Ich schaue mir gerne und viele Bilder im Internet an. Da ich durch anschauen, zuschauen, etwas darüber lesen und anschließendes Nachmachen deutlich besser lernen kann als irgendwie sonst, ist das Internet die ideale Möglichkeit für mich etwas über Fotografie zu lernen. Und dabei fällt immer wieder eines auf: Frauen sind die besseren Fotografen. Es gibt zwar deutlich weniger Fotografinnen, aber alles in allem sind sie besser als die Männer. Sicherlich bestätigen Ausnahmen die Regel; es gibt auch Männer die selbst unter Frauen herausragen, und es gibt auch Frauen über deren Fotos man besser nicht spricht – aber im allgemeinen machen Frauen die schöneren Fotos.
Als interessierter Mensch kann ich das natürlich nicht einfach so hinnehmen; nein, neulich hat sich mir ein ganz vehement pochendes ‘Warum eigentlich?’ aufgedrängt. Daraufhin hab ich mir ein paar Bilder (ok, ein paar 1000 Bilder) bei flickr unter besonderer Betrachtung der Herkunft angeschaut. Also wer hat’s gemacht und womit. Dabei fiel auf:
- Mehr Männer als Frauen machen Fotos
- 70% der Männerfotos (also von Männer gemachten Fotos) sind grausam (was ja die Feststellung war, die mich hier hinführte)
- 30% der Frauenfotos sind grausam
- die meisten Frauen gute Kameras der kleinsten Klasse (also D50, 350D oder so), wenige schießen auf Film und einige holen erstaunliche Ergebnisse aus Fotografischem Müll: billige Kompakte und sogar Fotohandys(!)
- die Männerkameras sind da verschiedener und technikfixierter, also alles von analogen Film-SLR (Nostalgie) über gute Kompakte und kleine SLR bis hin zur DSLR-Mittelklasse
Daraufhin hab ich die Herkunft der guten Bilder noch mal genauer betrachtet und festgestellt, das die Zahl der guten Frauen- und Männerfotos ungefähr gleich ist; da aber mehr Männer Bilder machen/zeigen bestätigt das nur die Feststellung mit den 30 bzw. 70% schlechten Fotos. Bei den richtig guten Fotos ist sogar die absolute Zahl der Männerfotos noch eine Spur höher, auf die Gesamtzahl aller Fotos bezogen bleibt die ‘perfektes Foto’-Quote der Frauen höher.
Nun stellte sich die Frage: Warum haben die Frauen die bessere ‘Trefferquote’, was ist dort meistens besser? Zuerst fiel mir dabei der Bildausschnitt auf. Frauen finden ganz außergewöhnliche Ausschnitte, Perspektiven und Kombinationen von Gegenständen in verschiedenen Entfernungen – sind also innovativ, während Männer gute Arrangements und Ausschnitte selten im Raum, sondern meistens auf einer Ebene finden. Wenn doch der Raum genutzt wird, setzen Männer meistens eine schon mal dagewesene Idee einfach technisch besser um. Der WOW-Effekt rührt also bei Frauen meistens aus der neuen Sichtweise und des Arrangements, während er bei Männern meistens durch die technische Perfektion (Schärfe/Unschärfe-Verhältnis, Schatten, Rauschen, etc.) verursacht wird.
Auf der Suche nach dem Grund dafür kam ich zu folgender Lösung: Nach irgendeiner Studie, die ich irgendwann mal irgendwo gelesen habe haben Männer ein deutlich ausgeprägteres 3D-Seh- und Denkvermögen, während Frauen mehr in Ebenen denken (Link zu einem Beispiel). Nun geht es aber bei der Fotografie gerade um die Abbildung der realen Dreidimensionalität auf zwei Dimensionen – auf die Ebene – und das kommt der Wahrnehmung von Frauen deutlich zu gute. Ein von einer Frau wahrgenommenes Bild (im Raum) wirkt eher ‘statisch’, also wie ein Foto, während ein Mann die Gegenstände räumlich trennt.
Beispiel: Mann und Frau stehen vor einem Stadttor, durch das man einen Kirchturm oder Hügel mit Baum in der Ferne sieht. Während eine fotografisch interessierte Frau dieses Motiv sofort erkennt und die Kamera rauskramt, denkt der Mann – wie ich aus eigener Erfahrung weiß – ganz anders. Er nimmt zuerst die Tatsache wahr: Hier ist ein Tor, da hinten ist ein Baum / Kirchturm. Von beidem geht keine Gefahr aus, also lässt er es erstmal gut sein. Ist er nun aber fotografisch interessiert, gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens, er hat die Kamera in der Hand und ist auf Motivsuche. Dann hat er gute Chancen das Motiv selber zu finden, so lange er alleine unterwegs ist und nicht abgelenkt wird und mit den Gedanken wo anders ist. Zweitens, er hat die Kamera in der Tasche und hat schon viele Fotos gesehen. Dann klingeln nämlich die Alarmglocken: “Tür, durch die man was sehen kann” -> bekanntes Motiv, schon mal gesehen (bestimmt ursprünglich von einer Frau) -> wirkt meistens toll -> nehm ich doch mal die Kamera raus.
Auch das Blickfeld von Mann und Frau sind völlig verschieden; so hat ein Mann einen Winkel von ±7° vor der Nase mit vollster Aufmerksamkeit, einen Winkel von ±25° mit normaler bis schwacher Aufmerksamkeit und einen ‘nehm ich im Augenwinkel wahr’-Winkel von ca ±90°. Wenn also was außerhalb der ±7° passiert was wichtig ist oder außerhalb der ±25° irgendetwas passiert, muss der Mann den Kopf drehen. Für die Motivsuche ist das natürlich denkbar schlecht, denn mit 7° toll sehen und bis 25° akzeptabel sehen deckt man einen äquivalenten Brennweitenbereich von ca. 300mm in gut bis 110mm in akzeptabel ab. Frauen geht es da deutlich besser; zwar geht da der ‘Augenwinkel’-Bereich nur bis ca. ±65° und der Bereich der vollsten Aufmerksamkeit ist kaum feststellbar, dafür haben sie einen Bereich von normaler Aufmerksamkeit von 0 bis ±45° was einer Brennweite von ca. 50mm entspricht. Fotografen dürften spätestens jetzt etwas merken.
Diese Blickfeldgeschichte hab ich auch mal irgendwo gelesen und kann sie leider nur aus der Erinnerung zitieren; es kann auch sein dass die Winkelzahlen ein bisschen von der Originalstudie abweichen. Aber die Richtung müsste stimmen. Die entsprechenden Brennweiten hab ich aus dem Sigma Objektivkatalog entnommen.
Wenn man sich nun betrachtet, wo diese Unterschiede herkommen, führt einen das in die Steinzeit zurück. Dazu zitiere ich mal wieder eine Studie von irgendwo; wenn irgendwer weiß von wem sie ursprünglich stammt: ich bin um jeden Hinweis dankbar. Nun aber wieder zurück zur Steinzeit. Hier waren Männer für die Jagd und die Frauen fürs Beeren sammeln zuständig. Somit war es für die Männer wichtig, ein rennendes Tier fokussieren zu können, seine genaue Position, Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit festzustellen, die zu erwartende Position des Tieres nach Speerflugdauer zu extrapolieren und dann noch den Speer möglichst zielgenau in das Viech hineinzubugsieren. Das Umfeld war zu dem Zeitpunkt weniger wichtig, es sei denn es handelte sich um ein angreifendes Tier oder einen Feind – daher der große Augenwinkelbereich. Farbe und Form des Tieres hingegen war völlig zweitrangig – denn wenn es gerannt ist war es gesund und lecker; fertig. Farbe und Form hingegen war für die Frauen hingegen sehr wichtig; denn ob die gerade gesammelte Beere nun giftig war oder nicht ließ sich eben nur durch Farbe und Form bestimmen, da Beeren für gewöhnlich überhaupt nicht rennen. Auch ein erstmaliges danebengreifen war nicht weiter tragisch, da die Beere auch beim zweiten Versuch noch am Platz blieb. Wichtig war allerdings, alle Beeren im Umkreis zu sehen, um alle zu pflücken. Daher der breite Blickwinkel.
Diese Überlegung hat mich auf ein weiteres Kriterium der Betrachtung gebracht: Die Farbe. Und ja; es stimmt. Männer arbeiten gerne mit knalligen Farben; weiße Wand mit rotem Feuerlöscher, gelber Briefkasten an Lila Gartenzaun oder surreale HDR-Aufnahmen. Frauen hingegen schaffen es, mit Farben eine Stimmung und ein Ambiente zu erschaffen und Farben filigraner einzufangen und durch Nachbearbeitung bewusst einzusetzen.
Im Idealfall schließen sich also Männer und Frauen zusammen, gehen zusammen auf Fototour und wenn sich jeder bei seinen Schwächen vom anderen helfen lässt, sollten wir noch mehr tolle Aufnahmen zu sehen bekommen. Die dann aber bitte alle bei flickr hochladen, damit wir auch alle was davon haben
Solange möchte ich jeden einladen sich dort schon einmal umzuschauen, auf meiner Seite oder bei einem meiner contacts etwas zu stöbern und sich – und das ist mein Tip – die Favoriten der einzelnen Leute anzuschauen!