eine vollständige und auch optisch ansprechende Datenbank erstellt wird.
Das ist zwar nett – aber QR-Codes sind durch den höheren Informationsgehalt universeller und können daher sehr viel mehr.
QR-Codes selbst erstellen
Möchte man selbst Informationen via QR-Code zur Verfügung stellen, so ist das kein Problem. Auf Webseiten wie qrcode.kaywa.com, openqrcode.com oder mobile-barcodes.com ist es sehr einfach möglich, eigene QR-Codes zu erstellen und diese für eigene Zwecke zu nutzen. Der Kreativität, wofür man die Codes nutzen möchte, ist dabei keine Grenze gesetzt. Für den häufigeren Nutzer, der sich schnell URLs vom Rechner aufs Handy übertragen will, kann auch das MacOS X Widget QR Code Reader von Rafel Dohms interessant sein – speichern kann man die erzeugten Codes leider nicht. Für Vollprofis gibt es z.B. mit Barcode Studio auch kostenpflichtige Programme, die über viele Funktionen verfügen und viele Code-Typen erstellen können. Wer ein Poster mit QR-Codes aus einem RSS-Feed erstellen möchte (Stichwort Informationstafeln, siehe Bild oben), der sollte sich mal bei barcodeposters.com umschauen (zur Verdeutlichung hier eine Poster-Version von meinem Blog).
Viel Spaß!
(image credits: Adrian Short & stan)
Zur Zeit liest man unheimlich viel zu den Themen Corporate Identity (CI) und Corporate Design (CD, welches ein Teil der CI ist) im Netz – meistens in Form von Handreichungen für die Erstellung von CI-Guidelines für den Internetauftritt von Firmen. Während die meisten Firmen ihr Augenmerk in der Vergangenheit überwiegend auf das Corporate Design gelegt haben (Logos, Farben, Schriftsätze, Uniformen), wurde die übergeordnete Corporate Identity – die außerdem beispielsweise auch das Benehmen, das Auftreten in der Öffentlichkeit und die Tonwahl bei Äußerungen beinhaltet – oft sträflich vernachlässigt.
Und genau das wird gerade einigen Firmen oder Institutionen zum Verhängnis. Da twittert sich schon mal der ein oder andere Angstellte um seinen Job, indem er Firmeninterna ausplaudert oder vielleicht sogar vergisst, das die Beschwerde über den Chef doch öffentlich ist. Und das Problem betrifft nicht nur 16-jährige Praktikantinnen – die Verlockung, brisante Informationen sofort weitergeben zu können, macht leider selbst vor dem Bundespräsidenten nicht halt. In anderen Firmen herrscht plötzlich ein rauher Wind im Forum der öffentlichen Firmenseite oder im firmenweiten Twitter-Account – meist, weil ein Mitarbeiter sich dort persönlich angegriffen gefühlt hat.
Und was passiert, wenn die Rechtsanwälte eines großen Konzernes plötzlich alle Verhältnismäßigkeit übersehen und Abmahnungen mit horrenden Rechnungsbeträgen an Privatleute schicken, kann man momentan fast monatlich feststellen. Es erübrigt sich an dieser Stelle zu erwähnen, dass die erstrittenen Summen seltenst in einem vertretbaren Verhältnis zu den wesentlich größeren Imageverlusten stehen. Wer die Stimmung der deutschen Blogosphäre in den letzten Monaten verfolgt hat weiß, wovon ich spreche. Ich für meinen Teil werde beispielsweise wohl nie wieder bei Jako oder Jack Wolfskin einkaufen.
Das Problem besteht darin, dass die Leute als Privatpersonen handeln, und nicht mehr als Vertreter der Firma oder Institution.
Natürlich ist es toll, vertrauliche Informationen zu besitzen – allerdings muss man natürlich der großen Versuchung widerstehen, diese sofort in die Welt zu posaunen. Das ist natürlich keine leichte Aufgabe für einen Bundestagsabgeordneten. Kann ja mal schief gehen (Achtung: Ironie). Und sich ins Gedächtnis zu rufen, dass das Internet öffentlich ist – sogar wenn der Chef nicht im Raum ist – hätte so manches Desaster ersparen können. Und wenn die juristischen Abteilungen mancher Firmen ihren Blick aus dem Streitwert-Tunnel lösen, und auf das gesamte Unternehmen weiten könnten, wäre vielen geholfen. Der kleine Privatmann müsste keine Kosten im Rahmen seines 10-Jahres-Budgets berappen, und die Firma müsste lediglich eine kleine eMail schreiben. Der Firma würde zwar ein Streitwert im Gegenwert des Umsatzes der ersten 2 Minuten eines hässlichen Dienstag Vormittags entgehen, dafür aber auch viele Tausend verschreckte Ex-Kunden, deren Kaufkraft wirklich immens gewesen wäre – würden sie jetzt nicht wo anders einkaufen.
Zur Lösung dieser Problematik mittels CI gibt es, wie bereits erwähnt, zahlreiche Anleitungen im Netz. Dabei ist die Empfehlung meistens, ein Regelwerk zu erstellen. Dazu werden oft dicke Wälzer ausgearbeitet, die keiner überblicken und gar keiner verstehen kann, und deren Inhalte sich im 100-Seiten Abstand nicht selten widersprechen. Dazu gibt es dann zahlreiche PowerPoint-Präsentationen und eine ganze Abteilung, die sich nur um die Pflege dieser CI kümmert. Oft mit fraglichem Erfolg. Denn was keiner versteht, kann auch keiner umsetzen – und was keiner überblickt, kann auch keiner beachten. Ein Ansatz, den ich auf dem communtitycamp Berlin 2009 aus einer Session von Vivian mitgenommen habe, ist ein Kommunikationsregelwerk, dass aus einer einzigen Regel besteht und bei einer großen Firma wohl seit Jahren bestens funktioniert:
Tu nichts dummes.
So trivial es auch klingt – im Prinzip ist genau das die Lösung. Oder auf die obigen Beispiele bezogen: Natürlich weiß die Angestellte, dass Ihr Chef auch auf facebook ist; und selbstverständlich weiß ein Bundestagsabgeordneter, dass er keine vertraulichen und geheimen Informationen twittern darf. Übrigens weiß selbst ein Rechtsanwalt, dass ein paar Tausend Euro für einen Großkonzern Peanuts, und ein schlechter Lohn für viel Negativpublicity sind – während an anderer Stelle viel Geld für verhältnismäßig wenig Werbung und wesentlich schwerer zu erreichende Posititvpublicity ausgegeben wird.
Ein Ansatz auf den ich gekommen bin, ist der des 1-Mann-Betriebs oder der klitzekleinen Firma. Ein selbständiger Maurer wird den Teufel tun, schlecht über seine Kunden zu twittern. Ebenso wird er den Heimwerker nicht verklagen, der seine Mauer selbst hochzieht. Viel eher wird er sich freuen, wenn er wenige Tage nach dem Bau die schiefe Heimwerkermauer wieder einreißen und eine neue, gerade Mauer bauen kann. Auch die Form der Kommunikation steht hier völlig außer Frage: Die Firma wird nach außen repräsentiert, wie der Maurer sich selbst präsentiert. Die Firma wird sein Image tragen, und somit auch in jeder Form authentisch sein. Wenn er sich verstellt, wird die Authentizität leiden, da niemand mehr da ist, der das “falsche” Image mittragen kann.
Woran kann man eine “Identity” besser festmachen, als an einer Person?
Natürlich kann man diese Methodik nicht auf einen Konzern übertragen – denn wer soll hier “die Identität” personalisieren? Dennoch können Personen für einen bestimmten “Stil” stehen, der stillschweigend als Corporate Identity erkannt wird. Hier lässt sich beispielsweise Steve Jobs nennen, der mit seinem Verständnis darüber, was einen “Personal Computer” ausmacht, ein Produkt geprägt hat, wie kaum ein anderer. Ebenso hat er mit seiner Art diese Computer zu präsentieren einen Standard geschaffen, der inzwischen ein Markenzeichen der mittlerweile wohlbekannten Marke geworden ist. Und trotzdem beruht ein sehr großer Teil der Corporate Identity dieser Marke – nämlich das Corporate Design – inzwischen auf einer anderen Person: Jonathan Ive. Dieser steht wie kein anderer für das Produktdesign und somit einen sehr wichtigen Teil des Corporate Designs der Firma Apple.
Auffällig hierbei ist, dass gerade bei Apple, wo das Design eines der wichtigsten Produktmerkmale und Kaufkriterien der Kunden ist, ein (!) einziger Designer – also eine Person – maßgeblich im Vordergrund steht. Bei anderen Computerherstellern ist selten eine so eindeutige Handschrift zu erkennen wie bei der Marke Apple. Auch wenn Dell, Acer und Toshiba schicke Geräte im Programm haben, sind diese selten so eindeutig der Marke zuzuordnen, wie es bei Apple üblich ist. Ob die fehlende Handschrift im Design der Produkte der Grund ist, warum man ihre Designer selten kennt, oder ob man die Produkte nicht einer Marke zuordnen kann, weil sie die Handschriften verschiedener Designer tragen, scheint ein Henne-Ei Problem zu sein.
Hauptkriterium für eine gute Corporate Identity und ein gutes Corporate Design ist ein Stil und eine eindeutige Handschrift.
Und dass ein Stil und eine eindeutige Handschrift – in diesem Fall von drei Personen – bestens als CI funktioniert, hat bereits Alfred Lion bei Blue Note Records bewiesen.
Für die nicht-Jazz-Liebhaber unter meinen Lesern: Blue Note Records war bis in die 70er Jahre das Label für großartige Jazz-Platten. Wo das BlueNote-Logo drauf war, war guter Jazz drin. Ganz ähnlich wie das Fat Wreck Chords Logo im Punk. Leider sind die neueren Blue Note Platten nicht mehr ausnahmslos toll.
Alfred Lion hatte den Stil, die Musiker so aufzunehmen, dass sie sich wohl fühlten und Spaß am Spielen hatten. Und das hört man auf den Platten. Allerdings zeichnen sich die LPs von Blue Note Records nicht nur durch die ausgezeichnete Musik aus, sondern auch durch eine großartige Cover Art. Und daran waren zwei großartige Köpfe beteiligt: zum einen der Fotograf Francis Wolff und zum anderen der Designer Reid Miles. Gemeinsam haben sie Albencover geschaffen, die für mich mehr als nur ein gutes Corporate Design darstellen. Diese Platten – meine Damen und Herren – sind die Definition von Corporate Design. Gemeinsam haben die drei etwas geschaffen, was heute wie die perfekte Corporate Identity scheint, die bis heute oft kopiert und nie erreicht wurde.
Ein Fazit gibt es nicht.
So schön es wäre: Einem Großkonzern “einfach” die Handschrift von wenigen Individuen zu verpassen wird kaum möglich sein – und wenn überhaupt, muss so etwas über Jahre wachsen. Ein “Tu nichts dummes”-Grundsatz kann vielleicht in einer Internet-Kommunikationsrichtlinie bestens funktionieren. Allerdings dürfte schon der Gedanke daran, ein Corporate Design auf dem Grundsatz “Mach es hübsch” aufzubauen, jedem designinteressierten Menschen die Haare zu Berge stehen lassen. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, und wird mit Sicherheit von Fall zu Fall anders aussehen. Nur eins wird wohl niemals funktionieren: Meterdicke Regelwerke und gigabyteweise PowerPoint Präsentationen zur Corporate Identity.
Heute habe ich bei Blogwiese eine Aktion gefunden, bei der Johanna und ich natürlich unbedingt mit machen mussten: “Website Finger Hold – Die Person hinter dem Blog”
Mehr Infos zur Aktion gibts im entsprechenden Artikel bei Jeriko. Und hier sind unsere Bilder.
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