Eigentlich hatte ich mir schon im November vorgenommen, in meiner web2.0-Reihe einen Artikel zu schreiben, in dem ich twitter vorstelle. Aber inzwischen muss ich dies nicht mehr tun, denn es gibt einige Dinge, die das überflüssig machen.
Zum einen habe ich vor 2 Jahren wie viele andere auch schon mal einen Artikel darüber geschrieben, und bis auf ein paar Features und ein paar Änderungen in der Art der Nutzung von twitter hat sich seit dem auch nichts verändert.
Zum anderen ist twitter spätestens seit das Flugzeug im Hudson River gelandet ist in aller Munde. Regelmäßig taucht es in den klassischen Medien wie Zeitungen und dem offenbar auch dem Fernsehen auf. Artikel über twitter häufen sich seitdem sowohl auf Blogs als auch dort.
Um twitter herum haben sich mittlerweile haufenweise Programme, Services und Mashups angesiedelt, außerdem gibt es verschiedene Verzeichnisse, wie beispielsweise das Fotografenverzeichnis von Olaf Bathke.
Wer also Infos zu twitter sucht, findet mehr als er jemals lesen kann.
Twitter ist in den letzten Monaten geboomt und zum Massenmedium geworden. Anmeldebestätigungen von Einladungen, die ich vor 2 Jahren versandt habe, trudeln langsam bei mir ein. Menschen ohne Blog und ohne Nerdfaktor beginnen zu twittern und sind begeistert. Inzwischen gibt es aber auch Leute, die twitter nutzen, sich aber anscheinend ein twitter ohne twitter wünschen, da sie sich durch so ziemlich alles genervt fühlen, was twitter ausmacht. Dass man über die Sinnhaftigkeit von twitter streiten kann steht dabei wohl außer Frage – und auch die Einsatzzwecke sind für die einzelnen Nutzer sehr verschieden. Durch die Auswahl, wem man followt, kann man sich selbst entscheiden, ob man sich durch Smalltalk unterhalten lassen möchte, Diskussionen über sinnvolle und sinnfreie Dinge führen möchte oder ob man über die taufrischen Neuigkeiten aus dem Netz und der Welt informiert werden möchte.
Für Leute, die damit immer noch nichts anfangen kann, oder denen twitter keinen Mehrwert bringt, gibt es immer noch eine Möglichkeit. Man kann sich von twitter nämlich auch abmelden – denn was viele zu veressen scheinen: twitter ist freiwillig. Keiner muss twittern und, wie es immer so schön heißt “die Welt mit Belanglosigkeiten belästigen”.
Für twitter-Neulinge empfehle ich: Nicht zu viel glauben, nicht zu viel mutmaßen, sondern einfach mal selber ausprobieren. Einen Account anlegen, TwitterFox für FireFox oder TwitterFon fürs iPhone installieren, ca. 30 Follower nach Interessengebiet aussuchen und ca. 2 Wochen ausprobieren. Ich glaube, dass man sich dann ein recht gutes Bild machen kann. Mir kann man übrigens unter @ht82 followen.
Vor einigen Wochen habe ich eine Seite namens twitter.com ausfindig gemacht – gefunden über einen erstklassigen Landschaftsfotografen hier aus Karlsruhe – Kwerfeldein (sehr empfehlenswert sind sein Photoblog und seine Flickr-Seite).
Twitter – ursprünglich gedacht als erweiterte Statusnachricht (away-message), wie sie aus vielen Instant Messengern (ICQ, AIM, MSN, …) bekannt ist – taugt bei genauerem Hinsehen zu deutlich mehr. Die Seite von Twitter ist sehr einfach gehalten, man kann sein eigenes Hintergrundbild hochladen und hat eine Freundesliste, der andere Twitter-Accounts hinzugefügt werden können. Die Nachrichten (max. 140 Zeilen) können direkt auf der Twitter-Seite im Web-Interface, oder – und das ist der Clou – über das AIM Protokoll eingegeben werden. Mit anderen Worten: Man fügt seiner AIM-Kontaktliste (AIM, iChat, Adium, Trillian) einfach einen Kontakt namens TwitterIM hinzu, und kann nun einfach Nachrichten an diesen Kontakt schreiben, wie man sonst einem Freund schreibt. Der Unterschied ist nur, dass diese Nachricht nicht nur an eine Person gesendet wird, sondern in Echtzeit auf der Twitterseite auftaucht – und das auch bei allen Twitter-Freunden. Außerdem erscheint sie bei allen Freunden die gerade online sind auch im Instant Messenger – als Nachricht von TwitterIM. Der Vorteil davon ist, dass man alle Freunde mit einer Nachricht erreicht und sich komplizierte Multi-Messages oder stupides Copy-Paste einfach sparen kann. Außerdem erscheinen auf den jeweiligen Twitter-Home Seiten der Nutzer die letzten Nachrichten aller Freunde der letzten Tage – man sieht also was los war – auch wenn man nicht online war.
Diese Features nur für away-messages zu nutzen, wäre natürlich absolut unter den Möglichkeiten. Viel mehr verstehe ich Twitter als Möglichkeit zum ‘short-bloggen’. Wer zum Beispiel gerade einen lustigen YouTube-Link über ICQ geschickt bekommen hat, hat momentan recht beschränkte Möglichkeiten: ‘Lachen, schließen, nichts tun’ ist wohl die beliebteste, weil einfachste. Dann gibt es Leute, die den Link über ICQ weiter an Ihre Kontaktliste verteilen. Aber da kennt jeder das Problem: Man durchsucht die Liste, überlegt wen es interessieren könnte, wem es gefallen könnte, wer bestimmt keine Lust auf unnötige Filme hat, und und und. Letztendlich ist man eine Weile beschäftigt, es haben nur 5% der Leute die ihn gut fänden den Link, dafür haben 50% der Leute die ihn bekommen haben keinen Bock drauf oder fühlen sich sogar genervt. Die Überlegung des Bloggers ist wieder eine andere: Lohnt sich der Aufwand, jetzt in mein Blog-Programm zu gehen und einen Artikel dazu zu schreiben? Will ich über diese kurze Schmunzelei wirklich einen Artikel in meinem Blog machen? Will ich mich damit identifizieren? Oder will ich nur leblos dieses Video oder diesen Link ohne Text einstellen? Lohnt sich dafür der Aufwand?
Mit Twitter sieht die Sache nun anders aus: Einfach den Link über copy-paste an TwitterIM schicken – und er steht im Netz. Zu sehen für alle Freunde, wie im Blog. Allerdings mit dem Vorteil, dass hier keine Form und keine Formatierung erwartet wird – die Plattform ist eine Andere: Hier ist genau wie im Instant Messenger der reine Link durchaus passend, ausreichend und angemessen – es wird keine Optik, keine Formatierung und schon gar kein erläuternder Text wie im Blog erwartet. Außerdem wird nichts mehr aufgedrängt: wer es sich anschauen mag, kann es tun, wer nicht soll es bleiben lassen – aber jeder hat Zugriff darauf und jeder kann es sich anschauen.
Also Leute; die Ausrede ‘Nee, ich Blog nicht – das ist mir zu viel Arbeit’ ist keine mehr! Twitter ist da und bietet das, was es bisher nicht gab: Bloggen für faule!